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Bundesliga-Titelrennen : Bayerns Botschaften der Selbstgewissheit

Nicht nur Thomas Müller hat derzeit viel Spaß am Spiel der Bayern. Bild: AFP

4:0 bei Hertha, 5:0 gegen Schalke – die Münchner haben zum Start der Rückrunde eine makellose Bilanz. Fußballerisch und atmosphärisch ausbalanciert kehrt der FC Bayern zu alten Ansprüchen zurück.

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          Als Sportdirektor des FC Bayern ist man fraglos ein vielbeschäftigter Mann. „Wissen sie“, sagte Hasan Salihamidzic am späten Samstagabend, „wir haben so viel zu tun mit unserer Mannschaft, wir müssen uns vorbereiten, dass bei uns alles läuft. Was die Konkurrenz macht – dafür haben wir gar keine Zeit.“

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          Man wartete in diesem Moment irgendwie darauf, dass aus ihm noch einmal der Brazzo hervorbrechen würde, wenigstens in Form eines schelmischen Grinsens, doch der seriöse Herr Salihamidzic machte weiter vollkommen ernste Miene zum süßen Spiel: diesem für den FC Bayern wie gemalten Tag, an dem erst RB Leipzig 0:2 in Frankfurt verloren und dann der FC Bayern eine Demonstration der Meisterklasse gegen den FC Schalke 04 hatte folgen lassen. In den nächsten Tagen, konzedierte er, werde man vielleicht mal nach Leipzig schauen, in zwei Wochen steht ja das Duell mit dem Herausforderer an, dessen Vorsprung von vier Punkten auf einen geschmolzen ist. Aber die Botschaft war eindeutig: Was schert‘s uns, wenn irgendein Herr Nagelsmann schlechte Laune hat. Die Bayern, sie sind wieder ganz bei sich.

          Botschaften der Selbstgewissheit gab es nicht nur von Salihamidzic. Am deutlichsten formulierte Thomas Müller die Rückkehr des Rekordmeisters zu alten Ansprüchen und Attitüden. Diese „absolute Dominanz“ auszustrahlen, sei das allerwichtigste, damit beim Gegner „dieser Riesenrespekt, den man vor dem FC Bayern immer wieder hatte in den letzten zehn Jahren“, wieder zurückkehrt. Am besten noch, bevor das Spiel überhaupt angepfiffen wird. Am Samstag war es eine Frage von wenigen Minuten. Nach der Führung durch Robert Lewandowskis 21. Saisontor (6. Minute), begünstigt durch einen Fehlgriff von Torwart Markus Schubert (siehe nächste Seite), verließ die Schalker jeder Mut, so dass sie am Ende nach den weiteren Treffern von Müller (45.+2), Leon Goretzka (50.), Thiago (58.) und Serge Gnabry (89.) sogar noch gut bedient waren.

          Für die Münchner stellte sich die vermeintlich schwere Aufgabe schnell als das dar, was man in Bayern eine „gmahde Wiesn“ nennt. Wobei sie die Sense schon selbst kräftig angelegt hatten, „mit dem Attackieren, mit Intensität, mit der Präsenz, die wir in den Zweikämpfen zeigen“, wie Müller das formulierte. Tatsächlich störten die Bayern die Schalker so früh und entschlossen, dass diese mit sich und dem Ball nicht mehr viel anzufangen wussten, und das auch noch, als das Spiel längst entschieden war. So wie bei Thiagos Tor zum 4:0, das Müller beispielhaft erwähnte. Dem war ein gemeinschaftlicher Zugriff Thiagos mit Joshua Kimmich im Zentrum vorausgegangen.

          „Unsere Techniker im Mittelfeld gewinnen den Ball, Lewi legt uneigennützig quer, easy goal.“ Bei der Frage warum vieles, was in der ersten Halbserie noch so schwer aussah, jetzt so leicht fällt, wollte Müller keinen besonderen Eigenanteil reklamieren. „Dass man als Offensivspieler bei einem 5:0 seine Finger auch bei ein, zwei Toren im Spiel haben sollte, ist klar“, sagte er. Es ist anders herum eher so, dass er und das ganze Team von der Neuausrichtung unter Hansi Flick profitieren – und augenscheinlich ganz besonders von dessen Fähigkeit, in eine Mannschaft hineinzuhorchen und sie auszubalancieren, fußballerisch und atmosphärisch.

          Flick erfüllte nicht nur die Sehnsucht der Spieler nach einem mutigeren Auftreten als unter Niko Kovac, er schenkte auch Vertrauen, wo er Selbstbewusstsein und Führungskraft verschüttet sah: bei Müller etwa, der in einem Nebensatz sogar schon wieder die EM als mögliches Sommerziel erwähnte, oder bei Leon Goretzka, der gegen seinen ehemaligen Klub sein bestes Spiel seit langem für die Bayern machte, und in den beiden Rückrundenspielen nun schon auf vier Torbeteiligungen kommt. Gegen Schalke hatte Flick ihn nach vorn verlegt, in eine Spielmacherposition hinter den Spitzen, die ihm liegt, dahinter sorgten Kimmich und Thiago mit dafür, dass aus dem Zentrum des Spielfelds eine bayerische Kraft- und Kreativzentrale wurde. „Er hat in einer schwierigen Situation übernommen und ein Klima geschaffen, in dem wir uns wohlfühlen. Und er hat an der einen oder anderen Schraube gedreht“, sagte Goretzka über Flick.

          Müller versah dieses Thema am Ende noch mit einer kleinen Mahnung. „Es bringt uns nix, Ende Januar große Lobeshymnen auf uns alle anzustimmen, und in drei, vier Wochen schaut’s wieder anders aus“, sagte er. Für den Augenblick aber schaut es ganz so aus, als hätten die Bayern das Beste erreicht, was sie sich erhoffen konnten: In einer Phase des Übergangs herrschen wieder Vertrauen in die eigene Stärke und die nötige Ruhe, um im Hintergrund weiterzuarbeiten an den großen Zukunftsfragen. Als Salihamidzic auf mögliche Transfers bis zum 31. Januar angesprochen wurde, reagierte er defensiv. „Der Trainer hat viele Optionen“, sagte er; die neueste, die Leihgabe Alvaro Odriozola von Real Madrid, hatte Flick gegen Schalke noch gar nicht benötigt. „Wir bleiben ruhig, ich sehe das sehr gelassen“, fügte Salihamidzic noch hinzu. Was selbstverständlich nicht heißt, dass man als Sportdirektor beim FC Bayern nichts zu tun hat.

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