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7:0-Sieg in Bundesliga : Der FC Bayern wie im Rausch

Treffsicher vor dem Tor: Münchens Leroy Sané Bild: AFP

Gegen den VfL Bochum treffen die Münchner aus fast allen Lagen. Und der Aufsteiger trifft auch – allerdings ins eigene Tor. Für den Moment grüßt der FC Bayern wieder von der Tabellenspitze.

          3 Min.

          Es gibt in München einen Mann, der mit dem Stadion sprechen kann. Auf Stephan Lehmann, den Mann am Mikrofon, horchen die Fußballfans des FC Bayern. Sie wissen, was er wann genau von ihnen hören will. Und trotzdem konnten viele der 25.000 Anwesenden nicht antworten, als Lehmann vor dem Anpfiff der zweiten Halbzeit gegen den VfL Bochum sagte: „Neu im Spiel, mit der Nummer drei: Omar…“

          Christopher Meltzer
          Sportkorrespondent in München.

          Am Samstagnachmittag hat der englische Außenverteidiger Omar Richards, 23 Jahre alt, das erste Mal für den FC Bayern München in der Bundesliga gespielt. Es war daher verständlich, dass die Anhänger seinen Namen nicht so locker und laut aufsagen konnten wie den von Thomas Müller. Und es war vielleicht noch etwas verständlicher, wenn man sich daran erinnerte, wie viele Namen sie in den ersten 45 Minuten schon hatten aufsagen müssen.

          Bundesliga

          Sieben Tore für die Bayern

          Am Ende haben Stephan Lehmann und die Fans alleine ihr Tor-Ritual insgesamt sieben Mal aufführen müssen. Viermal in der ersten Halbzeit. Dreimal in der zweiten. Sie sahen, wie die Spieler aus München die Spieler aus Bochum überforderten und mit ihrer Wucht überraschten. Der Endstand: 7:0. Die vielen Tore sorgten aber eben nicht nur dafür, dass die Fans mal wieder mit den Namen der Hauptdarsteller ihrer Mannschaft konfrontiert wurden, sondern auch mit denen der Nebendarsteller. In der zweiten Halbzeit standen neben Omar Richards irgendwann auch noch die Einwechselspieler Bouna Sarr, Eric-Maxim Choupo-Moting und Tanguy Nianzou auf dem Rasen.

          Es wird in den ersten Saisonwochen zu notieren sein, wie Julian Nagelsmann, der neue Trainer in München, die Bundesligaminuten unter seinen Spielern verteilt. „Wir müssen von Verletzungen verschont bleiben“, sagte er neulich in einem F.A.Z.-Interview, als es darum ging, ob seine Mannschaft gut genug sei, um die Champions League zu gewinnen.

          Und auch wenn das einiges mit Glück und Pech zu tun hat, kann Nagelsmann die Wahrscheinlichkeit für Verletzungen natürlich verringern, indem er seine Stammspieler in der Bundesliga hin und wieder nicht spielen lässt. Im US-Sport nennen sie das „Load Management“. Im modernen Fußballdeutschen würde man wohl sagen: Belastungssteuerung.

          Nichts zu machen: Bochums Torhüter Manuel Riemann
          Nichts zu machen: Bochums Torhüter Manuel Riemann : Bild: EPA

          „Wir werden sicherlich dem einen oder anderen Spieler eine Pause geben“, sagte Nagelsmann am Dienstagabend in Barcelona, wo seine Mannschaft davor das erste Vorrundenspiel in der Champions League 3:0 gewonnen hatte. Er sagte dort aber auch: „Wir haben eine Mannschaft, die es gewohnt ist, alle drei Tage zu spielen. Und wir haben viele Spieler im Kader, die es auch wollen. Denen werde ich das Spiel nicht wegnehmen.“

          Am Samstagnachmittag hat Nagelsmann nur drei Spieler nicht spielen lassen, die in Barcelona zur ersten Elf gehörten: Benjamin Pavard, Dayot Upamecano und Jamal Musiala. Sie wurden durch Josip Stanisic, Lucas Hernandez und Serge Gnabry ersetzt. Alle anderen machten wieder mit – und wie. Es waren noch nicht mal 20 Sekunden gespielt, als Thomas Müller das erste Mal den Ball eroberte und Robert Lewandowski das erste Mal schießen durfte. Er wurde noch geblockt. Das war’s dann aber eigentlich schon mit den guten Nachrichten für Bochum.

          Kurioses Eigentor

          „Es ist sehr bitter, wenn man schon viermal gehört hat, dass es die höchste Vereinsniederlage war“, sagte VfL-Trainer Thomas Reis später, als er in der Pressekonferenz über das Spiel sprach. Er hatte gesehen, was nach der Chance von Lewandowski passiert war. Wie Leroy Sané in der 17. Minute einen Freistoß ins Tor geschossen hatte. Wie Joshua Kimmich in der 27. Minute eine Vorlage von Sané verwandelt hatte. Wie Serge Gnabry in der 32. Minuten einen Konter, der durch einen schnell ausgeführten Freistoß eingeleitet worden war, vollendet hatte.

          Und als der Bochumer Verteidiger Vasilios Lampropoulos sich nach seinem kuriosen Eigentor – er hatte den Ball an seinem herauseilenden Torhüter vorbeigespitzelt – in der 43. Minute das eigene Trikot über den Kopf zog, war das passende Bild für diese Halbzeit gefunden.

          „Wir haben in der Aufstellung gesehen, dass der Julian uns definitiv nicht unterschätzen wird“, sagte Thomas Reis hinterher. Erst in der zweiten Halbzeit schickte jener Julian Nagelsmann dann Omar Richards für Alphonso Davies aufs Feld. Später wechselte er auch Sané, Kimmich und Lewandowski aus – doch erst nachdem Lewandowski und Kimmich in der 61. und 65. Minute jeweils noch ein Tor geschossen hatten.

          Und obwohl Choupo-Moting zum 7:0 traf (79.), sagte Thomas Reis: „Es hätte schlimmer kommen können.“ Und als der Schiedsrichter in Rücksprache mit dem Videoassistenten ein achtes Tor von Thomas Müller zurücknahm, sagte sogar der Stadionsprecher Stephman Lehmann: „Lass ma’s gut sein.“

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