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Niederlage gegen Hoffenheim : Das große Schweigen bei den Bayern-Spielern

  • Aktualisiert am

Auch Vier-Tore-Mann Serge Gnabry hatte am Samstag nicht mehr viel zu sagen. Bild: AFP

Nach der 7:2-Gala verlieren die Münchner ihr Heimspiel in der Bundesliga gegen Hoffenheim. Trainer Kovac benennt die Fehler und wird auch deutlich bei der Personalie Thomas Müller. Die Spieler indes reagieren schmallippig.

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          Frusttrinken auf der Wiesn? Nein, soweit werde es nach der überraschenden 1:2 (0:0)-Niederlage von Bayern München gegen die TSG Hoffenheim nicht kommen, sagte Hasan Salihamidzic: „Das sind wir schon gewohnt, da sind wir schon letztes Jahr so hingefahren.“ Doch der Humor des Sportdirektors war gespielt: Nur wenige Tage nach dem Champions-League-Rausch beim magischen 7:2 gegen Tottenham Hotspur herrscht beim Rekordmeister Ernüchterung vor. „Wir haben die Bundesliga noch mal spannend gemacht“, sagte Salihamidzic zerknirscht.

          Bundesliga

          Der traditionelle Wiesn-Besuch am letzten Festtag stand dennoch nicht zur Disposition. „Es ist nicht schön, dass wir da alle mit einer Niederlage hingehen“, sagte Salihamidzic, „aber das ist eine Teambuilding-Maßnahme.“ Und so sollten sich die millionenschweren Stars über ihren Maßkrügen „Gedanken machen, warum es passiert ist“. Warum sie sich von „Schnäppchen“ Sargis Adamjan zweimal hatten einschenken lassen.

          Trainer Niko Kovac fand Antworten. In Halbzeit eins habe seiner müden Elf „der letzte Wille, der letzte Impuls gefehlt“. Und nach der Pause sei es dann „überhaupt nicht gut“ gewesen. Das betraf konkret Corentin Tolisso und Jerome Boateng, die schlecht aussahen bei den Toren von Adamjan (54./79.), der im Sommer für nur 1,5 Millionen Euro von Zweitligaverein Jahn Regensburg zur TSG gekommen war.

          Kovac erkannte „Fehler, die du in der Bundesliga und international nicht machen darfst. Wir waren nicht gut, nicht da“. Auch der zwischenzeitliche Ausgleich durch das elften Saisontor von Robert Lewandowski (73.) stabilisierte die fahrigen Bayern nicht. Kovacs ernüchterndes Fazit: „Wir sind anscheinend noch nicht so weit, dieses gute Spiel (vom Dienstag in Tottenham, d.Red.) alle vier Tage zu bringen.“ Und das, meinte er, „ärgert mich“.

          Und es kam ihm bekannt vor: Im vergangenen Jahr prosteten sich die Bayern nach einem 0:3 gegen Borussia Mönchengladbach auf der Wiesn ebenso verhalten zu. Es war der Anfang eines stürmischen Herbstes, an dessen Ende Kovac fast seinen Job verlor. Soweit soll es nicht wieder kommen, Salihamidzic nahm den Trainer in Schutz. Warum Kovac seine Startelf nach dem kräftezehrenden London-Trip nur auf einer Position verändert hatte? „Man muss den Trainer verstehen, dass er eine Formation sucht und diese einspielen möchte“, sagte der Sportchef.

          Mit seinem Nein zur einst geliebten – und übertriebenen – Rotation sorgt Kovac aber auch für Unzufriedenheit im Luxuskader. Javi Martinez musste auf der Ersatzbank von Kotrainer Hansi Flick getröstet werden, Thomas Müller verließ nach seinem Kurzauftritt sichtlich genervt die Arena. Ob er nicht sprechen wolle? „Nothing to say, wie der Engländer sagt“, sagte Müller. Gar nix? „Gar nix!“ Die Kollegen, die spielen durften, gaben sich ähnlich schmallippig. Niklas Süle, sagen Sie was? „Eigentlich nicht.“ Serge Gnabry? „Heute nicht.“ Thiago? „Ich habe keine Worte.“ Manuel Neuer? „Ich hatte schon eine japanische Medienrunde.“ Und Uli Hoeneß, diesmal ohne den obligatorischen Bayern-Schal? „Schönen Abend.“ Den hatte kein Bayer.

          Kovac sieht derweil in einer vor der Niederlage gegen Hoffenheim geäußerten Aussage zu Thomas Müller keinen speziellen Zündstoff. „Sie müssen da nichts draus zaubern“, antwortete der Kroate in der Pressekonferenzeinem Reporter. Dieser hatte Kovac auf einen Satz zu Müller in einem Interview des TV-Senders Sky angesprochen. „Wenn Not am Mann sein sollte, wird er mit Sicherheit auch seine Minuten bekommen“, hatte Kovac erklärt.

          Wie das wohl bei Müller ankäme, lautete die Frage an Kovac. „Ganz normal“, meinte der Bayern-Coach. Wenn jemand nicht von Anfang an spiele, käme er dann zum Zuge, wenn er gebraucht werde. „Thomas ist gekommen und hat noch mal Schwung reingebracht“, sagte Kovac. Müller wurde von Kovac nach 60 Minuten gemeinsam mit Ivan Perisic beim Stand von 0:1 eingewechselt. Er bereitete das 1:1 von Lewandowski vor. Nach dem Spiel verschwand Müller ganz schnell. Der 30-Jährige stand zum fünften Mal nacheinander nicht in der Startelf.

          Der FC Bayern will unterdessen neben dem Österreicher David Alaba auch den französischen Weltmeister Lucas Hernández nicht für die anstehenden Länderspiele abstellen. „Wir werden der französischen Nationalmannschaft Bescheid sagen, dass es dem Spieler nicht gut geht, dass er verletzt ist. Dann werden die Mediziner das unter sich klären“, sagte Sportdirektor Salihamidzic.  

          Alaba erlitt in der abgelaufenen Woche beim 7:2 gegen Tottenham einen Haarriss an der Rippe. Hernández hat laut Salihamidzic eine „Stressreaktion“ am im Frühjahr operierten Knie. „Deswegen werden wir die zwei Spieler nicht abstellen“, sagte Salihamidzic. Er berief sich auf eine Einschätzung und Entscheidung der medizinischen Abteilung um Vereinsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt. Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps hatte Hernández trotzdem nominiert.

          Bayern-Trainer Kovac verwies auf die vom Weltverband Fifa vorgeschriebene Abstellungspflicht für Nationalspieler. „Wir haben unsere Sichtweise. Wir sind verpflichtet, die Spieler abzustellen“, sagte der frühere kroatische Nationalcoach. „Die Spieler müssen vorstellig werden. Wenn das dort auch diagnostiziert wird, ist es klar, dass ein Spieler nicht eingesetzt werden kann.“

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