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FC Bayern : Monopoly mit dem kleinen Sonnenkönig

  • -Aktualisiert am

Diva von der Isar: Franck Ribery drückt der Schuh Bild: ddp

Franck Ribéry hat offensichtlich keine Lust mehr auf den FC Bayern. Er hat sich in den zwei Jahren in München immer mehr zu einem kleinen Sonnenkönig mit Starallüren entwickelt. Der Kampf um die Fußball-Diva geht in die nächste Runde - nun ist Real Madrid am Zug.

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          Das mit der Blase am Fuß ist so eine Sache. Vielleicht hat das neue Schuhwerk von Franck Ribéry tatsächlich schmerzhafte Spuren hinterlassen, weshalb er seit drei Tagen nicht trainieren kann. Zuletzt saß er jedenfalls mit zwei bandagierten Füßen auf einer Terrasse beim FC Bayern München und schaute seinen Kollegen gutgelaunt zu. Es könnte aber eben nur eine Inszenierung sein, Teil einer Zermürbungsstrategie, mit dem Ziel, den deutschen Rekordmeister doch noch in dieser Transferperiode zu verlassen. Ribérys Aussagen nach dem ersten Training am Mittwoch gegenüber einem französischen Journalisten lassen dies jedenfalls vermuten.

          Bisher hatten stets seine Berater von einem möglichen Wechsel gesprochen, nun zum ersten Mal in dieser Deutlichkeit der Spieler selbst. „Es ist entschieden, ich will gehen. Es wird Real oder nichts.“ Das waren die Worte, die für neue Spekulationen sorgten, und aus der bisher eher unwirklichen Transfer-Posse nun wohl doch eine Reality-Soap machen. Und sie haben dazu geführt, dass der FC Bayern nun versucht, die Interviews seiner Spieler noch besser zu überwachen. Sportdirektor Christian Nerlinger kündigte einen Verhaltenskatalog für die Profis an und rügte Ribéry. „Öffentlich darf man sich nicht so äußern“, sagte er in der Münchner „tz“.

          In den Wochen zuvor war es ruhiger geworden um Ribéry und die Wechselgerüchte. Die Verantwortlichen des FC Bayern hatten den Franzosen immer wieder einmal für unverkäuflich erklärt, auf Einhaltung des bis 2011 laufenden Vertrages gepocht. Mal ganz direkt und eher humorlos, dann wieder mit einer Prise Ironie. Als einmal die Ablösesumme von 50 Millionen Euro im Raum stand, fragte Manager Uli Hoeneß, ob Madrid denn wirklich nur ein Bein von Ribéry kaufen wolle. Und am Mittwoch erzählte er die Geschichte, als er einem Mittelsmann von Real Madrid am Telefon Monopoly nahegebracht hatte. Für die Bayern, sagte Hoeneß, sei in diesem Gesellschaftsspiel Ribéry die Schlossallee, mit nun vier Hotels darauf, und die würde man nur verkaufen, „wenn man pleite ist oder gar nicht mehr weiter weiß“.

          Was nicht passt, wird vielleicht auch nicht mehr passend gemacht: Louis van Gaal setzt auf Teamspieler, Franck Ribery hat Starallüren entwickelt

          Womöglich sind diese bayerischen Beteuerungen nur Teil des in Profifußballkreisen bei Transfers sehr beliebten Spiels. Denn Hoeneß ließ stets ein Hintertürchen offen, für einen sehr großzügigen Partner. „Nur wenn jemand bereit ist, ganz verrückte Dinge zu machen, werden wir uns damit beschäftigen“, sagte er. Für Real war dies wohl das Signal, nicht aufzugeben. Und nun geht der Kampf in die nächste Runde. Bisher hatte Ribéry nur mit kleineren lustlosen Anfällen auf dem Platz und überzogenem Diven-Gehabe mitgemacht, jetzt aber hat er endlich artikuliert, was er will und was er nicht will.

          Auch Lucio ist verschnupft

          Es könnte aber auch sein, dass auch der neue Trainer des FC Bayern gar nicht unbedingt will, dass Ribéry bleibt. Bei Louis van Gaal müssen sich die einzelnen Profis dem Teamgedanken unterwerfen, Ribéry aber unterwirft sich nur seiner eigenen Lust am Fußballspiel. Er hat sich in den zwei Jahren in München immer mehr zu einem kleinen Sonnenkönig mit Starallüren entwickelt. Im Tausch mit Ribéry, so hieß es, wäre Real bereit, Wesley Snejider und wohl auch Rafael van der Vaart nach München zu transferieren. Zwei Spieler, mit denen van Gaal dem Vernehmen nach besser zurechtkommen würde.

          Nun ist wohl wieder Real Madrid am Zug, das Angebot für Ribéry noch ein bisschen zu erhöhen. Irgendwann werden die Bayern wohl doch zuschlagen, vielleicht sehr bald, denn sie können sie es sich eigentlich nicht erlauben, dass das Hickhack die Vorbereitung weiter stört. Immerhin haben sie derzeit noch so einen verschnupften Patienten zu versorgen. Lucio fühlt sich nicht mehr erwünscht in München. Aus dem fernen Südamerika, wo er nach dem Sieg des Confederations Cup mit der brasilianischen Nationalmannschaft seinen zweiwöchigen Sonderurlaub verbringt, ließ er wissen, dass die Situation „alles andere als schön ist“ und ein Wechsel deshalb sinnvoll wäre.

          Van Gaal wünscht sich noch einen Rechtsverteidiger

          Schon während des Turniers in Südafrika hatte er sich darüber beklagt, seinen Stammplatz los zu sein und dabei wie ein trotziges Kind gewirkt, dem man sein Lieblingsspielzeug weggenommen hat. Dabei hatte van Gaal noch mit keinem Wort erwähnt, dass er Lucio nicht mehr haben will, es gibt höchstens ein paar Indizien, die dafür sprechen, dass es so sein könnte.

          Zum einen hatte offenbar die Analyse der abgelaufenen Saison ergeben, dass Martin Demichelis weniger Fehler unterlaufen waren als Lucio. Zum anderen kann der neue holländische Abwehrspieler Edson Braafheit angeblich besser in der Innenverteidigung als in der Mitte spielen. Und wenn van Gaal doch noch einen reinen Rechtsverteidiger bekommt, wie er ihn gerne hätte, dann wäre Lucio vielleicht tatsächlich nicht mehr gesetzt auf seiner angestammten Position. Doch so weit ist es längst noch nicht. Was Lucio freilich nicht davon abhält, schon jetzt beleidigt zu reagieren.

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