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FC Bayern München : Hausaufgaben gemacht - viel bleibt zu tun

  • -Aktualisiert am

„Hausaufgaben gemacht”: Jürgen Klinsmann geht optimistisch in die zweite Saisonhälfte Bild: ddp

Voller Tatendurst geht der FC Bayern die zweite Saisonhälfte an, die mit dem Pokalspiel in Stuttgart beginnt. Der Meister glaubt sich wieder titelreif, auch wenn noch viele Baustellen offen sind. Für Uli Hoeneß gibt es in seinem letzten Jahr als Manager viel zu tun.

          Es geht recht lustig zu beim FC Bayern München, gerade so, als ob ein langersehnter Ausflug in den Vergnügungspark bevorstünde und nicht ein Pokalspiel beim VfB Stuttgart. Dass Trainer Jürgen Klinsmann seiner Interviewpflicht mit einem Lächeln nachkommt, ist nichts Neues. Er hat sich praktisch durch die gesamte Vorrunde gelächelt, auch noch, als der Verein nach zwei Niederlagen zwischenzeitlich in größere Turbulenzen geraten war.

          Vor der Abreise ins Schwabenland aber wirkten seine Gesichtszüge nicht mehr bemüht und wie in Stein gemeißelt. Die Lockerheit schien echt. Dass die Anspannung lange nicht mehr so groß ist wie vor gut einem halben Jahr, als Klinsmann seinen Dienst in München antrat, ist kein Wunder. Damals war alles neu, für die Mannschaft und für den Trainer. Die Vorbereitung musste wegen der Europameisterschaft auf mehreren Etappen absolviert werden. Dazu kamen noch größere und kleinere Blessuren wichtiger Spieler.

          Der Erwartungsdruck steigt

          Dieses Mal hatte Klinsmann schon beim Trainingsauftakt in Dubai fast alle beisammen, nur Lukas Podolski war wegen einer Grippe in München geblieben. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, sagt Klinsmann. Fünf Siege in fünf Testspielen haben allerdings nur wenig Aussagewert, das weiß auch der Trainer: „Man bekommt natürlich erst einen Gradmesser, wenn es richtig losgeht.“ An diesem Dienstag in Stuttgart, im Pokalachtelfinale.

          Es gibt viel zu tun: Uli Hoeneß im Trainingslager in Dubai

          Die Verletzungssorgen hat nun Herbstmeister Hoffenheim, und vielleicht traut deshalb nicht ein Bundesligatrainer dem Emporkömmling die Meisterschaft zu. Wieder einmal tippen alle 18 darauf, dass am Ende der FC Bayern ganz oben steht. Also alles bestens beim FC Bayern? Fast alles. Der Erwartungsdruck steigt, die Verantwortlichen haben nun nicht mehr so viel Geduld. Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge machte zuletzt deutlich, dass ein Titel her müsse, denn beim FC Bayern werde „alles am Erfolg gemessen“. Zudem gibt es noch ein paar Baustellen zu beseitigen. Die betreffen zwar vor allem die neue Saison, aber sie könnten in den nächsten Wochen oder vielleicht auch Monaten die Harmonie stören.

          Schwebende Verfahren

          Mit den Personalplanungen hatten die Bayern schon lange vor Weihnachten begonnen, aber das leidige Thema Podolski stellte alles in den Schatten (siehe: Fußball-Kommentar: Poldi in der „comfort zone“). Die Zukunft des Nationalspielers war fast zu einer nationalen Angelegenheit geworden und erfuhr höchste mediale Präsenz. Die zwischenzeitliche Verpflichtung des Hamburger Offensivspielers Ivica Olic für die neue Saison war vergleichsweise eine Randnotiz, und alles, was jetzt noch kommt, wird wohl eher ruhig ablaufen - es sei denn, irgendein Scheich böte 150 Millionen Euro für Franck Ribéry. Bei dieser Summe jedenfalls, verkündete Bayern-Manager Uli Hoeneß neulich, „würden wir anfangen, nachzudenken“ - über einen Verkauf (siehe auch: Bayern-Star Ribéry: Francks Reich).

          Es gibt noch ein paar schwebende Verfahren beim FC Bayern. Die Zukunft von Mark van Bommel gehört ebenso dazu wie die von Landon Donovan. Der Kapitän hat sich noch nicht entschieden, ob er das Angebot über einen Einjahresvertrag annehmen wird. Angeblich lassen ihn weniger die anhaltenden Verhandlungen mit dem russischen Nationalspieler Anatoli Timoschtschuk vom Uefa-Pokal-Sieger Zenit St. Petersburg und noch weniger die in der vergangenen Woche bestätigte Einigung mit dem 22 Jahre alten Alexander Baumjohann von Borussia Mönchengladbach grübeln als vielmehr die Laufzeit des offerierten Kontraktes. Der Holländer hätte gern einen längerfristigen Vertrag.

          Handlungsbedarf in der Abwehr

          Landon Donovan ebenfalls (siehe auch: Bayerns Kalifornier Landon Donovan: „Wieso FC Hollywood?“). Der Amerikaner spielt bis Anfang März auf Bewährung in München. Wenn er die Leistungen aus der Vorbereitung bestätigt und die Ablösesumme, die Los Angeles Galaxy für die vorzeitige Freigabe des Stürmers verlangt, nicht die Vorstellungen der Bayern-Verantwortlichen übersteigen, wird er wohl länger bleiben dürfen. Ansonsten müssen sich die Münchner für die neue Saison auf jeden Fall nach einem, vielleicht sogar nach zwei neuen Stürmern umschauen. Und auch auf der rechten Abwehrseite gibt es Handlungsbedarf, seit feststeht, dass Willy Sagnol seine Karriere beendet (siehe: Willy Sagnol: Der letzte Sieger von 2001 sagt Adieu). Der vom AC Mailand ausgeliehene Massimo Oddo drängte sich bisher nicht auf, und Christian Lell ist nur ein braver Platzhalter. Uli Hoeneß hat einiges zu tun in seinem letzten Jahr als Manager.

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