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Bayern-Trainer Flick : „Das ist für mich nicht nachvollziehbar“

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Mit Maske nach Köln: Bayern-Trainer Hansi Flick Bild: EPA

Beim FC Bayern gibt es vor dem Spiel in Köln viele Themen. Zwei Rekorde sind möglich. Alabas Zukunft bleibt offen. Trainer Flick kommt zudem auf ein Thema zu sprechen, zu dem er klare Worte findet.

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          Der FC Bayern München verzichtet an diesem Samstag im Bundesligaspiel beim 1. FC Köln (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) auf Stürmerstar Robert Lewandowski. Wie zuvor von „Bild“ und „Sport Bild“ berichtet, steht Lewandowski, der an den ersten fünf Spieltagen schon zehn Tore geschossen hat, nicht im Kader. Gleiches gilt für Goretzka. Eine Begründung des Vereins gab es bisher nicht. Trainer Hansi Flick ließ sogar einen Platz im Kader frei. Zuletzt hatte Europas Fußballer des Jahres Mitte Juni beim 2:1-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach gefehlt - damals wegen einer Gelbsperre.

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          Die Reise nach Köln begann für Flick mit einem Blick zurück. Der vor 30 Jahren als Fußball-Profi von den Münchnern zum 1. FC Köln gewechselte Flick erzählte vor dem Duell am Rhein gerne eine nette Anekdote. „Christoph Daum wollte mich damals unbedingt von Bayern weg lotsen. Aber ich habe nicht ein Mal unter ihm trainiert, weil er noch vor dem ersten Training entlassen wurde“, erinnerte der 55-Jährige vor einem Spiel, bei dem diesmal Markus Gisdol als Kölner Trainer wackelt.

          Damals, als Flick Nachbar von Weltmeister Pierre Littbarski war, übernahm Erich Rutemöller, zu dem der Münchner Erfolgscoach auch heute noch Kontakt hat. „Das war ein Kapitel in meinem Leben“, sagte Flick und richtete fix den Fokus auf die nächste Aufgabe des Rekordchampions. „Es ist eine andere Zeit und wir spielen unter anderen Voraussetzungen in Köln. Da wollen wir drei Punkte holen“, forderte Flick, der nach seinem Abschied beim deutschen Meister aus München von 1990 bis 1993 für den FC spielte.

          Eine Woche vor dem Gipfeltreffen gegen Borussia Dortmund winkt am Samstag im Idealfall die Tabellenspitze, da der mit einem Punkt führende Tabellenführer RB Leipzig bei Borussia Mönchengladbach eine schwere Aufgabe vor sich hat. Der Auftritt des Münchner Dauergewinners beim seit 15 Liga-Spielen sieglosen Dauerverlierer Köln ist das zweite von vier Auswärtsspielen in nur zwölf Tagen. Salzburg am Dienstag in der Champions League und das Spitzen-Duell in einer Woche beschließen dieses strapaziöse Programm.

          „Mir wäre es lieber gewesen, wenn wir ein Heimspiel dabei hätten. Wir nehmen das an und versuchen natürlich, dass wir die Belastung dementsprechend ausgleichen“, ließ Flick personelle Änderungen durchblicken. Der Trainer weiß die Vorzüge seines vergrößerten Kaders in diesen Tagen sehr zu schätzen. Eric Maxim Choupo-Moting, Marc Roca, Bouna Sarr und Rückkehrer Douglas Costa waren auf den letzten Drücker zum FC Bayern gekommen. „Es ist ein kleiner Prozess, aber wir haben eine gute Basis und ein gutes Gerüst“, sagte Thomas Müller.

          Der Ko-Kapitän dürfte nach seiner vorzeitigen Auswechslung beim 2:1 in Moskau wieder mitwirken. Entwarnung gab Flick bei Leon Goretzka. Der in den vergangenen Tagen abermals für seine Auftritte und sein Corona-Engagement geehrte Mittelfeldmann war in der Königsklasse nach Wadenproblemen ausgewechselt worden. Der gesperrte Corentin Tolisso sowie die verletzten Alphonso Davies und Tanguy Nianzou werden fehlen.

          Spannend ist die Besetzung auf den Flügeln, auf denen der gegen Moskau nicht aufgebotene Leroy Sané und der eingewechselte Serge Gnabry Startelf-Optionen sind. In der Innenverteidigung kann Flick aus Jérôme Boateng, Niklas Süle und David Alaba auswählen. „Alle drei Innenverteidiger machen ihre Sache sehr gut“, sagte der Bayern-Coach, der weiter auf eine Vertragsverlängerung von Alaba setzt. „Ich hoffe immer noch, dass er bei Bayern unterschreibt“, sagte Flick.

          So sehr sich Flicks Chef Oliver Kahn über einen Sieg freuen dürfte – gleich zwei alleinige Rekorde könnte er dann los sein. Sollte Manuel Neuer ohne Gegentor spielen, wäre es das 196. Zu-Null-Spiel – das glückte bislang nur Kahn in der Bundesliga. Thomas Müller steht vor seinem 260. Sieg mit dem FC Bayern – Kahns Vereinsbestmarke.

          Flick appellierte derweil mit Blick auf die verschärften Corona-Beschränkungen an die Solidarität in der Gesellschaft. „Wir haben jetzt eine Situation, in die wir durch sehr viel Leichtsinn wieder reingekommen sind“, sagte er. „Viele Berufsgruppen haben darunter zu leiden, da muss man Solidarität zeigen.“ Das gelte auch für die Regierung, die ihrerseits ja schon Hilfsmaßnahmen angekündigt habe. „Die, die arbeiten können, sind in dieser Hinsicht wirklich privilegiert und müssen schauen, vorbildlich mit der Sache umzugehen.“

          Flick kam von sich aus auf die Corona-Krise zu sprechen, nachdem er zu Werten aus der Fritz-Walter-Zeit wie Demut, Bescheidenheit und Vereinstreue befragt worden war. Begriffe wie diese oder Gemeinschaft, Loyalität und Solidarität seien auch in der heutigen Zeit gerade jetzt wichtig, sagte Flick. Der 2002 gestorbene Fritz Walter wäre an diesem Samstag 100 Jahre alt geworden. Er habe für zentrale Werte gestanden und sei „für jede Mannschaft ein Riesenvorbild“, sagte Flick über Walter.

          Flick sieht seine eigene Mannschaft und sich als wichtige Vorbilder in schwierigen Zeiten. „Ich trage die Maske so oft, wie es erfordert ist, halte Abstand und habe meine sozialen Kontakte reduziert“, sagte der 55-Jährige. Dagegen stoßen ihm Bilder von Demonstrationen oder Zuschauern in Fußball-Stadien ohne Abstand und Maske auf. „Das ist für mich nicht nachvollziehbar in der heutigen Zeit“, kritisierte er. „Wir müssen das akzeptieren, durchgehen und die nächsten zwei, drei, vier Wochen schauen, wie sich alles entwickelt.“

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