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Verwirrung beim FC Bayern : Hoeneß kündigt eine Erklärung an

  • Aktualisiert am

Entscheidung im August: Bayern-Präsident Uli Hoeneß. Bild: dpa

Uli Hoeneß will seine Posten beim FC Bayern wohl aufgeben. Die Nachricht erwischt den Klub völlig auf dem falschen Fuß. Nun äußert sich der Bayern-Präsident – und verrät, wann mit einer Entscheidung zu rechnen ist.

          Die Verwirrung ist allenthalben groß. Und der FC Bayern München hat nach dem letzten Spiel auf der Amerika-Reise für keine Aufklärung zur Zukunft von Präsident Uli Hoeneß gesorgt. Der 67-Jährige will nach Informationen der „Bild“-Zeitung auf der Mitgliederversammlung im November nicht mehr zur Wiederwahl als Präsident des deutschen Fußball-Rekordmeisters antreten. Damit könnte eine Ära im Klub enden, die als Spieler 1970, also vor fast fünfzig Jahren, begann. Der langjährige Bayern-Macher wollte sich in dem Zeitungsbericht selbst nicht äußern. Am Mittwoch sagte Hoeneß dem Fußballmagazin „Kicker“, er werde seine Entscheidung „dem Aufsichtsrat am 29. August mitteilen, vorher gibt es von mir keine offizielle Erklärung“. Neben dem Wunsch, etwas kürzerzutreten, soll aber auch die Kritik an seiner Person auf der vergangenen Mitgliederversammlung zur Entscheidung beigetragen haben, sich zurückzuziehen.

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          Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge äußerte sich am Dienstagabend (Ortszeit) in Kansas City nach dem 1:0 der Münchner gegen den AC Mailand im Children’s Mercy Park Stadium nicht. Der Verein veröffentlichte bislang auch keine Stellungnahme zur Medienmeldung. Der Bayern-Tross machte sich gleich nach dem Spiel auf die Heimreise. Nach dpa-Informationen kam die Nachricht aus Deutschland für die Münchner in Kansas völlig überraschend. Entsprechend waren die Reaktionen.

          Trainer Niko Kovac antwortete bei der Pressekonferenz angesprochen auf Hoeneß, dass er gerne etwas sagen würde, aber es nicht könne, weil er „wirklich“ nicht wisse, „wieviel Wahrheitsgehalt“ in dem Medienbericht stecke. „Von daher nehmen Sie es mir nicht übel, wenn ich das jetzt nicht kommentiere“, äußerte der 47-Jährige. „Von unserer Seite gibt es dazu keinen Kommentar“, sagte Mediendirektor Stefan Mennerich in Kansas City

          Die Münchner Profis hielten sich ebenfalls zurück. „Das ist bisher nur über die Medien bekannt, ich habe noch keine Informationen aus erster Hand“, sagte Thomas Müller. David Alaba gestand, dass es „schwierig“ sein würde, sich den FC Bayern ohne Hoeneß vorzustellen. Laut „Sport Bild“ meinte der Linksverteidiger: „Im ersten Moment war das ein Schock, ich war auf so etwas nicht vorbereitet.“

          „Er ist schon die prägende Figur gewesen in zig Jahrzehnten. Das ist einmalig“, erklärte Nationalspieler Leon Goretzka zum Vereinspatron: „Mehr kann ich dazu auch nicht sagen. Ich denke, ich warte erstmal, dass er das persönlich meldet.“ Auch Joshua Kimmich wusste nicht mehr: „Ich habe die Bombe noch nicht einschlagen hören. Wann hört er auf?“ Für ihn persönlich sei es überraschend. „Ich kenne den FC Bayern eigentlich nur mit Uli Hoeneß. Ich weiß nicht, ob es ein Fakt ist oder nur ein Gerücht. Ich kann es mir gar nicht vorstellen.“

          Nach „Bild“-Informationen will Hoeneß auch den Posten als Aufsichtsratschef abgeben. Für dieses Amt hatte sich der 67-Jährige erst im vergangenen Dezember bis ins Jahr 2022 bestätigen lassen. Seit 40 Jahren bestimmt der frühere Profi mit einer Unterbrechung während seiner Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung zunächst als Manager und dann als Präsident die Geschicke des deutschen Rekordchampions. Er hatte erst als Spieler und dann als Macher zahlreiche nationale und internationale Erfolge mit dem Klub gefeiert, dessen Stellung als deutscher Branchenführer er systematisch ausbaute.

          Hoeneß hatte erst Anfang Mai sein Amtsjubiläum von 40 Jahren als Manager und Macher des Vereins gefeiert. „Ich werde mich nach der Saison in aller Ruhe mit meiner Familie zusammensetzen und bis Ende Juni entscheiden, ob ich noch einmal antrete oder nicht. Diesen Fahrplan kennen alle im Verein“, hatte Hoeneß anlässlich des Jubiläums in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur erklärt. „Ich bin in der Sache total entspannt. Eines ist aber auch klar: Man darf sich nicht einbilden, dass man unersetzlich ist. Jeder ist ersetzbar“, fügte der Weltmeister von 1974 hinzu.

          Hoeneß soll planen, den stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden und ehemaligen Adidas-Chef Herbert Hainer als Nachfolger für seine bisherigen Ämter vorzuschlagen. Seit Ende 2016 ist Hoeneß zum zweiten Mal Präsident des deutschen Rekordmeisters, nachdem er im März 2014 nach der Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe wegen Steuerhinterziehung von seinen Ämtern zurückgetreten war. Als künftiger Vorstandsvorsitzender soll der einstige Bayern- und Nationalmannschaftstorwart Oliver Kahn kommen. Kahn soll ab 2020 zunächst auf Probe einsteigen und später den Job von Rummenigge übernehmen, der Ende 2021 aufhören will. Hoeneß hatte immer betont, ihm sei wichtig, dass Rummenigge und er nicht zur selben Zeit ihre Ämter aufgeben.

          „Mir gefällt Olivers Entwicklung nach der Spieler-Karriere. Er hat sich als Experte im Fernsehen fantastisch entwickelt, ein Fernstudium in Betriebswirtschaft gemacht und eine Firma gegründet“, hatte Hoeneß im dpa-Interview gesagt. „Wir haben hier jemanden, der den Fußball als Torwart auf allerhöchstem Niveau erlebt hat und zugleich in der Lage ist, im wirtschaftlichen Bereich seinen Mann zu stehen. Das reizt uns so.“

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