https://www.faz.net/-gtm-8arkw

Bundesliga-Kommentar : Angriff auf den letzten Bayern-Gegner

Ein gewohntes Bild: Auf dem Rasen jubeln die Bayern über einen weiteren Sieg. Bild: dpa

Sportlich ist der FC Bayern in der Bundesliga ohne Konkurrenz. Nun bleibt hierzulande nur noch ein Gegner. Die Münchner werden auch dieses Duell für sich entscheiden.

          2 Min.

          Dieses Bundesliga-Wochenende war bestens geeignet, um das deutsche Fußball-Kartellamt in Marsch zu setzen. In Richtung München. Aber das Wächteramt für freien und fairen Wettbewerb im Profifußball gibt es natürlich nicht, und so ist der Konkurrenz nichts anderes übriggeblieben, als wieder einmal die Fakten zur Kenntnis zu nehmen. Zuerst diejenigen vom Finanzvorstand des FC Bayern und dann die auf dem Fußballplatz. Fakten, die eigentlich zur Kapitulation zwingen.

          Am Samstag hat der FC Bayern gegen den bisherigen Tabellenvierten Hertha BSC Berlin 2:0 gewonnen, der 13. Sieg im 14. Spiel. 40 Punkte, vier Punkte mehr als im Vorjahr zu diesem Zeitpunkt. Rekord. Der sogenannte Verfolger Borussia Dortmund wäre mit seiner Punktausbeute in England, Italien und Spanien entweder an der Spitze oder zumindest auf Tuchfühlung zum Tabellenführer. Nur nicht in der Bundesliga, der europäischen Topliga außer Konkurrenz. Oder besser: ohne Konkurrenz.

          Beschwichtigende Worte wie etwa die des Sportdirektors Matthias Sammer, der in den vergangenen Jahren von einer dauerhaften Monokultur an der Spitze nichts wissen wollte, sind in München nicht mehr zu hören. Niemand in der Bundesliga sollte sich daher, wenn die Eigentümerverhältnisse in deutschen Fußballklubs so bleiben, noch Hoffnung auf einen spannenden Liga-Wettbewerb an der Spitze machen. 523 Millionen Euro Umsatz. 111 Millionen Euro Einnahmen aus dem operativen Geschäft. 23 Millionen Euro Gewinn nach Steuern. Und auf dem legendären Festgeldkonto: 411 Millionen Euro. Die Bayern spielen nicht nur in einer eigenen Liga. Sie könnten auch eine Bank aufmachen.

          Natürlich haben die Bayern sich das alles verdient. Aber sie wollen noch mehr. Ihr Blick geht nach England, in Richtung des Fernseh-Milliardenmarkts, der Bayern-Spielern wie Manuel Neuer, Thomas Müller und Jerome Boateng derzeit offenbar atemraubende Angebote beschert. Und die Kosten für den FC Bayern in die Höhe treibt, der die drei Weltmeister zu gerne bis ins nächste Jahrzehnt an sich binden möchte. Das kostet so viel wie nie zuvor.

          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

          Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

          Mehr erfahren

          Und die neun Milliarden Euro, die das Fernsehen den Klubs der Premier League in den kommenden drei Jahren überweist, werden den FC Bayern in der Fernsehtabelle in zwei Jahren auf Platz 26 in Europa zurückfallen lassen. Das war das Szenario, das die Münchner auf ihrer Jahreshauptversammlung auf die Videowand warfen. Der Rekordmeister auf dem Feld und der Finanzen forderte die Deutsche Fußballliga daher unmissverständlich auf, mehr Geld zu beschaffen. Mit der bisherigen Zentralvermarktung, die lange für einen gewissen Ausgleich in der Liga sorgte, sind die Summen nicht zu erlösen, die der FC Bayern braucht, wenn er sich an der Premier League orientiert.

          Das ganz große Geld ist nur mit der Einzelvermarktung zu machen. Noch aber steht das Solidaritätsprinzip der Liga diesem Wunsch entgegen. Aber dem deutschen Markt sind die Bayern - Solidarität hin oder her - ohnehin entwachsen. Ihr einziger verbliebener Gegner ist hierzulande die Zentralvermarktung, das letzte Relikt der alten Fußballzeit. Und wenn der FC Bayern, wie angekündigt, aus der Einzelvermarktung fünfzig Prozent in einen Solidarfonds für kleinere Klubs einzahlt, werden die Münchner selbst dieses Duell für sich entscheiden. Auch die Zeit spielt für den FC Bayern.

          Michael Horeni
          (hor.), Sport

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Auf der Intensivstation des Asklepios Klinikums Langen bringen Pflegerinnen in Schutzkleidung einem Corona-Patienten eine Mahlzeit.

          Corona in Deutschland : Weniger Neuinfektionen, die Inzidenz sinkt

          Das Robert Koch-Institut hat binnen eines Tages 18.485 Neuinfektionen und 284 Todesfällen registriert. Das ist abermals deutlich weniger als in der Vorwoche. Kein Bundesland liegt mehr über einer Inzidenz von 200.
          Dass Geimpfe sich bald wieder zum Grillabend treffen könnten, stoße bei vielen auf Unverständnis, glaubt Bremens Regierungschef Andreas Bovenschulte. (Symbolfoto)

          F.A.Z.-Frühdenker : Wann treten die Regeln für Geimpfte in Kraft?

          Genesene und Geimpfte können sich möglicherweise ab dem Wochenende über mehr Normalität freuen und die SPD will Olaf Scholz als Kanzlerkandidaten vorstellen. Was sonst noch wichtig wird, steht im F.A.Z.-Newsletter für Deutschland.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.