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5:0 gegen Schalke : Die Bayern blasen zur Jagd auf Leipzig

Die Bayern hatten das Spiel so sehr im Griff wie Leon Goretzka den Kollegen Thomas Müller. Bild: AFP

Die Münchner erteilen Schalke eine Lehrstunde und kommen Spitzenreiter Leipzig, der sein Spiel in Frankfurt verliert, nah. Die Bayern indes siegen imposant – auch weil der Torwart der Königsblauen zwei Mal patzt.

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          Dass es kein Spiel für Torhüter sein würde, hatten die Schalker Fans ja sogar gehofft. Wie auf inneren Befehl pfiffen sie bei jedem Ballkontakt von Manuel Neuer. Manche Herzensverletzung eines Fußballfans verheilt eben nie, und jetzt war noch einmal etwas frisch aufgerissen worden: durch die Ankündigung, in Alexander Nübel das nächste große deutsche Torwarttalent an den FC Bayern zu verlieren. Verbunden damit mag am Samstagabend in der Münchner Arena die leise Hoffnung gewesen sein, Neuer würde in irgendeiner Form Nerven zeigen.

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          Aber es kam genau andersherum: Markus Schubert, derzeit Vertreter des gesperrten Nübel im Schalker Tor, vergriff sich bei einer Flanke von Thomas Müller, die Bayern sagten Danke in Person von Robert Lewandowski, dessen 21. Saisontor die frühe Führung (6. Minute) bedeutete. Zugleich schien die gesamte Schalker Mannschaft nach forschem Beginn die Flatter zu bekommen. Am Ende siegten die Bayern ebenso imposant wie verdient 5:0 und verkürzten den Rückstand auf Tabellenführer RB Leipzig auf nur noch einen Punkt.

          Lange Zeit hatten die Münchner das Spiel dominiert, ohne aber einen zweiten Punch zu setzen. Zwei Mal in der ersten Hälfte waren sie dem nahe, aber ein Treffer von Thomas Müller nach hauchzarter Abseitsposition blieb auch nach Video-Überprüfung ohne Anerkennung (17.), ein weiterer durch den wieder einmal nicht zu bremsenden Lewandowski wurde durch Intervention aus Köln gestrichen (37.). Das brauchte die Münchner aber nach den Toren von Müller (45.+2), Leon Goretzka (50.), Thiago (58.) und Serge Gnabry (89.), bei dem Schubert abermals schlecht aussah, nicht mehr zu beschäftigen. „Wir waren vielleicht noch einen Schuss griffiger. Vielleicht haben wir noch zwei, drei Prozent draufgelegt. Das stachelt an, wenn man den Fehler der Konkurrenz sieht“, sagte Thomas Müller bei Sky.

          „Die Meisterschaft“, hatte Hansi Flick während der Woche gesagt, „führt nur über den FC Bayern.“ Das klang nach vertrauter großmeisterlicher Rhetorik in ungewohnter Situation. Einer Saison, in der gleich mehrere andere ihre Chance auf die Schale wittern, wie Flick ergänzte. So war es als doppelte Botschaft zu verstehen: nach innen, zur Festigung der eigenen Selbstgewissheit, und als Kampfansage an die Konkurrenten und solche, die es gerne sein wollen. Am Samstagabend, nachdem Leipzig zur Münchner Freude in Frankfurt 0:2 verloren hatte, nahm sein FC Bayern wieder Witterung auf zum beanspruchten Revier. In zwei Wochen kommt es in München zum direkten Duell der alten Großmacht mit dem jungen Herausforderer.

          Am Mittwoch hatten die Bayern ihrem Trainer die erwünschte Ergänzung für die Defensive geliefert. Doch am Samstag war für Alvaro Odriozola, die 24 Jahre alte Leihgabe von Real Madrid, noch kein Platz. Ganz wie erwartet kehrte der beim 4:0 in Berlin gesperrte Joshua Kimmich zurück auf seine Lieblingsposition vor der Abwehr, weichen musste Coutinho. Bei den Schalkern nahm Trainer David Wagner zwei offensive Wechsel vor. Amine Harit begann nach überwundenen Oberschenkelproblemen anstelle von Alessandro Schöpf, Rabbi Matondo spielte für den erkrankten Benito Raman.

          Es begann nicht einmal schlecht für Schalke, als tatsächlich Neuer beim Versuch eines weiten Schlages halb in den Boden trat, und Suat Serdar eine gute Schusschance vertat. Kurz nach dem 0:1 kam Wagners Team einem Treffer sogar ganz nahe, als ein abgefälschter Schuss von Matondo sich über Neuer hinweg auf die Latte senkte. Danach aber ließen sich die Schalker von den früh störenden Münchnern den Schneid abkaufen, was Wagner sichtlich ärgerte.

          In der nächsten Woche dürfte Nübel wieder ran, und man darf gespannt sein, was Wagner und der Klub aus dieser Situation machen. Es könnte so oder so zu einer Belastungsprobe für den bislang so beachtlichen Schalker Aufschwung werden. Für Schubert war es jedenfalls ein gebrauchter Tag, auch wenn er nach seinem Lapsus zu Beginn mit einigen Paraden noch lange rettete, was zu retten war. Was aus Schalker Sicht freilich nicht viel war. „Man hat gesehen, wenn wir das nicht auf den Platz bringen, wir von der Qualität nicht mithalten können“, sagte Schalkes Teamkoordinator Sascha Riether. „Heute wurden wir so richtig vermöbelt.“

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