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1:1 gegen Bremen : FC Bayern leistet sich erstaunlichen Patzer

Robert Lewandowski konnte diesmal nicht als Torjäger glänzen. Bild: Reuters

Am Ende einer Fußballwoche mit sehr bemerkenswerten Ergebnissen erwischt es auch die Münchner: 1:1 gegen Werder Bremen. Und nach 90 intensiven Minuten muss man fast sagen: immerhin das.

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          In der 17. Spielminute musste Hansi Flick machen, was er eigentlich nicht mehr machen wollte. Als er sah, dass Lucas Hernández, sein Linksverteidiger, schon zum zweiten Mal auf dem Rasen behandelt werden musste, winkte er David Alaba zu sich, flüsterte ihm etwas ins Ohr, und als Alaba wieder aufs Feld trabte, stellte er sich nicht mehr in der Mitte auf, sondern auf der linken Seite. Da veränderte sich das Spiel.

          Bundesliga
          Christopher Meltzer
          Sportkorrespondent in München.

          Als Flick vor mehr als einem Jahr zum Cheftrainer des FC Bayern befördert worden ist, hat er schon in seinem ersten Spiel eine Entscheidung getroffen, die unter allen guten Flick-Entscheidungen vielleicht die beste war: Er machte Alaba, den ewigen Linksverteidiger, zu seinem Abwehrchef. Das war nicht verhandelbar. Bis zur 17. Minute an diesem Samstag. Als Hernández ausgewechselt werden musste – er war nach einem Luftzweikampf auf den Rücken gefallen –, konnte Flick nicht Alphonso Davies eintauschen, den zweiten Linksverteidiger, weil der sich schon vor einem Monat verletzt hat.

          Da machte Flick, was er nicht mehr machen wollte: Er zog Alaba aus der Mitte ab. Und als Maximilian Eggestein in der 45. Minute das 1:0 für Werder Bremen schoss, stand er halbrechts im Strafraum. Dort also, wo normalerweise Alaba gewesen wäre. Am Ende einer Fußballwoche mit erstaunlichen Ergebnissen hat es auch den FC Bayern erwischt. 1:1 gegen Werder Bremen. Und nach 90 intensiven Minuten musste man fast sagen: immerhin das.

          Es war am Samstagnachmittag nur etwas mehr als 24 Stunden her, seit die vielen Reiserückkehrer sich in München erstmals wieder gemeinsam auf dem Trainingsplatz versammelt hatten. Auf ihren Expeditionen durch die europäischen Hotspots haben sie sich nicht mit dem Virus angesteckt, das war’s dann aber schon mit den guten Nachrichten.

          Der französische Nationalspieler Corentin Tolisso kam mit muskulären Problemen zurück. Die deutschen Nationalspieler Manuel Neuer, Niklas Süle, Leon Goretzka, Serge Gnabry und Leroy Sané kamen ebenfalls mit Problemen zurück, immerhin nicht mit muskulären. Sie standen aber auf dem Rasen, als ihre Nationalelf, die in einigen Monaten um die Europameisterschaft mitspielen will, von den Spaniern vorgeführt worden ist, Tor für Tor für Tor. Das verunsicherte sogar Flick. Er sei gespannt gewesen, was ihn im ersten Training in München erwarte, nur hörte er sich danach gar nicht mehr verunsichert an: „Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich total begeistert bin. Von der Intensität, der Qualität. Das war so nicht zu erwarten.“

          Das Heimspiel gegen Werder fing dann so an, wie es für Flick zu erwarten war. Die Bremer zogen sich weit hinter die Mittellinie zurück. Seine Münchner griffen an. Nur die meisten deutschen Nationalspieler fehlten. Das Tor hütete Neuer, Goretzka, Gnabry und Sané saßen nur auf der Bank. Süle schaffte es nicht mal dorthin. Der Grund: Trainingsrückstand. Dafür setzte Flick erstmals von Anfang an auf den 17 Jahre alten Jamal Musiala. „Der Trainer“, sagte Sportvorstand Hasan Salihamidzic vor dem Spiel, „versucht, dass er die Belastung so steuert, dass wir alle bis Weihnachten gesund durchkommen.“

          Es offenbarte sich dann aber schnell, dass Flicks Elf die Selbstverständlichkeit fehlt. Sie war nicht eingespielt. Es waren die Kleinigkeiten, die nicht stimmten – und eine Bremer Elf, die sich ins Spiel kämpfte und grätschte. Spätestens als Alaba die Mitte verlassen musste, verloren die Bayern die Kontrolle. Und dann ein Konter: Joshua Sargent legt auf, Eggestein trifft. Da war Flick wieder verunsichert. Als das Gegentor fiel, deutete er einen Tritt gegen die Bande an. Als die Männer auf der Bremer Bank kurz danach mal wieder laut brüllten, schimpfte er vor sich hin: „Mann, ist das eine Schreierei.“

          Maximilian Eggestein erzielt das 0:1 für Bremen beim FC Bayern.
          Maximilian Eggestein erzielt das 0:1 für Bremen beim FC Bayern. : Bild: Reuters

          In der zweiten Halbzeit wurde es nicht leiser, im Gegenteil. Die Bremer feuerten sich ununterbrochen an. Nur einmal verstummten sie. In der 62. Minute flankte Goretzka, der für Hernández eingewechselt worden war, den Ball von rechts in den Strafraum, wo ihn Coman ins Tor köpfte. Zuvor hatte Douglas Costa bereits die Latte getroffen. Eine Minute nach dem 1:1 wechselte Flick Choupo-Moting, Gnabry und Sané zusammen ein. In der 84. Minute schoss Choupo-Moting aus drei Metern über das Tor. „Auf geht’s“, brüllte Neuer. „Einer geht noch“, schrie Müller. Es war aber der Bremer Stürmer Sargent, der das Spiel hätte entscheiden können. In der 87. Minute lief er auf Neuer zu. Aber der parierte.

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