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0:2 im Supercup in Dortmund : Die Bayern und das große Fehler-Spiel

Die Münchner Köpfe gehen nach unten: Boateng (rechts) und Tolisso beim Abgang nach dem Supercup. Bild: dpa

Der Meister und Pokalsieger verpasst den ersten Titel der neuen Saison. Beim 0:2 im Supercup profitiert Dortmund von Münchner Missgeschicken. Dass die Bayern noch Spieler brauchen, zeigt sich nicht nur auf dem Rasen.

          Immerhin aus einem Fehler haben die Bayern schon gelernt. Nach der Niederlage im DFB-Pokalfinale 2018 verließen die meisten Münchner bereits vor der Siegerehrung von Eintracht Frankfurt den Innenraum. Das sorgte für einigen Unmut und brachte ihnen den Ruf des schlechten Verlierers ein. Bei ihrem ersten Finale danach verhielten sich die Bayern anständig und applaudierten Borussia Dortmund nach deren 2:0 am Samstag sportlich-fair zum Titelgewinn im Supercup, auch wenn die Stimmung nicht die beste war im Münchner Lager. „Wir haben verloren, darüber sind wir traurig“, sagte Niko Kovac im ZDF.

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          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Wie sehr es brodelte bei den Bayern, zeigte die kurze Zeit, als sich die erschöpften Spieler nach dem Schlusspfiff auf der Bank im Dortmunder Stadion niederließen, um auf die Zeremonie zu Ehren des BVB zu warten. Robert Lewandowski fluchte, auch Jérôme Boateng gestikulierte und schimpfte. Es war weniger die Tatsache, dass der zweitrangige Supercup-Pokal an den ärgsten Konkurrenten ging, die die Münchner verärgerte. Vielmehr waren sie unzufrieden, dass sie viel zu viele Fehler machten und den Gegner geradezu dazu einluden, seine bekannten Stärken auszuspielen. Die Dortmunder nutzten das meisterhaft.

          „Dortmund hat uns viele Fehler angeboten“, sagte Joshua Kimmich. „Das Problem war, dass wir noch mehr Fehler gemacht haben, und Dortmund diese Fehler ausgenutzt hat.“ Es sei ein Spiel auf nicht so hohem Niveau gewesen. Zur Verteidigung durften beide Mannschaften den Zeitpunkt des Duells anführen. Nach harten Trainingswochen inklusive Reisen in die Vereinigten Staaten waren die Beine der Spieler müde und die Köpfe leer. Auch wenn es um einen offiziellen Pokal ging, hatten sowohl Kovac als auch sein Dortmunder Kollege Lucien Favre darauf verzichtet, gezielt für die Partie zu trainieren, um die Spieler in Bestform zu bringen.

          „Wir sind in der vierten Woche der Vorbereitung“, sagte Kovac. „Das war das erste Spiel, in dem alle 90 Minuten gespielt haben, da kann man nicht mehr erwarten.“ Er sah „ein ordentliches Spiel“ seiner Mannschaft. „Wir haben das Spiel dominiert, zwei Fehler gemacht, die der BVB ausgenutzt hat.“ Vor allem Thiago musste sich angesprochen fühlen. Das 0:1 durch Paco Alcácer (48. Minute) leitete er mit einem schlimmen Fehlpass ein. Der bayrische Spanier spielte den Ball zurück in die eigene Hälfte direkt in die Füße von Jadon Sancho, der Alcácer bediente. Dessen Abschluss aus 16 Metern passte genau.

          Torwart Manuel Neuer sah den Schuss, der durch die Beine von Abwehrspieler Niklas Süle rauschte, zu spät und monierte verärgert: „Wir haben die Bälle hergeschenkt, dadurch sind die Tore gefallen.“ Das galt auch für den zweiten Dortmunder Treffer. Bei einem Bayern-Angriff ging der Ball am gegnerischen Strafraum verloren, die Absicherung passte nicht. Innenverteidiger Boateng war viel zu weit vorne. Sancho hatte nach Raphael Guerreiros feinem Pass enormen Freiraum und überwand Neuer letztlich mit einem Beinschuss (69.). „Wenn wir solche Fehler vermieden hätten, wäre die Chance groß gewesen das Spiel für uns zu entscheiden“, fand der Nationaltorwart.

          Die Münchner Mängel vor den Gegentoren waren indes nur die auffälligsten, weil folgenschwersten. Zwar hatten die Bayern deutlich mehr Ballbesitz, was zu einer gefühlten Überlegenheit führte, doch auch abseits der beiden Tore fielen immer wieder erschreckende Ballverluste ins Auge. Süle schenkte schon in Minute eins den Ball leichtfertig her. Neuer rettete famos gegen Marcos Reus‘ Schuss. Glück hatte der Schlussmann, als er nach Boatengs Fehlpass fast bis zur Mittellinie aus dem Tor kam. Doch Alcácers Versuch aus großer Distanz rollte knapp am Tor vorbei (14.). Folgenlos blieb auch Thiagos Fehler, als Alcácer seinen Angriffspartner Reus danach nicht in Szene setzen konnte (17.).

          Die Bayern spielten den Dortmundern mit deren flinken Akteuren in die Karten. Das erkannte Kovac als elementaren Grund für die Niederlage: „Wir dürfen nicht so in die Stärke des BVB hineinspielen: Ballverlust und Konter.“ Sie taten es doch. So lag auch Kimmich nicht falsch mit seinem Fazit: „Sie haben verdient gewonnen, auch wenn sie nicht besser waren.“ Aber sie machten weniger Fehler. Der Nationalspieler konnte froh sein, das Ende der Partie auf dem Rasen zu erleben. Beim Gerangel um den Ball vor der Dortmunder Bank trat Kimmich Sancho aufs Sprunggelenk. Der junge Engländer wälzte sich vor Schmerzen. Schiedsrichter Daniel Siebert entschied sich für die Gelbe Karte. „Es war ein bisschen unglücklich“, sagte Kimmich bei DAZN und erklärte: „Es war keine Absicht.“

          Münchner Absicht indes ist, den Kader personell zu verstärken. In Dortmund war nicht einmal die Bank mit der erlaubten Zahl an Ersatzspielern besetzt. Anschaulicher kann die Notwendigkeit von Transfer nicht illustriert werden. In der Schlussphase brachte Kovac zudem Renato Sanches, eigentlich ein zentraler Mittelfeldspieler. Stattdessen wurde der Portugiese als linker Außenstürmer aufgeboten – genau auf der Position, die Leroy Sané bei Manchester City besetzt. Neues zum Transfertheater gab es in Dortmund nicht. „Wir werden nichts kommentieren. Wir werden nichts zum Transfermarkt sagen. Solange, bis es etwas zu verkünden gibt“, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic.

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