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3:0 gegen den Aufsteiger : Die Bayern stutzen Leipzig die Flügel

Komm, wir feiern ein bisschen: Thiago, Lewandowski und Vidal jubeln über den Sieg gegen Leipzig Bild: AFP

Mutig aufgestellt und extrem motiviert: Die Münchner spielen den Herausforderer schwindelig. Leipzig kann am Ende froh sein, nicht höher als 0:3 zu verlieren – auch weil ihr bester Spieler vorzeitig vom Platz fliegt.

          Weihnachten kann kommen für den FC Bayern. Der jüngste Herausforderer RB Leipzig hat am Mittwoch eine festliche 3:0-Packung mit Extra-Schleife mit auf den Heimweg aus München bekommen, verbunden mit der frohen Botschaft, es in Sachen Titelkampf noch lange noch nicht mit dem Serienmeister aufnehmen zu können. Und das wertvollste Präsent unter den Gaben, die sich die Bayern unter den Weihnachtsbaum gelegt haben, ist ein Zwölf-Punkte-Vorsprung auf den einzigen Klub, den sie als echten Konkurrenten um den Titel ernst nehmen, auf Borussia Dortmund.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Die Leipziger hatten vor ihrem ersten Besuch bei den Bayern das Kunststück vollbracht, in ihrer Debütsaison in der Bundesliga nach fünfzehn Spielen 36 Punkte erzielt zu haben, so viele wie kein Aufsteiger zuvor. Doch alle, die sich vom Duell Rekordmeister gegen Rekordaufsteiger ein echtes Spitzenspiel erhofft hatten, wurden enttäuscht.

          Bayern dominiert von Beginn an

          Von Beginn an dominierten die Bayern, die durch Tore der beiden Spanier Thiago Alcántara (17. Minute) und Xabi Alonso (25.) früh zeigten, wer „Herr im Haus ist“, wie es Uli Hoeneß nach seiner Rückkehr als Bayern-Präsident schon vor vier Wochen gefordert hatte. Nach der Roten Karte für Emil Forsberg nach einem Foul von hinten an Philipp Lahm (30.) spielten die Leipziger zudem in Unterzahl, und die Bayern nutzten das noch vor der Pause zum dritten Treffer durch einen Elfmeter von Robert Lewandowski nach einem Foul von Torwart Peter Gulácsi an Douglas Costa (45.).

          Anfang vom Ende: Nach dem Foul an Lahm muss Forsberg gehen Bilderstrecke

          Von einem Spiel, „das ganz Deutschland elektrisiert und wahrscheinlich auch noch über die Landesgrenzen hinaus begeistern wird“, hatte RB-Trainer Ralph Hasenhüttl vorher geschwärmt und ein Leipziger Team versprochen, das mit „Mut, einem klaren Plan und viel Selbstvertrauen“ antreten werde. Doch der Mut erschöpfte sich in einer frühen Chance nach einer flachen Hereingabe von Timo Werner, die Yussuf Poulsen aus kurzer Entfernung knapp verpasste (4.). Der klare Plan von RB war auch nicht zu erkennen, er war von Beginn an nur auf Seiten der Bayern zu sehen, deren Trainer Carlo Ancelotti ein 4-2-3-1-System mit Thiago für Thomas Müller gewählt hatte. Das führte zu permanenter Gefahr über außen, wo dann von der rechten Seite über Arjen Robben und Philipp Lahm das erste Tor eingeleitet wurde – Robert Lewandowski setzte Lahms Hereingabe an den Pfosten, Thiago drückte den Abpraller ins leere Tor.

          So war schon nach einer guten Viertelstunde das Resultat erreicht, das die kritischen Fans in der Südkurve schon vor Anpfiff in einem satirischen Transparent in Anspielung auf den Firmensitz des RB-Eigentümers Red Bull prophezeit hatten: „FC Bayern München AG – RB Fuschl am See 1:0“. Es sollte aber schon rasch deutlicher werden. Nur eine Minute später verpasste Douglas Costa mit einem Pfostenschuss den zweiten Treffer knapp. Und dann begannen die durch ihr Pass- und Positionsspiel längst dominierenden Bayern den Emporkömmling auch noch mit dessen Mitteln zu schlagen: Pressing.

          Der zu sorglose Naby Keita schirmte den Ball im Spielaufbau in der Mitte der eigenen Hälfte, den Rücken zum Gegner, nicht sauber genug ab, von hinten stocherte ihn der starke Arturo Vidal weg zu Lewandowski. Von da lief der Ball im Eiltempo über Thiago quer durch die entblößte Leipziger Defensive zu Xabi Alonso, der auf seine alten Tage wie ein Konterstürmer in den Strafraum stieß und flach an Gulasci vorbei das 2:0 erzielte.

          Damit hatte sich auch das dritte Versprechen Hasenhüttls ins Luft aufgelöst: Nach dem Mut und dem Plan war nun auch das Selbstvertrauen weg. Und fünf Minuten später auch noch der Spielmacher. Torwart Manuel Neuer hatte nach einer Ecke einen Kopfball von Willy Orban abgewehrt. Die folgende Ecke mündete in eine Konterchance, die Emil Forsberg mit einer Grätsche von hinten gegen den enteilenden Lahm vereitelte. Der Bayern-Kapitän krümmte sich am Boden, seine erbosten Mitspieler bedrängten den Leipziger Schweden, und Schiedsrichter Felix Zwayer, der zunächst die Gelbe Karte in der Hand hielt, vollzog, nach Beratung mit seinem Assistenten, wegen der Rücksichtslosigkeit der Attacke zu Recht das Upgrade auf Rot.

          Einziger Schönheitsfehler von Hummels

          Spätestens jetzt war aus dem „Bonusspiel“, das RB-Sportdirektor Ralf Rangnick für sein Team prophezeit hatte, ein Malus-Spiel geworden. Sein Team wird neben einer spielerischen Demütigung auch das Wissen mit in die Winterpause nehmen, im neuen Jahr mehrere Spiele lang auf seinen Chef-Kreativen Forsberg verzichten müssen. Es verlegte sich nach dem 3:0, als Gulasci nach einem langen Pass von Mats Hummels zu spät gegen Costa gekommen war, auf Selbstkontrolle und Schadensbegrenzung.

          Das gelang, weil die Bayern nach dem 3:0 zur Pause den Fuß vom Gas nahmen und ihre Chancen nicht mehr so konsequent nutzten. Lewandowski vergab zweimal frei vor dem Torwart (52./65.), und der für Robben gekommene Franck Ribéry traf die Unterkante der Latte (87.).

          „Eine ordentliche Leistung gegen diese Leipziger reicht nicht“, hatte Hummels gewarnt. So zeigten die Bayern zumindest 45 Minuten lang eine außerordentliche Leistung, die bisher beste dieser Saison. Für den einzigen Schönheitsfehler sorgte der Verteidiger selbst. Beim Friseurbesuch musste er sich – angeblich wegen einer verlorenen Wette – für einen neuen Look in Wasserstoffblond entscheiden. So sah er aus wie ein Weihnachtsengel bei der schönen Bayern-Bescherung.

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