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4:0 im Topspiel gegen Dortmund : Eine Machtdemonstration des FC Bayern

  • -Aktualisiert am

Thomas Müller und die Münchner zeigen es Dortmund im Topspiel. Bild: EPA

Nach dem schlimmen Debakel von Frankfurt und dem Aus für Trainer Niko Kovac zeigen die Münchner eine Gala im Topspiel. Mit Interimscoach Flick gelingt ein 4:0 gegen mutlose Dortmunder. Robert Lewandowski ragt heraus.

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          Der Ruf vom Borussia Dortmund als Gast beim FC Bayern hat gehörig gelitten während der vergangenen Jahre, selbst die allerjüngsten Freunde des Rekordmeisters haben das längst mitbekommen. „Dortmund hat die Hosen voll, Bayern ist hingegen toll“, dichtete eine Gruppe Grundschüler am Nachmittag vor dem Stadion, sofort stimmten einige Passanten amüsiert ein. Und tatsächlich setzte sich am Abend im Duell der beiden bedeutendsten deutschen Fußballvereine die Geschichte der jüngeren Vergangenheit fort. Überlegen und ungefährdet gewann Bayern München 4:0 gegen einen mutlosen BVB, für den Reisen zum Rekordmeister mehr und mehr zum Trauma werden. Alle Appelle der Tage zuvor waren wirkungslos geblieben.

          Bundesliga

          Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc hatte vor dem Spiel explizit „Männerfußball“ von seiner Mannschaft verlangt, nachdem der Klub während der zurückliegenden Bundesligabesuche in München eine ganze Serie gruseliger Niederlagen zusammengespielt hatte: 0:5, 0:6, 1:4, 1:5. „Wir müssen dagegenhalten, das haben wir letztes Jahr und die meisten Jahre davor nicht getan“, hatte Zorc erklärt, aber die Attitüde eines echten Champions fehlte den Dortmundern wieder. „Das war eigentlich gar kein Fußball“, sagte Zorc nach dem Spiel.

          So ging dem 1:0 eine viel zu zaghafte Zweikampfführung von Jadon Sancho voraus. Ohne erkennbaren Widerstand ließ sich der Engländer wegdrücken, was den Münchner einen entscheidenden Vorteil verschaffte. Ein paar schnelle Pässe später konnte Benjamin Pavard von der rechten Seite flanken, in der Mitte stand Robert Lewandowski frei, der zum 1:0 traf (17.). Damit baute der Pole seine unglaubliche Serie weiter aus: Wie schon an jedem der zehn zuvor absolvierten Spieltage dieser Saison gelang ihm ein Treffer und später sogar noch ein zweiter.

          Vor dieser Führung war es eine recht zähe Partie gewesen, in der viel gearbeitet und ordentlich verteidigt wurde. Vor allen Dingen beim FC Bayern wird ja viel Wert auf die Defensive gelegt, seit Hansi Flick nach der Trennung von Niko Kovac in den Cheftrainerposten aufgerückt ist. Wie schon beim 2:0 gegen Olympiakos Piräus verzichtete Flick zunächst auf die filigranen Ballvirtuosen Philippe Coutinho und Thiago, um mit Leuten wie Javi Martinez oder dem von der Außenbahn ins Mittelfeldzentrum versetzten Joshua Kimmich ein stabileres Defensivkonstrukt auf den Platz zu stellen.

          David Alaba (links) und Thomas Müller hatten viel Spaß beim Topspiel. Bilderstrecke

          In der Innenverteidigung fiel ja nach Lucas Hernandez (Innenband) und Niklas Süle (Kreuzband) auch noch Jerome Boateng aus, weil er am vorigen Wochenende beim 1:5 in Frankfurt mit einer Roten Karte vom Platz geflogen war. Nun bildeten David Alaba und Martinez das Duo im Abwehrzentrum, und der BVB blieb in gegen dieses Bollwerk beinahe chancenlos.

          Interessant war darüber hinaus der aus Sicht des BVB-Keepers Roman Bürki rechte Flügel. Dort verteidigte Achraf Hakimi gegen Kingsley Coman, davor spielte Sancho gegen den Münchner Linksverteidiger Alphonso Davies. Das war eine Außenbahn mit extrem großer Offensivqualität und dem Potential für Fehler in der Defensive. Tatsächlich wirkte vor allen Dingen Sancho verunsichert, überfordert, geradezu lustlos. Mehrfach wurde er von Lucien Favre zu mehr Engagement bei der Abwehrarbeit ermuntert, nach 35 Minuten nahm der Trainer den Jungstar aus dem Spiel und wechselte Raphael Guerreiro ein.

          Und dennoch war es die rechte Dortmunder Seite, über die die Bayern kurz nach der Pause einen zweiten Treffer schossen. Hakimi ließ Thomas Müller im Rücken entkommen, dessen Pass Serge Gnabry aus kurzer Distanz ins Tor schob (47.). Das war natürlich ein Nackenschlag für die Dortmunder, die nun in der akuten Gefahr schwebten, abermals unterzugehen. Lewandowski war nah dran, auf 3:0 zu erhöhen, als er aus zwölf Metern knapp vorbei schoss (59.), ein Müller-Abschluss war etwas ungenau (73.). Der BVB tauchte nur einmal im gegnerischen Strafraum auf (Paco Alcácer, 69.), bevor Lewandowski das Spiel nach einem schönen Spielzug aus sechs Metern endgültig entschied (76.).

          Die Dortmunder sehnten sich nun nach dem Abpfiff, nur Mats Hummels hatte lange Zeit Widerstand auf Augenhöhe leisten können. Als das Spiel noch offen war, war der Weltmeister von 2014 der auffälligste Dortmunder, als Mann, der auch in dieser psychisch komplizierten Situation klar und selbstbewusst blieb. Am Ende ging er jedoch mit unter, in einer Partie, die sich vorab als eine Art Krisengipfel betrachten ließ. Zum ersten mal seit neun Jahren trafen die beiden Giganten des nationalen Fußballs in der Bundesliga aufeinander, ohne, dass einer der Klubs Tabellenführer war. An beiden Standorten ist die Lage weiterhin so angespannt, dass neue Rückschläge weitreichende Folgen haben können.

          Bei den Münchnern geht es nun um die Frage, wie lange Hansi Flick als Cheftrainer arbeiten soll. Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sagte zwar, dass Flick „bis auf Weiteres“ Trainer bleibt, was das für die Trainersuche bedeutet, sagte er nicht: „Was wir machen, das möchte ich nicht in der Öffentlichkeit kommentieren.“ Flick war hochzufrieden. „Die Mannschaft hat gewusst, dass sie in der Pflicht ist, und das hat sie gut umgesetzt.“

          Bei den Dortmundern ist es gerade stiller geworden um Favre. Die Heftigkeit der Oktoberunruhen nach ein paar Unentschieden, die fußballerisch gar nicht unbedingt schlecht waren, zeigt jedoch, wie leicht entflammbar das Umfeld des BVB in dieser Saison ist. „Bayern war viel besser als wir. Wir waren nicht gut, das war eine Enttäuschung“, sagte Favre. „Wir waren nicht ängstlich, sie waren besser.“

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