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FC-Bayern-Monopol brechen : Die Sehnsucht der Bundesliga

Mit Leipzig zeitweise spitze, oft aber nicht beharrlich genug: Julian Nagelsmann und RB Leipzig Bild: dpa

„Made in Germany“ ist im internationalen Fußball bei Trainern ein Prädikat. Von dieser neuen deutschen Trainer-Welle hat die Bundesliga dennoch nicht viel. Das hat mehrere Gründe.

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          Julian Nagelsmann gegen Jürgen Klopp, das gab es schon einmal. Dreieinhalb Jahre ist das her, als Nagelsmann mit der TSG Hoffenheim um die Champions-League-Qualifikation gegen Liverpool spielte. Schon damals war es eine Begegnung, in die mehr hineingelesen wurde als nur die Frage, wer weiterkommt. Klopp und Nagelsmann – die Namen standen für verschiedene Generationen desselben Phänomens: der neuen deutschen (Trainer-)Welle, die im internationalen Fußball mehr und mehr Spuren hinterließ, mit Eroberergeist als Haltung und Pressing als taktischem Mittel, um die Ketten des im spanischen Ballbesitzmodell gefangenen Spiels zu sprengen. Es war am Ende ein ungleiches Duell im Sommer 2017. Der Meister Klopp setzte sich klar gegen den Lehrling Nagelsmann durch, auch wenn das vor allem an der Qualität der Mannschaften lag.

          Bundesliga

          Für Klopp und die „Reds“ wirkte es in der Rückschau wie eine Initialzündung für drei phantastische Jahre, in denen sie ins Finale der Königsklasse einzogen (2018), im nächsten Anlauf die europäische Krone eroberten (2019) und sich schließlich die große Sehnsucht nach der englischen Meisterschaft erfüllten (2020). Ein Zeichen zum Aufbruch aber war es auch für Nagelsmann: 30 Jahre war er erst, aber er dürfte gespürt haben, dass ihm Hoffenheim bald zu klein werden würde.

          Beweis für exzellente Arbeit

          Und wenn er und Klopp sich jetzt in der Champions League wiedersehen, am Dienstag zum Achtelfinalhinspiel in Budapest (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League sowie bei DAZN) und drei Wochen später im Rückspiel, stehen die Chancen gar nicht schlecht, dass sich die Verhältnisse diesmal umkehren. Aus englischer Sicht wäre es zugleich ein weiterer Beweis für die exzellente Arbeit deutscher Trainer, auch wenn gerade Pep Guardiola wieder der Innovationsführer ist und der Liverpooler Lack ein wenig blättert. Klopp, Tuchel, vielleicht irgendwann Nagelsmann – made in Germany ist auf der Insel und darüber hinaus ein Prädikat.

          Aus deutscher Sicht aber ist es bedauerlich, dass die Bundesliga nicht so viel davon hat. Leipzig mag ein Team sein, das selbst in Europa (fast) jeden überraschen kann, nicht zuletzt dank Nagelsmanns strategischer Schärfe, im Alltag aber war es bislang auch nicht beharrlich genug, um schwächelnden Bayern ernsthaft auf den Pelz zu rücken. Die Verpflichtung Dayot Upamecanos darf man als zusätzliche Münchner Machtdemonstration verstehen, die zeigt, dass dem Leipziger Modell bis auf weiteres Grenzen gesetzt sind.

          So sehnt sich die Bundesliga weiter nach einer Konstellation, die das Meistermonopol der Bayern brechen könnte. Ganz besonders schaut man dabei auf Dortmund – und der BVB selbst in die Röhre. Nicht nur, weil die Liverpooler Erfolgsstory noch einmal vor Augen führte, was man selbst schon erleben durfte: Wie ein Mann die volle Wucht eines solchen Klubs entfesselt. Zum Phantomschmerz namens Klopp kommt vielleicht das ungute Gefühl, nicht zugegriffen zu haben, als der Mantel der Fußballgeschichte noch einmal vorüberwehte, 2018, als es beim Abtasten mit Nagelsmann blieb. Auf ihn hätte der BVB ein Jahr warten müssen. Er entschied sich stattdessen für Lucien Favre.

          Seither suchen die Borussen weiter nach sich selbst und für den Sommer mal wieder einen neuen Trainer; die Entscheidung, heißt es, liegt bei Marco Rose, über den an diesem Montag bekannt wurde, dass er im Sommer von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch machen werde. Auch der Name Nagelsmann war zuvor immer wieder genannt worden. Aber dieses Dortmund wäre für ihn inzwischen womöglich schon zu klein.

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