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FC Bayern besiegt Dortmund : Die große Show des Robert Lewandowski

Robert Lewandowski (links) schießt noch ein Tor mehr als Erling Haaland. Bild: Reuters

Das Topspiel der Bundesliga wird zur Bühne der Torjäger. Haaland trifft früh doppelt für den BVB, doch die Bayern sind am Ende wieder stärker. Denn Lewandowski schießt noch mehr Tore als Haaland.

          3 Min.

          Als 70 Sekunden vorbei waren, war es still im Stadion. Es waren keine Fans in München, die das Fußball-Bundesligaspiel zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund hätten beklatschen und besingen können. Auf den unteren Tribünenplätzen saßen die Auswechselspieler mit Mützen und Kapuzen über den Köpfen. An der Seitenlinie stand einsam Edin Terzic, der Dortmunder Trainer, seine Hände in den Jackentaschen vergraben.

          Bundesliga
          Christopher Meltzer

          Sportkorrespondent in München.

          Als 80 Sekunden vorbei waren, war es nicht mehr still im Stadion. Es waren immer noch keine Fans da, aber die, die anwesend sein durften, machten erstaunlich viel Lärm. Die Reporter vom Fernsehen und vom Radio brüllten in ihre Mikrofone. Die Auswechselspieler aus Dortmund standen und klatschten, manchen war die Kapuze vom Kopf gerutscht. Der Trainer Terzic ballte seine Hände, die nicht mehr in der Jacke waren. In den zehn Sekunden dazwischen hatte der Stürmer Erling Haaland den Ball am Strafraumrand angenommen, mit seinem linken Fuß aufs Tor geschossen und war danach mit den Knien über den Rasen gerutscht.

          Am Samstagabend hat Haaland nicht nur das 1:0, sondern auch das 2:0 gegen den FC Bayern geschossen. Auf einmal waren die Münchner in der Live-Tabelle nur noch auf dem zweiten Platz hinter Leipzig. Es war Robert Lewandowski, der die alte Ordnung dann aber schnell wieder herstellte. Mit seinen Ligatoren 29 und 30 führte er seinen Verein auf dem Platz noch vor der Pause zum 2:2 – und in der Tabelle auf den ersten Platz. Es war ein aufregendes Spiel, das dann noch ein aufregendes Ende bekam: In der 88. und in der 90. Minute trafen Leon Goretzka und Lewandowski zum 3:2 und 4:2.

          0:4, 0:5, 0:6, 1:4, 1:5

          Vor dem Anstoß war es fraglich, ob man das Match der deutschen Fußball-Marktführer momentan als „absolutes Gipfeltreffen“ eingestuft sollte, wie es logischerweise auf der Website von Sky, dem Rechteinhaber, gemacht worden war. An den Bundesliga-Statistiken lässt sich das nicht festmachen. Wenn die Dortmunder in München spielten, ging das in den vergangenen vier Jahren für sie so aus: 0:4, 0:5, 0:6, 1:4, 1:5.

          Es ist fast sieben Jahre her, dass sie in der Liga in München gewonnen haben – und immerhin schon mehr als zwei, dass das in Dortmund klappte. An diesem Samstag kamen sie sogar nur als Tabellenfünfter nach München. Mit 13 Punkten Rückstand. Ein Gipfeltreffen? Um in der Bergsprache zu bleiben: eher ein Treffen an der Zwischenstation.

          Nach dem Anstoß fingen die Dortmunder aber sofort mit dem Aufstieg zum Gipfel an. In der zweiten Minute nahm Mahmoud Dahoud in Strafraumnähe Joshua Kimmich den Ball ab. Haaland schoss, Jérôme Boateng, der sich später das linke Knie verdrehte und ausgewechselt werden musste, fälschte ab. 1:0. In der neunten Minute brachte Dahoud den Ball mit einem Seitenwechsel auf die linke Seite, wo er von Nico Schulz und Thorgan Hazard zu Haaland kam, der ihn nur noch ins Tor schieben musste. 2:0.

          Der Plan von Terzic – Dreierkette (Can, Hummels, Zagadou) plus Konterfußball – ging auf. Seine Mannschaft konnte sich danach mit einem Zwei-Tore-Vorsprung in die eigene Hälfte zurückziehen – und machte das auch. Im Offensivspiel hatte sie nämlich einen kleinen Wettbewerbsnachteil. Der Dortmunder Trainer musste auf den (offensivstarken) Außenverteidiger Raphaël Guerreiro und den Außenstürmer Jadon Sancho, neben Haaland die vielleicht zwei besten BVB-Spieler, verzichten.

          Sie fielen wegen muskulären Problemen aus. Der Münchner Trainer Hansi Flick konnte dagegen erstmals wieder Thomas Müller, ehemaliger Covid-19-Patient, von Anfang an einsetzen und sogar eine Luxus-Entscheidung treffen, wie es im: Er musste zwischen den Nationalspielern Serge Gnabry und Leroy Sané einen Partner für Kingsley Coman wählen – und entschied sich für Sané. Eine Entscheidung, die sich lohnte. Auf der linken Außenbahn dribbelte Sané Schulz aus und schoss den Ball in die Mitte, wo Lewandowski ihn über die Linie drückte (26.). Auf der rechten Außenbahn dribbelte Coman in den Strafraum und wurde von Dahoud gefoult. Den Elfmeter versenkte Lewandowski (44.).

          Goretzka trifft mit Volleyschuss

          An Chancen fehlte es den Dortmundern nicht. Kurz vor dem 1:2 hätte Thomas Meunier alleine vor Neuer das 3:0 machen müssen. Er schoss aber nicht, sondern passte zu zögerlich in die Mitte, wo Alaba den Ball klärte. Kurz nach der Pause knallte Hazard den Ball knapp am Pfosten vorbei. Und Haaland? Der musste in der 60. Minute angeschlagen und auch etwas überspielt ausgewechselt werden. Der Norweger musste von der Seitenlinie mitansehen, wie Lewandowski schaffte, was ihm nicht gelungen war: Der Pole schoss in der 90. Minute sein drittes Tor im Spiel – und sein 31. in der Bundesliga-Saison. Das war aber schon das 4:2.

          Die entscheidende Szene des Spiels ereignete sich zwei Minuten früher: Aus 14 Metern traf Leon Goretzka mit einem Volleyschuss ins Tor. Allerdings klagten die Dortmunder über einen Zweikampf zwischen Emre Can und Leroy Sané. Sie forderten ein Foul, aber der Schiedsrichter pfiff nicht. Und so sagte BVB-Kapitän Marco Reus hinterher im Sky-Interview. „Bei Bayern wäre es gepfiffen worden.“ Als das Spiel vorbei war, verkündete Thomas Müller im Sky-Interview eine Botschaft. Sie dürfte vor allem für Joachim Löw, den Bundestrainer, interessant gewesen sein, der in München auf der Tribüne zuschaute. „Ich habe Lust“, sagte Müller, „im Sommer nach Titeln zu jagen.“

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