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2:1 gegen Gladbach : Goretzka öffnet den Bayern die Tür zum Titel

Später Torschütze: Leon Goretzka trifft für die Bayern gegen Gladbach. Bild: EPA

Lewandowski und Müller fehlen den Münchnern. Zudem unterläuft ihnen im Duell mit Gladbach ein Eigentor. Dennoch siegen die Bayern durch einen späten Treffer und können am Dienstag die Meisterschaft gewinnen.

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          Was der Abend bringen könnte und was nicht – nämlich eine Meisterfeier –, wussten die Spieler des FC Bayern München schon am Nachmittag in der Kabine der Münchner Arena. Das geschah, als in Düsseldorf ein gewisser Steven Skrzybski zweimal den Pfosten traf und am Ende Borussia Dortmund durch Erling Haaland noch gewann.

          Bundesliga
          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Bei einer Niederlage des letzten Rivalen hätte der Meister schon am Abend wieder einmal Bayern München heißen können, so war das nun vertagt. Aber nur bis Dienstag. Dann werden die Bayern beim Spiel in Bremen (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) den Matchball unabhängig von den Resultaten anderer vor ihren Füßen liegen haben.

          Dabei taten die Münchner am Abend gegen Borussia Mönchengladbach zunächst zu wenig dafür, um ihre Meisterwerdung zu beschleunigen. Joshua Zirkzee, Vertreter von Robert Lewandowski, hatte sie in Führung gebracht (26. Minute), doch die Gladbacher waren durch ein Eigentor von Benjamin Pavard (37.) zum verdienten Ausgleich gekommen. Erst ein später Treffer von Leon Goretzka (86.) sorgte für den 2:1-Sieg, der die Tür zum achten Titel nacheinander endgültig geöffnet hat. „Ich bin happy, dass die Mannschaft das so umgesetzt hat, auch wenn es ein hartes Stück Arbeit war. Das sind drei richtige Big Points“, sagte Trainer Hansi Flick.

          Trotz des Führungstreffers des jungen Niederländers Zirkzee fehlte den Bayern ohne ihren Top-Torjäger und ohne den besten Vorbereiter Thomas Müller, ebenfalls gesperrt, zunächst die gewohnte Durchschlagskraft vor dem Tor. Aber auch die Gladbacher waren durch die Sperre von Alassane Pléa offensiv eingeschränkt, und dann humpelte nach zehn Minuten auch noch Marcus Thuram, ihr anderer Top-Angreifer, die Stufen zu einem Tribünenplatz hoch. Im Zweikampf war er im Rasen hängengeblieben und hatte sich am Knöchel verletzt.

          Fünf Minuten später riss es Thuram trotz der Blessur zum Jubeln von seinem Sitz. Doch der vom eingewechselten Breel Embolo eingeleitete Treffer von Jonas Hofmann wurde nach Video-Analyse wegen einer knappen Abseitsstellung annulliert. Auf beiden Seiten ging man danach fahrig mit großen Chancen um. Lucas Hernandez, vom Gladbacher Matthias Ginter unfreiwillig in Szene gesetzt, scheiterte völlig frei vor Torwart Yann Sommer. Auf der Gegenseite köpfte der eingewechselte Embolo ebenso frei genau auf Torwart Manuel Neuer und setzte den Abpraller, immer noch unbedrängt, neben das Tor.

          Im Gegenzug machte Embolos Schweizer Landsmann Sommer den Bayern dann ein Angebot, das sich nun wirklich nicht mehr ausschlagen ließ. An der Strafraumgrenze im Spielaufbau von Cuisance attackiert, spielte der Torwart den Ball auf die linke Seite – wo aber kein Mitspieler in Reichweite war, nur der lauernde Zirkzee. Der 19-Jährige erkannte die Situation mit dem wachen Verstand des geborenen Torjägers, erlief den Ball und schob ihn aus zwanzig Metern ins leere Tor.

          Die Gladbacher blieben gefährlich und zeigten meist die bessere, zwingendere Spielanlage. Ein durch Pressing erzwungener Ballverlust von Kimmich als letzter Mann am eigenen Strafraum ging für die Bayern noch glimpflich ab. Doch dann kam Patrick Herrmann, von Embolo gekonnt eingesetzt, rechts hinter die Abwehr, und Pavard konnte dessen Hereingabe beim Versuch der Rettung vor dem einschussbereiten Hofmann nur noch ins eigene Tor grätschen.

          „Nicht passiv werden, gierig sein“, hatte Kimmich den Kollegen lautstark in der leeren Arena schon nach fünf Minuten eingeschärft. Vor Beginn der zweiten Halbzeit forderte er energisch „Körpersprache“ ein – also mehr Spannung und Konzentration als drei Tage zuvor nach der Pause beim am Ende glücklichen Weiterkommen im Pokal gegen Frankfurt. Doch die Gladbacher begannen die zweite Halbzeit deutlich druckvoller als die Bayern. Bei zwei Kontern musste Neuer mit Glück und Geschick retten.

          Trainer Flick suchte einen Energieschub und brachte nach einer Stunde die zunächst geschonten Flügel-Sprinter Alphonso Davies und Kingsley Coman. Mit ihren beiden schnellsten Spielern fanden die Bayern wieder in den Vorwärtsgang. Einen flachen Volley von Serge Gnabry konnte Sommer glänzend parieren. Doch dann, als der Punktgewinn für die Gladbacher zum Greifen nahe schien, landete ein Querschläger am rechten Flügel bei Pavard, und dessen flache Hereingabe drückte Goretzka ins Tor. „Es war unfassbar schwierig heute, Gladbach hatte einen guten Plan“, sagte Goretzka. „So ein spätes Tor zum Sieg zu machen, das uns ermöglicht, am Dienstag die Meisterschaft zu gewinnen – da bin ich aktuell überglücklich.“

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