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Kommentar : K.o. für die Bundesliga

Ein bisschen Spannung würde der Bundesliga nicht schaden: Die Bayern sind schon wieder deutscher Meister. Bild: EPA

Um Spannung zu erzeugen, sollte die Bundesliga sich ein Beispiel an der Champions League nehmen. Da wird der Sieger in K.-o.-Spielen ermittelt. Das würde der Liga guttun – und auch den Bayern.

          Wenn eine deutsche Meisterschaft nur noch ein Trostpreis ist, dann stimmt fundamental etwas mit einer Liga nicht, in der das möglich ist. Seit fünf Jahren heißt der deutsche Meister nun FC Bayern, und wenn das nur ein bisschen so weitergeht, wird in Deutschland eine Generation von Teenagern herangewachsen sein, die in diesem prägenden Fußballalter keinen anderen Titelträger als den Rekordmeister aus München erlebt hat. Spannung in der Bundesliga kennt der deutsche Fußballfan-Nachwuchs schon jetzt nur noch von der Playstation.

          Vier Jahre nach dem Höhepunkt mit dem Finale der Champions League zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund fällt das Fazit für die Bundesliga bitter aus. Jahrelang haben die Bayern der Konkurrenz und den Fans der Bundesliga weiszumachen versucht, dass ihre enormen Einnahmen und Investitionen unverzichtbar seien, denn nur auf diese Weise, so die Behauptung, könnten sie die Champions League gewinnen. Das Ergebnis aber ist ebenso ernüchternd wie ermüdend. In Europa heißt es seit vier Jahren spätestens im Halbfinale: Bye-bye, Bayern. Und die Bundesliga ist zu einer Monokultur verkommen, die mit einem faszinierenden sportlichen Wettbewerb an der Spitze nichts mehr zu tun hat – und deren Nervenkitzel nur noch darin besteht, die Schlechtesten der Liga ausfindig zu machen.

          Die Leiden der Münchner nach ihren Knock-outs in Madrid und gegen Dortmund haben beim frühen Titelgewinn in Wolfsburg noch nachgewirkt. Ihren Anführern Rummenigge und Hoeneß war anzumerken, dass diese beiden Niederschläge schmerzhafter waren als alle Treffer, die Wladimir Klitschko am Samstag in seinem epischen Kampf um die WM und gegen das Alter einstecken musste. Klitschko riskierte alles, die Münchner riskieren seit Jahren nichts mehr. Als die Bayern nun zweimal zu Boden gingen, mussten sie einsehen, dass sie sich vier Jahre nur selbst für die Meister aller Klassen hielten.

          Und fest steht auch: Eine gute Handvoll Top-Duelle des FC Bayern haben die Liga und die Fans mit vier Jahren unendlich Langeweile bezahlt. Ein schlechter Deal. Es ist Zeit, ihn zu beenden. In dieser Saison hat es ein einziges sogenanntes Spitzenspiel gegeben, aber der FC Bayern zeigte den jungen Leipzigern schnell, dass er immer noch in einer anderen Liga spielt. Ansonsten waren die Abstände in vermeintlichen Top-Duellen viel zu groß – wie auch in den Vorjahren.

          Es wird zu Recht angemerkt, dass die Zeit dieses in Ehren gealterten Bayern-Teams abgelaufen sei. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass deswegen die Liga wieder spannend würde. Die Substanz des Bayern-Kaders ist auch ohne Lahm und Alonso riesig – und die Klubkasse prall gefüllt. Die Kräfte des Marktes sind weiter auf der Seite der Münchner. Vom ehrlichsten Wettbewerb, der eine Meisterschaft angeblich sein soll, ist die Bundesliga unter diesen Bedingungen weit entfernt. Um Spannung zu erzeugen, sollte sie sich ein Beispiel an der Champions League nehmen. Da wird der Sieger in K.-o.-Spielen ermittelt. Das würde der Bundesliga guttun – und auch den Bayern.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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