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5:1 in Leverkusen : FC Bayern sorgt für Bayer-Debakel

  • -Aktualisiert am

Klare Sache: Serge Gnabry (links), Leon Goretzka und der FC Bayern lassen aufhorchen. Bild: Reuters

Fünf Tore in einer Halbzeit: Bayer Leverkusen geht gegen den FC Bayern unter. Die Münchner übernehmen damit wieder die Tabellenführung – und ärgern sich am Ende dennoch über ein Gegentor.

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          Als die einen noch von einem Spitzenspiel träumten, hatten die anderen schon Teil eins ihrer Machtdemonstration verwirklicht. Der FC Bayern München dachte und handelte am Sonntagnachmittag viel schneller und konsequenter als sein Herausforderer Bayer 04 Leverkusen. Das fing mit dem frühen 1:0 durch Robert Lewandowskis Hackentreffer (4. Minute) an und endete zum Glück für den bis dahin punktgleichen rheinischen Herausforderer in der 37. Minute, als Serge Gnabry das 5:0 schoss.

          Bundesliga

          Das 2:0 durch Lewandowski (30.), das 3:0 durch Müller (34.), das 4:0 durch Gnabry (35.) und sein wenig später folgendes zweites Tor zeigten binnen sieben Minuten, wie verwundbar die Werkself sein kann, wenn ihr Selbstverständnis zuerst angeknackst und dann zertrümmert wird.

          Es führte aber auch jedermann vor Augen, dass der neue und alte Tabellenführer in der Bundesliga weiterhin den Richtwert vorgibt, der die beste Mannschaft von ihren Verfolgern deutlich unterscheidet. Dass Patrik Schick für Leverkusen noch das 1:5 schoss (50.), änderte an den Verhältnissen dieser einseitigen Begegnung nichts. Die Münchner konnten es sich erlauben, dieses längst entschiedene Duell angesichts der am Mittwoch bevorstehenden Champions-League-Aufgabe bei Benfica Lissabon austrudeln zu lassen. Der Rest war Schonung von Ressourcen.

          Analyse wie beim Trainerfachkongress

          Auf der anderen Seite artikulierte Bayers Kapitän, Lukas Hradecky, sein Entsetzen überdeutlich. „Wenn es ein Test war, haben wir ihn nicht bestanden. Ich möchte so etwas nie wieder erleben.“ Verständlicherweise. 0:5 lag die Werkself bei einem Bundesliga-Heimspiel nach 45 Minuten noch nie zurück. Dabei hätten die Münchner angesichts weiterer bester Gelegenheiten, darunter ein Pfostenschuss von Sané (19.), zur Pause sogar noch höher führen können. Die Leverkusener aber waren auch so schon deprimiert genug an einem Tag, der sie von hohen Erwartungen in tiefstes Entsetzen stürzen ließ.

          „Die Spieler waren total geknickt“, schilderte Trainer Gerardo Seoane die Stimmung in der Kabine, als noch 45 Minuten zu spielen waren. Auf der anderen Seite erlaubte sich Julian Nagelsmann, der bayerische Kollege des Schweizers, kein einziges triumphales Wort. Er analysierte die Begegnung wie bei einem Trainerfachkongress, krittelte sogar ein wenig an den ersten sieben Minuten trotz Lewandowskis Führungstor herum. In München sind die Ansprüche halt immer nah an der Perfektion.

          Die erreichte der Meister in den sieben Minuten, da aus jeder Chance ein Treffer wurde und die Köpfe der Bayer-Profis nach jedem Gegentor tiefer hingen. In dieser Phase habe seine Mannschaft „außerordentlich gut gespielt“, lobte Nagelsmann, der sich vor zwei Wochen wie seine Spieler sehr über die 1:2-Heimiederlage gegen Eintracht Frankfurt geärgert hatte. „Die Jungs waren wie das Trainerteam extrem sauer.“

          Kaum aufzuhalten: Münchens Robert Lewandowski in Leverkusen
          Kaum aufzuhalten: Münchens Robert Lewandowski in Leverkusen : Bild: AFP

          Daraus erwuchs ein Schub an frischer Energie, den die eine Woche später ungemein spielfreudigen und effektiv zuschlagenden Bayern zu einem Triumph nutzten, der diese systematisch auf den Erfolg fixierte Mannschaft in allem bestätigte, was sie sich mit Nagelsmann bisher erarbeitet hat. Eine spielbeherrschende Spielstruktur, gekennzeichnet durch zügige Kombinationen und ein aggressives Gegenpressing am gegnerischen Strafraum oder auch mal im Mittelfeld. So behielten die Münchner in Leverkusen fast über die gesamte Spieldauer eine Dominanz, der der Tabellendritte in keiner Phase gewachsen war.

          Joshua Kimmich, einer der besonders motorischen Führungsspieler dieses mit einem immensen Selbstvertrauen ausgerüsteten Teams, bewertete das 5:1 in Leverkusen angemessen. „Die erste Halbzeit war ab der dreißigsten Minute gigantisch.“ Auch Lewandowski empfand die Minuten, da es Tore für den FC Bayern regnete, als die besten seit langem. Selbst dieser Klub, der Rekorde aneinanderreiht wie an eine endlose Perlenkette, führte lange nicht mehr zur Halbzeit bei einem Bundesliga-Duell 5:0.

          Auf der anderen Seite war Seoane froh, dass bis zur Pause nicht noch weitere Treffer gegen die völlig desparate Leverkusener Mannschaft erzielt worden waren. „Wir sind immer einen Schritt zu spät gekommen“, klagte er leise. Oft genug waren es aber auch zwei oder drei Schritte. Kollege Nagelsmann konnte beim Blick auf die fast notorisch erfolgreichen Bayern guten Gewissens sagen: „Die Struktur und Stabilität muss passen!“ So passgenau wie am Sonntag wird das nicht immer möglich sein, weil der Gegner sich entgegen allen bisher gemachten Saisonerfahrungen geradezu eingeschüchtert präsentierte.

          Bayer 04 Leverkusen muss nun versuchen, sich über das anstehende Europa-League-Spiel bei Betis Sevilla an seine alten Stärken zu erinnern und dann am Sonntag im rheinischen Derby beim 1. FC Köln ein anderes Gesicht als gegen die Bayern zeigen. Das wird schwer genug, wenn auch die Kölner am Freitag in Sinsheim gegen die TSG Hoffenheim bei der 0:5-Niederlage einen ersten kleinen Saisonalbtraum erlebten. Vermutlich wird es aber beim Derby der Verlierer auch eine Mannschaft geben, die am Ende befreit jubeln kann. Wer das sein wird, lässt sich nach den bösen Ausrutschern dieses Wochenendes derzeit nicht absehen.

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