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Stolz auf Transfermarkt-Coup : Das große Glück des FC Bayern mit Coutinho

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Lächeln um die Wette: Karl-Heinz Rummenigge, Philippe Coutinho und Hasan Salihamidzic (von links) Bild: AFP

Zunächst lief es nicht rund für die Münchner auf dem Transfermarkt. Nun stellen sie Philippe Coutinho vor – und platzen fast vor Stolz. Dabei zahlen die Bayern für den Deal zunächst einen „Freundschaftspreis“.

          Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sieht den Kader des deutschen Fußball-Rekordmeisters nach den jüngsten Transfers bestens aufgestellt. „Vom Mix her ist das alles gut. Wir sind total zufrieden, und wir sind überzeugt, dass wir mit dem Kader, den wir jetzt damit auch stehen haben, eine erfolgreiche, gute Saison spielen werden“, sagte Rummenigge am Montag bei der Vorstellung des neuen Offensivstars Philippe Coutinho vom FC Barcelona. „Wir alle beim FC Bayern sind total zufrieden mit dem Transfermarkt.“

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          Rummenigge zählte die beiden französischen Weltmeister Lucas Hernandez und Benjamin Pavard, dem WM-Zweiten Ivan Perisic aus Kroatien sowie Copa-America-Sieger Coutinho auf. Hinzu kommen noch die Talente Michaël Cuisance und Fiete Arp. „Das ist das, was wir unbedingt machen wollten: Für die Offensive einen absoluten Topspieler zum FC Bayern zu holen“, sagte Rummenigge. „Das ist mit Philippe Coutinho gelungen.“

          Coutinho hielt am Montag das rote Trikot mit der Nummer 10 und seinem Namen lächelnd in die Kameras, daneben strahlten Rummenigge und Hasan Salihamidzic um die Wette. Der unbändige Stolz über ihren spektakulären Transfer war  den Verantwortlichen von Bayern München bei der Vorstellung des „kleinen Magiers“ deutlich anzusehen. „Wir sind sehr glücklich“, sagte Rummenigge, der freudig erregte Salihamidzic ergänzte, dies sei „ein Transfer, der dem FC Bayern gut zu Gesicht steht“.

          Im Pressesaal der Allianz Arena herrschte schon mal Ausnahmezustand, es war, als habe der Messias Einzug gehalten bei den Bayern: 17 Kamerateams und um die 80 Reporter aus aller Welt kamen zum Empfang der neuen Bundesliga-Attraktion. Geduldig absolvierte der 27 Jahre alte Brasilianer, für den die Münchner laut Rummenigge den „Freundschaftspreis“ von zunächst 8,5 Millionen Euro Leihgebühr an den FC Barcelona zahlen, das knapp halbstündige Frage-und-Antwort-Spiel – dabei wollte er nur eines: „Ich kann es kaum erwarten, das Trikot überzuziehen und zu spielen.“

          Eine erste Kostprobe seines Könnens gab Coutinho in voller Spielkleidung gleich am Montag im Stadion, am Dienstag wird er erstmals mit der Mannschaft trainieren. Sein Debüt könnte er am Samstag (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) im Auswärtsspiel bei Schalke 04 geben, auch wenn er sagte: „Ich bin noch nicht ganz fit.“ Die Erwartungen sind hoch. Der Transfer habe, betonte Salihamidzic, „eine große Bedeutung“ für den FC Bayern, denn: Coutinho könne der Fixpunkt der Offensive und zuständig für das Spektakel sein, zudem soll er dem Rekordmeister zu Titeln verhelfen.

          Sehr viel Last auf den schmalen Schultern des nur 1,72 Meter großen Offensivspielers. Zu viel? „Ich bin eigentlich kein Typ, der gerne über sich selbst spricht, aber ich versuche, Torchancen zu kreieren, aber ich arbeite auch defensiv mit“, sagte Coutinho. „Auf jeden Fall“ könne er versprechen, „dass ich alles für diesen Verein geben werde. Ich habe große Ziele wie der FC Bayern, und ich bin überzeugt, dass ich diese zusammen mit meinen neuen Mannschaftskollegen erreichen kann“. Um zu wissen, worauf er sich einlässt, hat er unter anderem mit Thiago sowie den ehemaligen Bayern-Brasilianern Lucio und Rafinha telefoniert.

          Die Vorfreude bei den Verantwortlichen auf die Auftritte des Offensivspielers ist schier grenzenlos. „Die Bundesliga wird durch so einen sensationellen Spieler bereichert, der unsere Mannschaft auf ein anderes Level heben wird. Wir haben einen spektakulären Spieler in unseren Reihen“, sagte Salihamidzic. Trainer Niko Kovac hatte Coutinho schon zuvor als „Weltstar“ geadelt. Geht es nach Marko Grujic von Hertha BSC, der mit Coutinho in Liverpool spielte, wird der Brasilianer „bei Weitem der beste Fußballer in Deutschland sein“.

          Einer der teuersten ist er fraglos. Barca hatte im Januar 2018 145 Millionen Euro (plus Zuschläge von 15 Millionen) an den FC Liverpool gezahlt. Die Bayern zahlen zunächst die „sehr günstige“ (Rummenigge) Leihgebühr von 8,5 Millionen Euro Leihgebühr, danach können sie eine Kaufoption über 120 Millionen Euro ziehen. „Ich schließe nicht aus, dass es eine lange Zusammenarbeit wird“, sagte Rummenigge. Der FC Bayern wird Coutinho dafür aber weiter sein Gehalt von angeblich 13 Millionen Euro netto zahlen müssen.

          An Trainer Niko Kovac liegt es nun, den Luxuskader nach dem Stotterstart in der Bundesliga (2:2 gegen Hertha BSC) in Titelform zu bringen. Der Druck auf ihn steigt. Sein neuer Spieler kündigte schon mal dezent an, er würde am liebsten auf der „Zehn“ spielen. Die passende Rückennummer hat er schon. Er weiß aber auch: Die „Nummer zehn ist eine große Verantwortung“. Arjen Robben hat sie getragen. Unter anderem beim Siegtor im Champions-League-Finale 2013. 

          Der FC Bayern München wollte das Trikot mit der Nummer zehn in dieser Saison eigentlich nicht vergeben – aber für Coutinho machte der Klub eine Ausnahme. „Wir wollten ihm und den Fans zeigen, welch Wertigkeit dieser Transfer hat. Das war auch für Philippe ein wichtiges Zeichen, dass  der ganze Klub hinter ihm steht“, sagte Rummenigge. Die 10 hatte in den vergangenen zehn Jahren Vereinslegende Robben getragen. Den 35 Jahre alten Niederländer hatten die Bayern am Vormittag von ihrem Plan unterrichtet.

          „Arjen hat damit überhaupt kein Problem. Philippe ist ein mehr als würdiger Nachfolger für sein Trikot“, sagte Rummenigge. In Anerkennung für die Verdienste von Franck Ribery hatte der FC Bayern auch dessen Nummer 7 in dieser Saison „gesperrt“. Für Coutinho ist die Zehn „eine große Verantwortung. Diese Nummer gehörte Robben, der Ikone hier war. Es lastet viel auf mir, aber ich kann ruhig arbeiten und mit gutem Fußball auf dem Feld zeigen, was ich kann“, sagte der Brasilianer.

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