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Ende einer Bayern-Epoche : Ein guter Freund als Hoeneß-Nachfolger

Von Generationenwechsel kann mit Hainer als Nachfolger nicht unbedingt die Rede sein. Der im Herbst 2016 ausgeschiedene Vorstandsvorsitzende des Sportausrüsters und FCB-Aktionärs Adidas ist Anfang Juli 65 Jahre alt geworden. Der Altersunterschied beträgt nur zwei Jahre. So gesehen hätte auch Uli Hoeneß gut und gerne bis 2022 weitermachen können. Die Übernahme durch Hainer leitet aber auch eine Zäsur ein. Der erfolgreiche Manager eines Dax-Konzerns bringt andere professionelle Sichtweisen ein, die nicht allein durch die Seitenlinien des Fußballfeldes begrenzt werden. Hainer steht für eine Symbiose. Er ist Geschäftsmann in Sachen Sport, leidenschaftlicher Sportler, der in jungen Jahren eine Profifußball-Karriere anstrebte; er ist besessen von Fußball – insbesondere als Fan auf Lebenszeit für den FC Bayern. Selten gibt es Menschen, in denen Expertise im Management so verschmolzen ist mit Erfahrungen im Fußballgeschäft und der eigenwilligen Philosophie wie dem besonderen Führungsstil des Rekordmeisters aus München.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Hainer zum Jahreswechsel die Nachfolge übernimmt, ist sehr groß – auch wenn alle Beteiligten Stillschweigen wahren, Hoeneß ließ am Mittwoch nur wissen, dass er sich dazu am 29. August erklären werde. Es sind private und berufliche Verbindungen, die Hainer und ihn zusammengeschweißt haben. Beim FC Bayern ist der einstige Chef der Drei-Streifen-Marke seit vielen Jahren stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender und erster Vize von Hoeneß gewesen; Adidas hält wie der Versicherungskonzern Allianz und Audi 8,33 Prozent an der FC Bayern München AG. Schon im April 2015 hatte der Dax-Konzern, unter Hainer, den erst 2020 auslaufenden Ausrüstervertrag vorzeitig um zehn Jahre bis 2030 verlängert. Jedes Jahr sollen, so die Gerüchte, 60 Millionen Euro fließen; der alte Vertrag garantierte 25 Millionen.

Aus der geschäftlichen Verbindung sind engste persönliche Bande entstanden. Auch in Hoeneß’ schweren Zeiten um das Gerichtsverfahren wegen Steuerhinterziehung stand Hainer zu ihm. Er hat ihn in der Haftanstalt Landsberg besucht, während er dort seine Strafe absaß. Hainer befürwortete die Kandidatur seines Freundes, nachdem dieser einen Teil seiner dreieinhalb Jahren Haftstrafe verbüßte und vorzeitig auf freien Fuß gekommen war. In dieser Zeit hat Hainer als Aufsichtsratschef üben dürfen, was für ihn ein leichtes war: Für etwa ein halbes Jahr übernahm der Niederbayer im März 2014 die Position von Hoeneß, nachdem dieser die Haft antreten musste und die Zeit bis zum Antritt des früheren Bayern-Finanzchefs Karl Hopfner überbrückt werden musste. Nun deutet vieles darauf hin, dass daraus eine feste Lösung werden könnte. Eine, die längst nicht dieselbe Art von Emotionalität verspricht, wie man sie von Hoeneß kennt, und die angesichts von Hainers Alter auch nicht wirkt, als wäre sie für die Ewigkeit gemacht.

Aber vielleicht trotzdem eine, die den Bayern aus ihrer schwierigen Orientierungsphase heraushelfen könnte. Ein bisschen mehr Öffnung für Unternehmer-Spirit und die Gesetze des immer härter gewordenen Marktes, ohne Werte und Wurzeln zu verlieren: Das wäre, so wird nicht zuletzt Hoeneß selbst hoffen, auch ohne ihn im Kern immer noch der FC Bayern, wie er ihn geschaffen hat.

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