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Schockmoment bei Bayern-Sieg : „Für mich war das eine Rote Karte“

  • -Aktualisiert am

Musste vom Feld getragen werden: Bielefeld-Profi Fabian Kunze Bild: EPA

Die Münchner nehmen nach ihrem nächsten Erfolg in der Bundesliga Kurs auf die Meisterschaft. Dem FC Bayern fehlt nur noch ein Sieg gegen den BVB zum Titel. Eine Szene aus dem Spiel in Bielefeld sorgt aber für Diskussionen.

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          Die Reise nach Bielefeld sollte im Idealfall zum therapeutischen Osterspaziergang werden. Es ging deshalb für den Meister und Bundesligaprimus FC Bayern München am Sonntag nicht nur um einen schnöden Bundesligasieg beim Tabellenvorletzten, sondern nach dem Schock vom Dienstagabend mit dem plötzlichen Abschied von allen Champions-League-Träumen auch um eine ansehnliche Kehrtwende auf dem Weg zurück nach vorn.

          Bundesliga

          Schließlich winkt als letzte und einzige wertvolle Trophäe in dieser Saison womöglich schon am kommenden Samstag beim deutschen Fußballgipfeltreffen mit der seit Jahren auf Platz zwei abonnierten Dortmunder Borussia die zehnte Meisterschaft nacheinander. Es wäre die Abrundung wenigstens einer chronischen Erfolgsgeschichte nach dem frühen Aus im DFB-Pokalwettbewerb durch eine 0:5-Schlappe in Mönchengladbach und dem späten Scheitern im uninspirierten Rückspiel des Königsklassen-Viertelfinales am Tabellensiebten der spanischen Liga nach dem 0:1 in Villarreal und Chukwuezes Ausgleichstor zum 1:1 zwei Minuten vor Schluss. „Man muss diese Tristesse in Elan umwandeln“, lautete Nagelsmanns Postulat vor der Dienstreise nach Ostwestfalen.

          Gesagt, getan in diesem Duell zwischen der Mannschaft mit den meisten Toren (86) und den meisten Punkten (72) und dem Team mit den wenigsten Treffern (23) und den zweitwenigsten Punkten (26). Die Bayern erfüllten ihre Pflicht, angereichert durch ein paar Kürelemente in der ersten Hälfte, und gewannen nach Laursens Eigentor (10. Minute), Gnabrys Treffer (45.+7) und dem Tor des eingewechselten und auffällig starken Musiala (85.) 3:0. Die Bielefelder dagegen verlängerten ihren Negativlauf auf nun sieben sieglose Spiele mit nur einem Unentschieden, zeigten sich aber couragierter als zuletzt.

          Nagelsmann zufrieden, Kimmich hadert

          Julian Nagelsmann, der Trainer der Bayern, war mit dem Auftritt in Bielefeld zufrieden. Er glaubte sogar, dass seine Mannschaft „nach 15 Minuten 4:0“ hätte in Führung liegen können. Was nach dem frühen Feuerwerk folgte, gefiel ihm ebenfalls, „weil irgendwann“ der Punkt erreicht gewesen sei, „um auf Spielkontrolle zu gehen“. Etwas kritischer bewertete Nationalspieler Joshua Kimmich das Spiel eins nach der Enttäuschung vom Dienstag: „Die erste Halbzeit war ganz gut, in der zweiten war ein bisschen weniger Tempo drin.“

          Der selbstkritische Schwabe, der in Bielefeld das 1:0 und das 2:0 eingeleitet hatte, gab zu, dass er das Ausscheiden der Bayern gegen Villarreal noch nicht so ganz verarbeitet habe, zumal er mit seinen Leistungen in beiden Spielen gegen die Spanier alles andere als zufrieden war

          War gleich mehrmals gefordert: Bayern-Torhüter Manuel Neuer beim Spiel gegen Bielefeld
          War gleich mehrmals gefordert: Bayern-Torhüter Manuel Neuer beim Spiel gegen Bielefeld : Bild: AFP

          Das ungleiche Duell am Ostersonntag begann mit einer vehementen Druckphase der Bayern, deren erster Gipfel ein Kopfball von Lewandowski war, der gegen die Latte klatschte, den Pfosten touchierte und dem dazu der gewohnt starke Torhüter Ortega im Weg stand (8.). Wenig später aber gingen die Münchner in Führung nach Kimmichs Flugball, Davies‘ Kopfballablage und dem Eigentor von Laursen, der dem Gegnerdruck von Lewandowski nicht standhalten konnte.

          Das Powerplay des erkennbar um Wiedergutmachung bemühten Meisters hielt rund zwanzig Minuten an, ehe sich die Verhältnisse ein wenig anglichen und auch die Arminia mit ihren Kontern über den drangvollen Wimmer Akzente setzte. In der 43. Minute schien sogar der Ausgleich nach Okugawas Heber fällig, doch stand der Torschütze bei der Ballannahme nach einer längeren Rücksprache von Schiedsrichter Jöllenbeck mit dem Videoassistenten um eine Fußspitze im Abseits. Anders als auf der anderen Seite Gnabry, den zwar Jöllenbecks Assistent Günsch im Abseits wähnte, nicht aber Videoassistent Schmidt, der ein korrektes Tor signalisierte.

          Kurz davor hatte der Münchner Innenverteidiger Nianzhou großes Glück, als er nach einem Ellbogenschlag gegen den mit der Trage vom Platz und ins Krankenhaus gebrachten Mittelfeldspieler Kunze nur verwarnt und nicht vom Platz gestellt wurde (45.+4). Die Bielefelder befürchteten zunächst die dritte schwere Kopfverletzung in der jüngsten Zeit nach Klos‘ Schädelbruch beim 1:1 gegen Stuttgart und Brunners Gehirnerschütterung beim 0:4 in Wolfsburg. Wie der Verein aber bereits etwas später mitteilte, sei der 23-Jährige nicht schwerer verletzt. Am Sonntag folgte schließlich die Diagnose, dass Kunze eine Prellung der Wirbelsäule und der Schulter erlitten habe.

          Nach so viel Aufregung vor der Pause verlief der zweite Durchgang der Partie am Samstag nicht ganz so wild. Die nie aufgebenden Bielefelder suchten weiter nach ihrer nächsten großen Gelegenheit, die gleichwohl deutlich überlegenen Münchner verwalteten ihren Vorsprung. Nagelsmann war in der Halbzeit klug genug, den zum Buhmann gewordenen Nianzhou gegen Stanisic auszutauschen. Für Nagelsmann vor allem eine „erzieherische Maßnahme, denn für mich war das eine Rote Karte“. Danach war auch die allzu harte Note in diesem zumindest bewegten Duell passé. Ansonsten tat sich angesichts der geklärten Verhältnisse bis auf den abschließenden Treffer von Musiala nicht mehr viel.

          Die Bielefelder Verlierer trösteten sich nach der unvermeidlichen Niederlage damit, dass ihre Leistung über weite Strecken gestimmt hatte. „Man hat heute gesehen, dass die Mannschaft kämpft und alles gibt, es war kein so schlechter Auftritt“, bewertete Kapitän Manuel Prietl die tapfere Gegenwehr vis à vis dem Meister. Der freute sich schon auf den folgenden Showdown gegen den BVB. „Wir wollen den Titel nächste Woche holen“, lautete Kimmichs Forderung, „das ist jetzt das oberste Ziel. Am Ende aber ist allein die Meisterschaft vielleicht zu wenig.“

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