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Bundesliga-Kommentar : Bayern unter Innovationsdruck

Philipp Lahm (links) und Arjen Robben stehen nicht für die ferne Zukunft des FC Bayern. Bild: dpa

Leipzig wird die Bayern zwingen, das Beste aus sich herauszuholen – nicht nur im Topspiel. Der spezielle Reiz dieses neuen Bundesliga-Duells speist sich auch aus den fußballerischen Gegensätzen.

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          Er hat es schon wieder getan. Wenn die Rasenballsportler aus Leipzig an diesem Mittwoch als Herausforderer auf Augenhöhe in der Münchner Arena antreten – zumindest für den Moment –, dann ist das nicht zuletzt ein Verdienst von Ralf Rangnick. Und so darf man durchaus ein bisschen staunen darüber, dass dem Fußball-Professor aus Schwaben schon zum zweiten Mal ein ganz reales Kunststück gelungen ist, von dem andere in der Bundesliga nicht einmal zu träumen wagen: die vermeintlich zementierten Verhältnisse aufzubrechen; die Allgewalt des bayerischen Imperiums tatkräftig in Frage zu stellen.

          Wer fühlt sich in diesen Dezembertagen nicht erinnert an jenes elektrisierende Duell vor acht Jahren, das die Bayern mit einiger Müh’ und Not und erst im letzten Moment 2:1 gegen Hoffenheim gewannen. Vor dem Spiel damals hatte Rangnick seine Sicht auf die Dinge mit einem berühmt gewordenen Bonmot auf den Punkt gebracht: „Wenn Sie flotte Sprüche hören wollen, müssen Sie nach München fahren. Wenn Sie flotten Fußball sehen wollen, sind Sie in Hoffenheim richtig.“

          Abgesehen davon, dass das natürlich selbst ein ziemlich flotter Spruch war (den Rangnick noch bereuen sollte), steckte schon auch eine gute Portion Wahrheit darin. Vom Hoffenheimer Fußball-Labor ging seinerzeit eine Innovationskraft aus, wie sie Land und Liga lange nicht gesehen hatten. Und wie es sie seither eigentlich auch nur noch einmal gab: in Form von Jürgen Klopps Pressing- und Gegenpressing-Furor, der die Bayern für mehr als eine Spielzeit das Fürchten lehrte.

          Das Leipziger Modell nun, von Rangnick implementiert und von Ralph Hasenhüttl als Bruder im Geiste zum Leuchten gebracht, erinnert nicht nur stark an den Hoffenheimer Vorläufer: mit seiner Mischung aus Eroberergeist und Schwarmintelligenz, gegründet auf die Dynamik der Jugend. Es hat ihm gegenüber sogar noch den Vorteil, nicht oder zumindest weitaus weniger von einzelnen Personen abhängig zu sein. So etwas wie im Januar 2009, als mit dem Kreuzband von Vedad Ibisevic auch der Hoffenheimer Faden riss, droht den sächsischen Systempraktikern eher nicht.

          Ob sie damit tatsächlich Meister werden können? Das ist, bei nüchternem Blick, immer noch der weitaus unwahrscheinlichere Fall. Sie werden jedoch, nach Lage der Dinge, die Bayern zwingen, das Beste aus sich herauszuholen - nicht nur an diesem Mittwochabend. Der spezielle Reiz dieses Duells speist sich, wie schon mit Hoffenheimer und Dortmunder Beteiligung, auch aus den fußballerischen Gegensätzen. Und aus der Frage, wie die Münchner über den Tag hinaus auf den Innovationsdruck reagieren. Die anderen Male gingen sie, weil sie die Notwendigkeit von Veränderungen erkannten, letztlich sogar gestärkt hervor. Modernisierungsbedarf meinte man bei den Münchnern auch zuletzt wieder zu erkennen. Wie groß der ist - das könnte gut und gerne dieser Mittwoch zeigen.

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