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Bayern-Sieg über Stuttgart : Große Lewandowski-Show in Unterzahl

Robert Lewandowski kommt dem Tor-Rekord von Gerd Müller immer näher. Bild: dpa

Der FC Bayern kassiert früh eine Rote Karte. Das stört den Spitzenreiter kaum. Gegen Stuttgart gelingt auch dank Rekordjäger Lewandowski ein klarer Sieg. In Leipzig fehlen aber zwei Münchner.

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          Jetzt, da für den FC Bayern die finalen zwei Monate der Fußballsaison angebrochen sind, möchte Hansi Flick sämtliche Störgeräusche in seinem Verein abstellen – und hat mit einem angefangen, das von ihm selbst ausging. „Aus der Emotionalität heraus ist mir ein Satz rausgerutscht, auf den ich nicht stolz bin und der mir auch leidgetan hat“, sagte Flick am Tag vor dem Bundesligaspiel gegen den VfB Stuttgart.

          Bundesliga
          Christopher Meltzer
          Sportkorrespondent in München.

          Er sprach über den Konflikt zwischen Hasan Salihamidžić und ihm, Sportvorstand und Trainer. Ein Konflikt, der auf inhaltlicher Ebene schon länger geführt wird, aber diese vor ein paar Wochen offenbar verlassen hat. Wenn man der „Bild“-Zeitung glaubt – und das kann man in diesem Fall wohl, weil die Protagonisten der Darstellung nicht widersprochen haben –, soll Flick während einer Busfahrt zu Salihamidžić gesagt haben: „Jetzt halt endlich mal das Maul!“ Am Mittwoch hat sich Flick mit seinem Vorgesetzten ausgesprochen – und das Störgeräusch angeblich abgestellt.

          Am Samstag gab es aber schon das nächste: ein Schrei von Wataru Endo. Es waren elf Minuten vorbei im Match zwischen München und Stuttgart, da sprang Alphonso Davies, der Linksverteidiger der Bayern, seinem Gegenspieler Endo auf den Knöchel. Ohne Absicht, aber das änderte nichts. Schiedsrichter Daniel Schlager zückte die Gelbe Karte.

          Lewandowski kommt Gerd Müller nahe

          Als er sich die Szene auf Hinweis des Videoassistenten danach noch einmal ansah, konnte er allerdings nicht anders, als aus der Gelben eine Rote Karte zu machen. Davies akzeptierte das sofort. Und so folgten weitere elf Minuten, die viel über Flicks Bayern verraten: Sie lassen sich nämlich nicht von Störgeräuschen aufhalten – und offensichtlich nicht mal von einem Gegner in Überzahl. In der zwölften Minute musste Davies vom Platz. In der 23. Minute führten die Münchner schon 3:0.

          Am 26. Spieltag hat der FC Bayern nicht nur 4:0 gegen den VfB Stuttgart gewonnen. Er hat eine der besseren Bundesligamannschaften mit einem Mann weniger vorgeführt. Mit einem Teamverhalten, das beeindruckend war. Und mit einem Mittelstürmer, der einem legendären Liga-Rekord immer näher kommt. Als Robert Lewandowski in der 70. Minute ausgewechselt wurde, fehlten ihm nur noch fünf Treffer zur 40-Tore-Marke von Gerd Müller aus der Saison 1971/72. Im Duell mit Stuttgart war der Pole mit drei Toren näher an Müller, den früheren Bayern-Stürmer, herangerückt.

          Beim 1:0 stand Lewandowski nach einer Flanke von Serge Gnabry schlechter als der Stuttgarter Waldemar Anton, aber streckte seinen Fuß im richtigen Moment zum Ball und lenkte diesen ins kurze Eck (18.). Beim 3:0 stand Lewandowski nach einer Flanke von Thomas Müller besser als Anton und köpfte den Ball ins Tor (23.). Beim 4:0 behauptete Lewandowski den Ball im direkten Duell mit Anton und schoss ihn flach ins Tor (39.). Seine größte Chance im Spiel vergab er aber: Aus sieben Metern knallte er den Ball über die Latte (63.).

          Das schönste Tor des Tages kam aber nicht von Lewandowski. Am linken Strafraumeck passten sich Leroy Sané und Thomas Müller in der 22. Minute den Ball zu. Als die Stuttgarter Verteidiger herausrückten, stupste Müller den Ball zu Sané, der heimlich an ihnen vorbei in den Strafraum gehuscht war. Sané hätte schon schießen können, aber er entschied sich für die elegante Lösung: einen Querpass zu Gnabry. Der musste den Ball in der Mitte nur noch ins offene rechte Toreck schieben. Ein kleines Kunstwerk.

          Störgeräusche stören die Mannschaft von Hansi Flick offenbar nicht.
          Störgeräusche stören die Mannschaft von Hansi Flick offenbar nicht. : Bild: Reuters

          Und in der zweiten Halbzeit? Da mussten die Bayern, die anders als unter der Woche gegen Lazio Rom mit Manuel Neuer (war erkältet) im Tor und ohne Joshua Kimmich (ist jetzt erkältet) im Mittelfeld angetreten waren, nicht mehr viel investieren. Die Stuttgarter konnten das nicht. Deren Sportdirektor Sven Mislintat lobte hinterher im „Sky“-Interview neben Lewandowski, der nun mit 271 Treffern der zweitbeste Torschütze der Bundesliga-Geschichte ist, vor allem Müller. „Thomas hat das Defizit, ein Mann weniger zu sein, fast alleine aufgehoben.“

          Am Ende haben die Bayern gegen Stuttgart drei Punkte gewonnen, aber auch zwei Verteidiger verloren. Im nächsten Bundesligaspiel in Leipzig am 3. April, das für die Meisterschaft entscheidend sein könnte, werden Davies (Rote Karte) und Jérôme Boateng (fünfte Gelbe Karte) fehlen.

          Flick bestätigt Länderspiel-„Go“ für Lewandowski und Alaba

          Der FC Bayern München stellt Torjäger Robert Lewandowski nun doch für das WM-Qualifikationsspiel von Polen in England ab. Auch David Alaba darf mit der österreichischen Auswahl nach Schottland reisen. „Für beide hat es das Go von uns gegeben“, bestätigte Trainer Hansi Flick am Samstag nach dem 4:0 des deutschen Rekordmeisters in der Fußball-Bundesliga gegen den VfB Stuttgart.

          Großbritannien war von den deutschen Behörden bislang als Virusvariantengebiet eingestuft worden, was die Bundesliga-Profis höchstwahrscheinlich zu einer Quarantäne nach der Wiedereinreise nach Deutschland gezwungen hätte. Von Sonntag an wird Großbritannien aber nur noch als Risikogebiet gelistet, was die Reisebeschränkungen in Teilen aufhebt. Der FC Bayern wollte nicht Gefahr laufen, auf die beiden Leistungsträger womöglich im Bundesliga-Topspiel gegen RB Leipzig am 3. April nach der Länderspielpause verzichten zu müssen. (dpa)

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