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6:1 gegen Mainz : Das Ende einer perfekten Bayern-Woche

Auf der Sonnenseite des Fußball-Lebens: Die Bayern besiegen Mainz klar. Bild: EPA

Dem angekündigten Abschied von Uli Hoeneß lassen die Münchner einen Kantersieg über Mainz folgen. Dabei treffen zwei neue Spieler der Bayern. Philippe Coutinho indes hat nur eine einzige auffällige Szene.

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          Die perfekte Abschiedswoche von Uli Hoeneß endete auch auf dem Spielfeld mit einem Erfolg – so wie alles, was die Bayern in dieser Woche angefasst haben. Am Donnerstag verlängerte man vorzeitig den Vertrag mit Torjäger Robert Lewandowski, der nun der höchstdotierte Spieler der Vereinsgeschichte ist. Am Freitag erklärte der zufriedene Hoeneß, der die personelle Zukunftsgestaltung des deutschen Meisters mit seinen Wunschpersonalien Herbert Hainer und Oliver Kahn erfolgreich in den Klubgremien auf den Weg gebracht hatte, er könne nun „durch das große Tor“ hinausgehen. Und das vor allem, weil, wie er fand, neben der gelösten Führungsfrage auch die Finanzen und der Kader des Klubs bestens dastünden.

          Bundesliga
          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Da passte es, dass die Kicker den am 15. November scheidenden Präsidenten am Samstag, wenn auch nach anfänglichen Schwierigkeiten, mit einem 6:1-Sieg gegen den Tabellenletzten Mainz 05 bestätigten. Jean-Paul Boetius hatte den Außenseiter überraschend in Führung geköpft (6. Minute). Benjamin Pavard (36.) und David Alaba (45.) drehten die Partie noch vor der Pause. In der zweiten Halbzeit fielen die Bayern-Tore fast nach Belieben durch Ivan Perisic (56.), Kingsley Coman (64.), Robert Lewandowski (78.) und Alphonso Davies (81.).

          Von seinem Stammplatz in Block E, Reihe drei der Münchner Arena konnte der erleichterte Hoeneß sehen, dass auch dieser Tag zu seiner Zufriedenheit ausging. Er hatte einen Tag zuvor den „phantastischen“ Kader und den „hervorragenden“ Trainer Niko Kovac in höchsten Tönen gelobt – der seinerseits das „innige, offene Verhältnis“ hervorhob, das ihn mit dem Präsidenten verbinde.

          Entscheidend für das innige Verhältnis von Chef und Cheftrainer sind aber nicht zuletzt Ergebnisse, und in dieser Hinsicht brachte die erste halbe Stunde am Samstag den ersten Missklang der bis dahin perfekten Woche. Nach vier Minuten hatte es zunächst nach dem erwarteten Verlauf ausgesehen, als der erstmals in der Startelf stehende neue Star Philippe Coutinho den Ball am gegnerischen Strafraum gewann – was die einzige auffällige Szene des Brasilianers in seinen 67 Einsatzminuten bleiben sollte. Er lenkte den Ball zu Lewandowski, der bis dahin alle fünf Bayern-Tore der Bundesligasaison erzielt hatte. Der Schlenzer des Polen aus 17 Metern flog neben das Tor. „Ich finde, dass er gute Moment hatte, gerade mit dem Ball“, sagte Kovac über Coutinho. „Mit seiner Leistung bin ich zufrieden, ich weiß aber natürlich auch, dass es noch besser wird“

          Zwei Minuten nach Lewandowskis Schlenzer zeigte sich die linke Abwehrseite beim ersten Mainzer Angriff sträflich offen. Rechtsverteidiger Ronael Pierre-Gabriel, im Sommer aus Monaco nach Mainz gekommen, kam beim ersten Vorstoß in seinem ersten Bundesligaspiel ungestört zum Flanken. Die Hereingabe fand die Stirn von Boetius, und dessen Kopfballaufsetzer landete unerreichbar für Torwart Manuel Neuer zum 0:1 im Netz. Neuzugang Benjamin Pavard, bisher als Innenverteidiger eingesetzt, diesmal auf der rechten Abwehrseite anstelle des ins Mittelfeld aufgerückten Joshua Kimmich aufgestellt, machte im Zweikampf mit dem Torschützen keine gute Figur und zeigte auch in der Folge einige Unsicherheiten. Er leistete sich mehrere Fehlpässe und kassierte erste Pfiffe nach einer Flanke ins Nirgendwo nach einer knappen halben Stunde.

          Doch dann läutete ein Konter, an dessen Ende Ivan Perisic den Ball frei vor Torwart Florian Müller am Tor vorbeischoss, den Beginn einer bayrischen Druckphase ein, aus der die Mainzer bis zur Pause keinen Ausweg mehr fanden. In der die Bayern aber einen großen Moment ausgerechnet des Verteidigers Pavard brauchten, um den Ausgleich zu erzielen. Nach einem öffnenden Diagonalpass von Niklas Süle brachte Perisic den Ball von links in den belagerten Mainzer Strafraum, wo Pavard ihn aus halbrechter Position volley per Aufsetzer ins lange Eck schoss.

          Trotz nun drückender Überlegenheit der Bayern schienen die Mainzer sich mit dem 1:1 in die Pause retten zu können. Doch dann konnte Alexander Hack den enteilenden Lewandowski fünf Meter vor dem Strafraum nur mit einem Foul stoppen. Alaba schoss den Freistoß so wuchtig über die Mauer ins rechte obere Eck, dass Torwart Müller nicht mal mehr eine Hand heben konnte.

          Nach der Pause fielen die Mainzer völlig auseinander. Pavard, nun immer besser aufspielend, revanchierte sich für die Vorlage zu seinem Tor und servierte Perisic eine ähnlich gelungene Flanke. Der Kroate sprang höher als Pierre-Gabriel und traf ins kurze Eck, wo Müller den Ball nur noch an die Unterkante der Latte und letztlich hinter die Torlinie lenken konnte. Bei einer unerreicht durch den Luftraum segelnden Kimmich-Ecke brachte dann Coman als Erster den Fuß an den zu Boden fallenden Ball und erzielte das 4:1. Lewandowski traf mit Hilfe eines Mainzer Beins und des Pfostens zum 5:1, und am Ende konnte der eingewechselte Davies mit dem Ball einfach ins leere Tor laufen.

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          „Superbayern“, skandierten die Fans, von denen es jedoch vorerst keine nennenswerten Reaktionen zum Abschied von Hoeneß gab. Dafür kamen sie von ehemaligen Weggefährten. „Es ist für die Öffentlichkeit ein neues Bild, Uli Hoeneß war der FC Bayern. Aber es geht weiter und ich glaube, dass der FC Bayern auch durch Uli Hoeneß gut aufgestellt ist“, sagte Lothar Matthäus, der frühere Bayern-Kapitän. Und Jupp Heynckes, vier Mal als Trainer in München tätig, zollte seinem langjährigen Freund Respekt: „Der FC Bayern ist Uli Hoeneß, dieses Lebenswerk ist einzigartig.“ Er wünschte Hoeneß, „dass er sich mehr Zeit für sich selbst nimmt und mal zurückschaltet. Die Familie ist über all die Jahre zu kurz gekommen.“ Samstags um 15.30 Uhr wird sie das Familienoberhaupt aber wohl auch in Zukunft nicht oft zu Gesicht bekommen.

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