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Zittersieg über Paderborn : Die diebische Freude des FC Bayern

Mund abputzen und weiter geht es: die Bayern Manuel Neuer (links) und Joshua Kimmich Bild: Picture-Alliance

Ein missglückter Ausflug von Torwart Neuer und eine ungewohnte Taktik von Trainer Flick – es geht einiges schief bei den Münchnern gegen Paderborn. Dennoch ist die Laune prächtig. Und die Konkurrenz hat nun ein Problem.

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          Auf dem Spielfeld ärgerte er sich zunächst noch maßlos, nach dem Abpfiff setzte Manuel Neuer ein schelmisches Lachen auf. Beim 3:2-Sieg des Tabellenersten über den Tabellenletzten in der Fußball-Bundesliga stand der Torwart des FC Bayern mehr im Fokus als gedacht. Der Nationalspieler hatte dem SC Paderborn mit einem missglückten Ausflug aus seinem Strafraum das zwischenzeitliche 1:1 ermöglicht, das dazu beitrug, dass die Münchner mit dem Außenseiter viel Mühe hatten. Am Ende des Abends aber war Neuer nicht nur erleichtert ob der spät gewonnenen drei Punkte, er verspürte auch diebische Freude mit Blick auf die Konkurrenz im Titelrennen.

          Bundesliga
          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          „Es waren wichtige drei Punkte“, sagte Neuer. „Die zählen gerade an einem Freitag, an dem einige Mannschaften vielleicht im Hotel das Spiel angeschaut haben und sich ein bisschen ärgern.“ Und Thomas Müller sagte: „Wir haben unsere drei Punkte und können uns am Wochenende die Konkurrenz anschauen. Wir haben unseren Teil erfüllt.“ Auch wenn sie es später selten zugeben, werden die Verfolger Leipzig (18.30 Uhr bei Schalke), Dortmund (15.30 Uhr in Bremen) und Mönchengladbach (15.30 Uhr gegen Hoffenheim), die allesamt an diesem Samstag spielen, selbstredend auf einen überraschenden Ausrutscher des Tabellenführers gehofft haben. Es kam anders, weil Robert Lewandowski in der 88. Minute doch noch der Siegtreffer gelang.

          Zuvor hatten sich die Bayern mit dem aufmüpfigen Aufsteiger, der auch im Hinspiel in Paderborn nur mit 2:3 verloren hatte, schwergetan. Serge Gnabry (25.) traf zwar zum 1:0, doch nach Neuer Fehler glich Dennis Srbeny (44.) kurz vor der Pause aus. Lewandowski war es, der die Münchner wieder in Führung brachte (70.), ehe Sven Michel das 2:2 erzielte (75.). In der Tabelle liegen die Bayern nun mit 49 Punkten vorne, Leipzig (45), Dortmund und Gladbach (jeweils 42) sind in ihren Spielen (im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) unter Druck, wenn sie nicht abreißen lassen wollen.

          „Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden“, sagte Trainer Hansi Flick. „Paderborn hat uns bis ins Letzte gefordert. Nach dem 2:2 haben wir alles versucht. Da muss ich meiner Mannschaft ein Kompliment machen, wir haben gefightet. Das gehört auch dazu, sich als Team gegen Rückschläge zu stemmen und den Sieg zu erzwingen.“ Flick hatte wegen der Gelbsperren der Abwehrspieler Benjamin Pavard und Jerome Boateng seine Defensivstrategie verändert. Erstmals seit 2016 liefen die Münchner mit einer Dreierkette in letzter Linie auf. Joshua Kimmich, David Alaba und Lucas Hernandez boten Lücken.

          „Es ist klar, dass nicht immer alles wunderbar klappt“, sagte Flick zur ungewohnten Formation, wollte das aber nicht nur auf die taktische Umstellung schieben. „Wir haben in der ersten Halbzeit nicht so seriös gespielt, wie ich mir das vorstelle. Wir hatten viele Fehler und haben Paderborn immer wieder in die Karten gespielt.“ Ein grobes Missgeschick unterlief Neuer. Nach einem langen Ball zur Eckfahne kam der Schlussmann aus seinem Tor, aber nicht vor Srbeny an den Ball. Der Stürmer legte den Ball an Neuer vorbei, lief aus spitzem Winkel aufs Tor zu, ließ zwei Münchner ins Leere grätschen und traf in beeindruckender Ruhe.

          Neuer nahm seine fehlerhafte Aktion, wohl auch wegen des Happy Ends, gelassen. Der Torwart war schon zuvor zwei Mal weit ins Feld gerannt, um lange Paderborner Bälle zu klären. Da ging alles gut. Danach nicht. „Es war eine Fifty-fifty-Situation“, sagte er. „Ich habe Respekt davor gehabt durchzuziehen. Er ist vor mir am Ball. Das hätte zu einer Roten Karte geführt, wenn ich durchgezogen hätte.“ Neuer nahm es gelassen und wird seine Herangehensweise nicht ändern. „Von den 100 Mal, wenn ich das so mache, klappt es 99 Mal. Das gehört einfach zu meinem Spiel dazu, das passiert einfach mal.“

          Am Dienstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei Sky) beim FC Chelsea in London im Hinspiel des Achtelfinals der Champions League wird Neuer selbstredend wieder im Tor der Münchner stehen. Eine Dreierkette in der Abwehr aber wird es nicht geben. Flick betonte, dass das „der personellen Situation geschuldet“ war und „wir nicht überlegen, dass wir so gegen Chelsea spielen“. Boateng und Pavard sind dann wieder einsatzberechtigt. Ob Leon Goretzka fit wird, ist noch unklar. Der Nationalspieler fehlte am Freitag gegen Paderborn wegen muskulärer Probleme.

          In London erwarte die Bayern „ein komplett anderes Spiel“, sagte Flick, als die Aufgabe Paderborn mit Mühe abgehakt war. „Es war wichtig, zu gewinnen, weil wir uns vom Kopf her gleich auf Chelsea einrichten wollen“, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Müller, der gegen Paderborn nur eingewechselt wurde, will, dass die Bayern in London „den Grundstein fürs Weiterkommen legen“. Dafür sollten er und seine Kollegen besser verteidigen. Sonst wäre die diebische Freude nach dem Spiel auf Seiten des Gegners.

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