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Kritik von Rummenigge : „Der Fußball gehört den Fans nicht“

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„Ich finde, der Name ist etwas anmaßend“, sagt Karl-Heinz Rummenigge über „Unser Fußball“. Bild: dpa

Karl-Heinz Rummenigge kritisiert die Ultras und die Namensgebung eines neuen Fan-Bündnisses. Zudem äußert er sich zu dem Vorwurf, der FC Bayern kaufe Spieler, um die Konkurrenz zu schwächen.

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          Karl-Heinz Rummenigge hat eine aus seiner Sicht zu fordernde Haltung von Ultra-Fangruppierungen im deutschen Fußball kritisiert und die Namensgebung eines neuen Bündnisses bemängelt. „Wir sind jetzt leider angekommen an einem Punkt, an dem ich von den Ultras immer nur lese: Wir fordern dies, wir fordern das. Jetzt wollten sie Mitsprache bei der Debatte um die Verteilung der TV-Gelder“, sagte der Vorstandschef des FC Bayern München der „Sport-Bild“. „Aber wenn ich immer nur fordere, aber nie bereit bin, Pflichten und auch Verantwortung zu übernehmen, endet das in einer Einbahnstraße.“

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          Zuletzt hatten sich zahlreiche Fanszenen zum Bündnis „Unser Fußball“ zusammengeschlossen und die Deutsche Fußball Liga und den Deutschen Fußball-Bund unter Zeitdruck gesetzt. Dabei forderten die Fans die Einleitung konkreter Reformen und ein Handeln von Vereinen und Verbänden noch vor dem Start der kommenden Saison.

          „Ich finde, der Name ist etwas anmaßend“, sagte Rummenigge über „Unser Fußball“. „Wem gehört der Fußball? Am ehesten noch denen, die ihn spielen – egal, auf welchem Niveau. Die Fans sind Teil des Fußballs, aber er gehört ihnen nicht.“ Eine Erklärung der Initiative hatten nach eigenen Angaben mit Stand Mittwochvormittag mehr als 2300 Fanklubs- und Gruppierungen sowie über 12.000 Einzelpersonen unterzeichnet.

          Rummenigge hatte zuvor einem alten Vorurteil gegen den deutschen Rekordmeister widersprochen. „Der FC Bayern hat noch nie einen Spieler mit dem Ziel verpflichtet, einen seiner Konkurrenten zu schwächen“, sagte der 64-Jährige im Interview des französischen Magazins „France Football“. Eine entsprechende Taktik war den Münchnern immer wieder vorgeworfen worden, beispielsweise bei den Transfers von Torschützenkönig Robert Lewandowski im Jahr 2014 sowie von Mats Hummels (2016) und Mario Götze (2013) von Borussia Dortmund.

          Vom aktuellen Neuzugang, dem französischen Innenverteidiger-Talent Tanguy Nianzou Kouassi, schwärmte Rummenigge. Der 18-Jährige sei ein sehr interessanter Spieler und habe auch ein Angebot von RB Leipzig bekommen. „Soweit wir wissen, wollte er sein Abenteuer mit Paris Saint-Germain nicht verlängern, und wenn ein solches Talent seine Karriere im Ausland plant, ist es logisch, dass ein Verein wie die Bayern Teil seines Interesses sein sollte.“

          Auch Trainer Hansi Flick bekam vom Vorstandsvorsitzenden ein großes Lob ausgesprochen. „Mit ihm haben wir das Gefühl, im Lotto gewonnen zu haben“, schwärmte Rummenigge. Es sei schwer, Trainer zu finden, die perfekt zu ihrem Team passen.

          Zum ehemaligen Bayern-Star Franck Ribéry habe er zusammen mit Vereinspatron Uli Hoeneß ein fast familiäres Verhältnis gepflegt, sagte Rummenigge dem französischen Fachmagazin: „Uli war wie ein zweiter Vater für ihn und ich wie eine zweite Mutter.“ Der FC Bayern schätze Spieler aus Frankreich generell, sagte Rummenigge. Mit ihrer Mentalität und ihrem Spielstil würden sie gut zum Klub passen. „Wir sind mit allen unseren Franzosen zufrieden. Wir sprechen über das Weltmeisterland. Keine Nation gewinnt die WM nur zufällig“, sagte Rummenigge. Frankreich habe eine „spektakuläre“ Spielerausbildung.

          Rummenigge will trotz des jüngsten 49-Millionen-Euro-Transfers von Leroy Sané (Manchester City) finanziell nicht aus dem Vollen schöpfen. „Wir werden im Transfersommer wie alle Klubs versuchen, Geld zu sparen. Das Angebot wird größer als die Nachfrage sein“, sagte Rummenigge. Er hoffe, „dass wir am Jahresende wieder Publikum im Stadion haben. Der 18. September kommt dafür zu früh“, so der ehemalige Nationalmannschaftskapitän.

          Die Ausrichtung des FC Bayern sei nicht mit der von Paris St. Germain vergleichbar: „Wir müssen unseren Kader, angesichts des fürchterlichen Rahmenterminkalenders in den nächsten zwei Jahren, mit Talenten verbreitern – nicht mit Stars. Wir sind, anders als Paris, nicht auf Stars wie Mbappé oder Neymar aus. Wir tragen unsere drei „S“ im Herzen: solidarisch, solide, seriös.“ Rummenigge begrüßt ausdrücklich, dass das Transferfenster erst im Oktober schließt: „Das Champions-League-Finale wird am 23. August gespielt, weshalb die Verlängerung der Transferperiode bis zum 5. Oktober allen Vereinen sechs Wochen Zeit lässt. Das ist eine weise Entscheidung der Uefa.“

          Der Boss des deutschen Meisters befürchtet, dass die Auswirkungen der Corona-Pandemie erst zu einem späteren Zeitpunkt wirklich spürbar werden. „Wir werden die Folge der Krise nicht im Sommer, sondern in der nächsten Saison zu spüren bekommen“, betonte Rummenigge, „alle werden verlieren. Das Problem ist, dass niemand weiß, wie lang in welchem Land noch ohne Publikum gespielt werden muss. Die Verluste sind enorm.“

          Für die Bundesliga sei es aus zwei Gründen wichtig gewesen, die Saison zu beenden: „Erstens, den Meister und die Champions-League-Teilnehmer zu finden, sowie die Absteiger. Zweitens, das Fernsehgeld zu retten. In meinen Augen hat Frankreich die Meisterschaft zu früh abgebrochen und riskiert jetzt Gerichtsprozesse.“ Die Bundesliga habe sich mit Hilfe der Politik vorbildhaft verhalten. Rummenigge: „Frankreich hätte sich vor der endgültigen Entscheidung des Abbruchs vielleicht ein wenig geduldiger zeigen müssen.“

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