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4:2 in Leverkusen : Der FC Bayern ist eine Klasse für sich

  • -Aktualisiert am

Nicht nur Gnabry (links) und Goretzka trafen für den FC Bayern in Leverkusen. Bild: dpa

Die Münchner meistern die wohl größte Hürde, die auf dem Weg zum Titel noch zu nehmen war, mit dem klaren Sieg in Leverkusen souverän. Die fußballerische Perfektion erinnert an die besten Phasen unter Pep Guardiola.

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          Der Erfolgshunger des FC Bayern ist wahrlich beeindruckend im Jahr 2020. Eine Viertelstunde vor dem Abpfiff war das schwere Spiel des Rekordmeisters beim zurzeit ebenfalls recht starken Werksklub aus Leverkusen längst entschieden, mit 4:1 führten die Münchner. Aber Trainer Hansi Flick war überhaupt nicht entspannt. Unermüdlich wies er auf kleine Nachlässigkeiten seiner Meisterspieler hin, forderte mehr Engagement; die fußballerische Perfektion, mit der die Münchner derzeit spielen, erinnert mehr und mehr an die besten Phasen in den drei Jahren unter dem Trainer Pep Guardiola. „Im Fußball geht es darum, dass man Spiele gewinnt. Das haben wir in 2020 eindrucksvoll gezeigt“, sagte Flick.

          Am Ende hatten die Bayern seriös, souverän und überlegen 4:2 gewonnen und ziehen weiterhin ganz allein ihre Kreise an der Tabellenspitze. Nach einem Spieltag, der für Freunde von Bayer Leverkusen mit einer schlechten Nachricht begonnen hatte: Kai Havertz fehlte, die Knieblessur aus dem Spiel in Freiburg aus der Vorwoche machte einen Einsatz unmöglich. Lucas Alario übernahm die Position in der Sturmspitze, auf der Havertz zuletzt gespielt hatte. Aber der Hochbegabte, den auch die Bayern gerne unter Vertrag nehmen würden, wurde schmerzlich vermisst.

          Nur zu Beginn sah es so aus, als hätte der Leverkusener Trainer Peter Bosz eine passende Strategie für das große Duell gefunden. Mit einer Mischung aus Diagonalbällen und langen Pässen gelang es der Werkself in der Anfangsphase immer wieder, das Tempo der schnellen Flügelspieler zur Geltung zu bringen. Sehr konzentriert und mutig sah das Spiel der Leverkusener in den ersten Minuten aus, die frühe Führung war nicht unverdient. Julian Baumgartlinger hatte nach einem Einwurf einen kurzen Pass in die Tiefe auf Alario gespielt, der den Ball aus zehn Metern flach in die linke Torecke schob (9.). Aber die Bayern sind in diesen Wochen einfach zu stabil und krisenfest, um sich von so einem Rückschlag aus der Bahn werfen zu lassen. Scheinbar mühelos erhöhten sie Tempo und Intensität, Bayer begann Fehler zu machen.

          Bundesliga

          Nach 27 Minuten verlor Moussa Diaby den Ball im Mittelfeld an Leon Goretzka, dessen Pass in die Tiefe bei Kingsley Coman landete. Der Franzose hatte es nicht schwer, das mittlerweile verdiente 1:1 zu schießen (27.). Solche Fehler dürfen gegen die Bayern nicht passieren, und es folgten weitere. Besonders Torhüter Lukas Hradecky hatte einen finsteren Tag.

          Einen Flachschuss aus 16 Metern von Goretzka erreichte der Torhüter eigentlich noch gut mit der Hand, dennoch ließ er den Ball zum 1:2 ins Tor rollen (42.). Und kurz vor der Pause verpasste der Finne nach einem langen Pass von Joshua Kimmich die Chance, die Situation durch eine offensive Verteidigungsaktion zu klären. Serge Gnabry traf per Lupfer zum 1:3 (45.).

          Immer wieder hatten Kimmich und Jérôme Boateng die Leverkusener Defensive, deren Aktionen schon früh von einer großen Risikobereitschaft geprägt waren, mit relativ einfachen Pässen über das Mittelfeld hinweg überspielt. In der Pause wechselte Bosz dann drei neue Spieler ein, woraufhin Bayer eine etwas größere Präsenz in der Leverkusener Hälfte erzeugte. Torgefahr entwickelten sie aber weiterhin kaum. Gefährlicher blieben die Münchner. Thomas Müller (50., 61.) und Goretzka (64.) vergaben gute Möglichkeiten, bevor Lewandowski das Spiel mit einem Kopfballtreffer zum 1:4 endgültig entschied (66.). In der 89. Minute verkürzte der erst 17 Jahre alte Florian Wirtz noch auf 4:2, aber dieses Tor kam viel zu spät.

          Bosz hat damit die Chance verpasst, als erster Leverkusener Trainer überhaupt innerhalb einer Bundesligasaison zweimal gegen die Bayern zu gewinnen. Erheblich ärgerlicher für den Niederländer dürfte aber sein, dass er mit seinem Klub in der Tabelle hinter Borussia Mönchengladbach auf Platz fünf hängenbleibt. „Wir haben heute gegen eine Top-Mannschaft verloren“, sagte Bosz. Der Tabellenführer aus München hingegen hat die wohl größte Hürde, die auf dem Weg zum nächsten Titel noch zu nehmen war, souverän gemeistert.

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