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4:0 in der Bundesliga : Die nächste Show des FC Bayern

Freudenfest: Eric Maxim Choupo-Moting (rechts) und seine Teamkollegen vom deutschen Fußball-Rekordmeister Bild: EPA

Selbst ohne Trainer Julian Nagelsmann auf der Bank und mit neuen Spielern in der Startformation bleiben die Münchner eine Klasse für sich. Gegen die TSG Hoffenheim siegt der FC Bayern souverän.

          2 Min.

          Das Kommando kam aus der Kurve im Süden des Stadions. Dort, wo sich erstmals seit dem 8. März 2020 wieder die Ultras des FC Bayern versammelten hatten. Dort, wo sie ihre Banner präsentierten und ihre Fahnen schwenkten. Dort, wo ein Fußballspiel zu mehr als nur einem Fußballspiel wird.

          Bundesliga
          Christopher Meltzer
          Sportkorrespondent in München.

          Es waren an diesem Samstag 38 Sekunden gespielt im Bundesligamatch zwischen dem FC Bayern und der TSG Hoffenheim, als fast alle der 60.000 Zuschauerinnen und Zuschauern in der Arena in München standen. Sie freuten sich nicht über ein frühes Tor, was in diesen Wochen auch nicht weiter verwunderlich wäre, sondern sie gehorchten den Ultras in der Südkurve, die sie singend („Steht auf, wenn ihr Bayern seid“) dazu aufgefordert hatten. Im Stadion war wieder Stimmung – und das mit den Toren dauerte dann auch nicht mehr lange.

          Am neunten Spieltag der Bundesliga hat der Tabellenerste aus München 4:0 gegen Hoffenheim gewonnen. So wenig überraschend wie das Ergebnis waren die Namen der ersten beiden Torschützen: Serge Gnabry (16. Minute) und Robert Lewandowski (30.) sorgten schon in der ersten Halbzeit für die Vorentscheidung. Es folgten noch Treffer der eingewechselten Stürmer Eric Maxim Choupo-Moting (82.) und Kinsgley Coman (87.). Da durften die Fans nochmal grölen.

          Nagelsmann in der Küche

          Einer aber fehlte beim großen Zusammenkommen: Der Trainer Julian Nagelsmann, der unter der Woche positiv auf Covid-19 getestet worden ist, musste sich das Spiel aus seiner Küche ansehen – so hatte er es zumindest in der Pressekonferenz am Freitag angekündigt. Er dürfte von dort trotz technischer Möglichkeiten nicht zu viele Kommandos in die Arena gefunkt haben. Zum einen erforderte es der Spielverlauf nicht. Zum anderen hatte er gesagt, seinen Assistenten Dino Toppmöller und Xaver Zembrod die „nötige Verantwortung“ überlassen zu wollen.

          Toppmöller sagte später: „Es war ein verdienter Sieg.“ Und: „Wir sind alle froh, wenn Julian (Nagelsmann, d.Red.) schnellstmöglich zurückkommt – und ich wieder einen Schritt zurück machen kann.“ Er und Zembrod hatten zuvor gesehen, wie Robert Lewandowski in der zweiten Minute den Ball alleine vor dem Hoffenheimer Torhüter Oliver Baumann am Pfosten vorbeilupfte. Und wie der Videoschiedsrichter in der achten Minute ein Tor von Serge Gnabry aberkannte, weil Jamal Musiala davor gefoult hatte.

          Es waren dann aber Musiala und Gnabry, die in der 16. Minute eine schnelle und schöne Passkombination zum 1:0 vollendeten. Musiala mit der entscheidenden Weitergabe. Und Gnabry mit dem entscheidenden Schuss durch die Beine von Baumann. Einer, der übrigens nicht unhaltbar war.

          Traf zum zwischenzeitlichen 1:0: Serge Gnabry
          Traf zum zwischenzeitlichen 1:0: Serge Gnabry : Bild: EPA

          Beim zweiten Tor konnte dann auch Baumann nichts machen. Vielleicht musste er insgeheim sogar darüber staunen, was Thomas Müller und Robert Lewandowski angestellt hatten. Das fing damit an, dass Müller sah, dass er und Lewandowski jeweils nur einen Gegenspieler hatten. Der Ball war zu dem Zeitpunkt in der Nähe der eigenen Eckfahne. Doch Müller zeigte trotzdem mit dem Finger auf Lewandowski – und als Gnabry den Ball daraufhin von hinten nach vorne schoss, verlängerte ihn Lewandowski mit dem Kopf auf Müller, der trotz schlechter Position hartnäckig im Zweikampf blieb, bis er den Ball zu Lewandowski stocherte. Aus 20 Metern knallte der diesen hoch ins Toreck. Lewandowski rannte zur Kurve. Und Müller posierte wie ein Bodybuilder.

          Es war der Höhepunkt in einem Spiel, das danach nur noch einen echten Hingucker hatte. Er kam nicht von den Einwechselspielern Choupo-Moting und Coman, die gegen chancenlose Hoffenheimer spät auf 3:0 und 4:0 erhöhten, sondern abermals von den Ultras in der Südkurve. Sie präsentierten in der zweiten Halbzeit drei Banner. Auf ihnen stand: „Alles bleib beim Alten“. „Wir sind wieder da“. Und: „Dietmar ist ein“.

          Das war eine Anspielung auf den Konflikt der Ultras – nicht nur denen in München – mit Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp (und dem Kommerz, für den er ihrer Meinung nach steht), der im Frühjahr 2020 beim Auswärtsspiel der Bayern in Hoffenheim eskaliert war. Damals hatten die Fans ein Plakat mit der Aufschrift „Hopp bleibt ein Hurensohn“ gezeigt. An diesem Samstag entrollen sie mit etwas Verzögerung noch ein viertes Banner – und damit auch die Pointe: „ganz feiner Ehrenmann“.

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