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Getrübte Freude beim FC Bayern : Hoeneß’ Abschied von „Krakeelern beschädigt“

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Nicht über alles glücklich bei seinem Abschiedsabend: Uli Hoeneß in München Bild: dpa

Nicht alles läuft wie geplant beim Abschied von Uli Hoeneß: Der neue Ehrenpräsident des FC Bayern zeigt sich bei der Pressekonferenz angefressen. Dennoch sind viele von dem Abend „stark berührt“.

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          Mitternacht war längst vorbei, als Uli Hoeneß in sein neues Leben als ehemaliger Präsident des FC Bayern München startete. „Ich muss das alles erst noch verarbeiten. Es war eine emotionale Sache“, sagte der 67-Jährige nach einer langen Jahreshauptversammlung des deutschen Fußball-Rekordmeisters, die eine perfekte Inszenierung war. „Ich habe mich so sauwohl gefühlt“, sagte Hoeneß, der die Münchner Olympiahalle in der Nacht zum Samstag als Ehrenpräsident verließ. Dem entsprechenden Antrag, den sein zum nächsten Bayern-Präsidenten gewählter Nachfolger Herbert Hainer gestellt hatte, stimmten die 6091 anwesenden Mitglieder mit lautem Applaus zu.

          Nur über ein paar „Krakeeler“ bei den teilweise kritischen Wortmeldungen am Ende der Versammlung ärgerte sich Hoeneß mal wieder gewaltig. „Ich habe mich heute so sauwohl gefühlt – und dann fangen diese Wortmeldungen an.“ 20, 30 Störer hätten sein emotionales Servus „unter dem Deckmantel der Demokratie und freien Meinungsäußerung beschädigt“, schimpfte er auf der Pressekonferenz nach dem Veranstaltungsende um halb eins. „Ich war kurz davor, auf die Bühne zu gehen“, führte Hoeneß weiter aus.

          „Keiner gezwungen, Bayern-Mitglied zu sein“

          Doch anders als bei seiner legendären Wutrede 2007, als er kritische Fans scharf attackiert hatte („Scheiß Stimmung!“), konnte er sich diesmal bremsen. Den Nörglern „rufe ich zu: Geht doch nach Hause! Es ist keiner gezwungen, Mitglied beim FC Bayern zu sein“, ergänzte der 67-Jährige. Ein paar wenige Anhänger hatten die Verantwortlichen – auch Hoeneß – zuvor kritisiert.

          Hoeneß' Blick in die Zukunft, in der er nach 40 Jahren in vorderster Reihe nur noch ein einfaches Mitglied im Aufsichtsrat des Klubs sein wird, blieb vage: „Ich muss mein Leben neu orientieren.“ In der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem ehemaligen Adidas-Chef Hainer, der sich nach seiner Wahl ins höchste Vereinsamt „stark berührt“ zeigte, demonstrierte Hoeneß gleich mal eine neue Form der Zurückhaltung beim Trainerthema. „Vor drei Tagen hätte ich die Frage vielleicht noch beantwortet. Ich fühle mich nicht autorisiert, in der Position, die ich jetzt habe, solche Gedanken zu artikulieren“, sagte der ehemalige Präsident. Es ging dabei um die Einschätzung der von einem Fan bei der Jahreshauptversammlung gewünschten Rückkehr von Pep Guardiola, der von 2013 bis 2016 Bayern-Trainer war.

          Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hatte zuvor in der Versammlung verkündet, dass Niko-Kovac-Nachfolger Hansi Flick mindestens bis zum Jahresende Trainer bleiben werde. Rummenigge stellte sogar eine längere Cheftrainertätigkeit Flicks „darüber hinaus“ in Aussicht.

          Der neue Präsident Hainer betonte, dass die Trainersuche in erster Linie Aufgabe von Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidzic sei. „Der Vorstand kümmert sich jetzt um die Sache und wird versuchen, nach bestem Wissen und Gewissen den besten Trainer für den FC Bayern München zu bekommen“, sagte der langjährige Adidas-Chef, der mit überwältigender Mehrheit für drei Jahre zum Präsidenten gekürt wurde. „Ich weiß, es ist eine große Aufgabe“, sagte der 65 Jahre alte Niederbayer zur Nachfolge von Hoeneß.

          Hainer sprach seine hohe Wertschätzung für den „super Trainer“ Guardiola aus, verwies aber auch auf dessen Vertrag bei Manchester City. An den englischen Meister ist Guardiola bis Sommer 2021 gebunden. Der Vorstand müsse mit seinem Vorschlag auf den Aufsichtsrat zukommen, betonte Hainer. „Prinzipiell wollen wir den besten Trainer für den FC Bayern München haben“, sagte Hainer.

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