https://www.faz.net/-gtm-9wm00

Bundesliga-Titelrennen : Ärger beim FC Bayern trotz des Siegs in Köln

  • Aktualisiert am

„Die zweite Halbzeit war so, dass man eher ein bisschen verärgert ist“: Hansi Flick Bild: dpa

Die Münchner legen furios los und siegen deutlich beim 1. FC Köln. Aber die Laune beim Trainer ist nicht die beste. Hansi Flick übt Kritik an seinen Spielern und muss erkennen, dass ein Experiment der Bayern schiefgeht.

          3 Min.

          Hansi Flicks Fazit war unter dem Strich negativ. „Die zweite Halbzeit war so, dass man eher ein bisschen verärgert ist“, sagte der auch im Wortsinne verschnupfte Trainer des FC Bayern München nach dem 4:1 (3:0) beim 1. FC Köln. Zwar hatten die Bayern die Angriffe der Konkurrenz eindrucksvoll gekontert und auch noch die schnellste 3:0-Auswärtsführung ihrer Bundesliga-Geschichte herausgeschossen, doch die Nachlässigkeiten in der zweiten Halbzeit sowie zu befürchtende Abwehr-Probleme waren vor den heißen Wochen in Bundesliga, Champions League und DFB-Pokal eine echte Warnung.

          Bundesliga

          Thomas Müller sah das Ganze zweigeteilt. Über die erste Halbzeit schwärmte das Bayern-Urgestein ungewohnt begeistert. „Ich habe uns selten so spielfreudig gesehen. Das war überragend. Zum Zunge schnalzen. Furios“, sagte Müller, der als erster Spieler seit Beginn der Datenerfassung am 22. Spieltag schon 14 Tor-Vorlagen auf dem Konto hat. Über die zweite Halbzeit schimpfte Müller: „Da haben wir es uns wieder zu bequem gemacht. Wir fühlen uns wohl zu sicher, machen es uns zu gemütlich. Das ist menschlich. Aber in der Champions League dürfen wir uns das nicht erlauben.“

          Dort müssen die Bayern am 25. Februar zum FC Chelsea, dem Vierten der Premier League. Fatal war in Köln in der Tat nicht, dass die Münchner angesichts der klaren Dominanz und Führung nach den Toren von Robert Lewandowski (3.), Kingsley Coman (5.) und Serge Gnabry (12.) einen Gang rausnahmen. Fatal war, dass die Kölner in den letzten 20 Minuten plötzlich zu zahlreichen Torchancen kamen.

          Grund hierfür war vor allem das fehlgeschlagene Experiment mit David Alaba und dem lange verletzten Lucas Hernandez in der Innenverteidigung. „Es war nicht leicht mit zwei Innenverteidigern, die über den linken Fuß kommen“, sagte Torhüter Manuel Neuer. 80-Millionen-Mann Hernandez war zur Pause für Jerome Boateng gekommen. „Es war ein Test, ob wir gegen Chelsea so spielen können“, sagte Neuer: „Bei so einem Halbzeit-Stand kann man es mal probieren.“ Der Test ist schiefgegangen, und weil Boateng nächste Woche ebenso gesperrt ist wie der rechts verteidigende Benjamin Pavard, kann Flick gegen Paderborn nicht seine Wunsch-Abwehr einspielen lassen. Wahrscheinlich sah er daher den Spielverlauf trotz der anfänglichen Gala so negativ.

          Dass die Münchner den am Samstag an die Spitze gesprungenen Leipzigern direkt wieder die Tabellenführung entreißen würde, war schon nach weniger als einer Viertelstunde klar. Lewandowski mit seinem 23. Saisontor, Coman beim Startelf-Comeback nach zweimonatiger Verletzungspause und Gnabry schossen die schnellste 3:0-Auswärtsführung in der ruhmreichen Bundesliga-Geschichte des FC Bayern heraus. Gnabry legte nach (66.), Köln kam durch Mark Uth zum Ehrentreffer (70.).

          Die zuvor viermal in Folge daheim siegreichen Kölner gehen mit einer klaren Niederlage in die Karnevalswoche, der Frust hielt sich aber in Grenzen. „Es hätte übel enden können“, sagte Torhüter Timo Horn: „Das ist es letztlich aber nicht.“ Manager Horst Heldt, einst in Köln Mitspieler von Flick, antwortete auf die Frage, ob das Team so seine Ehre gerettet hätte: „Ja, das finde ich schon.“

          Auf der einen Seite trafen vor 50.000 Zuschauern im ausverkauften Stadion die beiden erfolgreichsten Vereine der letzten sieben Spieltage aufeinander – und das, obwohl das Derby der Kölner in Mönchengladbach in der Vorwoche wegen des Sturmtiefs „Sabine“ abgesagt worden war. Wie groß der Unterschied tatsächlich war, zeigte jedoch eine Statistik: Lewandowski und Müller kamen vor dem Anpfiff auf ziemlich genau fünfmal so viele Bundesliga-Tore wie die gesamte Startelf des FC (339:68). Nach 128 Sekunden stellte Lewandowski das Verhältnis mit einem Schrägschuss in den Winkel auf genau 5:1.

          Unbeeindruckt von den klaren Siegen der Konkurrenten Leipzig (3:0 gegen Bremen), Dortmund (4:0 gegen Frankfurt) und Mönchengladbach (4:1 in Düsseldorf) legten die Münchner mit dem Selbstverständnis eines auch kommenden Meisters schnell nach und raubten den in Karnevalstrikots angetretenen Kölnern jede Illusion auf eine Sensation fünf Tage vor Weiberfastnacht.

          Nicht nur bei einem  Lattenschuss von Gnabry (29.) und einem Pfostentreffer von Joshua Kimmich (37.) lagen weitere Treffer in der Luft. 18:1 Torschüsse für die Gäste wies die Statistik zur Pause aus. Danach waren es 12:8 für Köln. Der FC hatte noch Pech mit zwei Abseitstoren von Jhon Cordoba (46./55.), der Münchner Sieg geriet trotz der Nachlässigkeiten aber nie in Gefahr.

          Weitere Themen

          Das Milliarden-Spiel der NFL

          Zum Nachteil der Spieler : Das Milliarden-Spiel der NFL

          Die NFL verabschiedet einen neuen Tarifvertrag – doch die Profis profitieren am wenigsten vom boomenden Geschäft. Die Spielgewerkschaft steht in der Kritik. Ein Profi führt die Opposition gegen die Einigung an.

          Topmeldungen

          Unter Federführung des Robert- Koch-Instituts haben Experten im Jahr 2012 durchgespielt, was in Deutschland passieren würde, wenn sich eine Seuche ausbreitet. Der Bericht ging an alle Bundestagsabgeordneten.

          Pandemie-Szenario : Der Bericht, den keiner las

          Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz warnte schon 2012 vor einem Virus, das unser Gesundheitssystem zum Einsturz bringen könnte. Doch geschehen ist nichts. Die Autoren sagen: Weil sich keiner dafür interessierte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.