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Bayern-Gala in Leverkusen : „Die erste Halbzeit war gigantisch“

Hört, hört: Die Bayern um Robert Lewandowski sind in Bestform. Bild: Reuters

Die Münchner nutzen Leverkusens taktische Schwäche gnadenlos aus und siegen hoch. Wieder stellt sich die Frage: Wer soll diese Bayern stoppen? Womöglich gibt es darauf nur eine Antwort.

          3 Min.

          Dieses Spitzenspiel war ein kurzes Vergnügen. Für die Leverkusener sowieso; Bayer geriet schon nach gut 180 Sekunden in Rückstand und lag nach 37 Minuten mit 0:5 Toren zurück. Aber auch für andere war die Zeit, die sie am Sonntagnachmittag mit dem Gipfeltreffen der Fußball-Bundesliga verbringen durften, knapp bemessen. Schiedsrichter Sven Jablonski verzichtete sowohl in der ersten als auch in der zweiten Halbzeit ob der eindeutigen Kräfteverhältnisse auf eine Nachspielzeit. Nach genau 90 Minuten war die Sache amtlich: Der FC Bayern gewann mit 5:1 bei Bayer Leverkusen.

          Bundesliga
          Tobias Rabe
          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Weil die Partie nach den Treffern von Robert Lewandowski (3. und 30.), Thomas Müller (34.) sowie Serge Gnabry (35. und 37.) spätestens nach den überwältigenden sieben Minuten der Bayern, die an das 7:1 der deutschen Nationalmannschaft im WM-Halbfinale gegen Brasilien erinnerte, entschieden war, hatte Trainer Julian Nagelsmann keine Hemmungen, einen starken Spieler früh auszuwechseln. Alphonso Davies ging in der 40. Minute, weil er einen „leichten Schmerz“ im Oberschenkel spürte. „Wir hoffen, dass er Glück hat“, sagte der Trainer. „Wir müssen schauen, ob es bis Mittwoch reicht.“

          Selbst wenn nach der Pause kein Münchner Tor mehr dazu kam – stattdessen erzielte Patrik Schick (55.) den Ehrentreffer für die in allen Belangen unterlegenen Leverkusener –, waren die Verhältnisse beim Duell zwischen dem Zweiten und dem Ersten der Tabelle erstaunlich früh geklärt. „Die erste Halbzeit war gigantisch“, sagte Joshua Kimmich beim Streamingdienst DAZN. Und nicht nur bei der subjektiven Betrachtung von Nagelsmann war dem Trainer des Siegers kaum zu widersprechen: „Wir hatten noch die Chance auf das sechste, siebte oder achte Tor in der ersten Halbzeit“, sagte er.

          Großes Problem bei Leverkusen

          Auch sein Leverkusener Gegenüber Gerardo Seoane erkannte die Diskrepanz in den Leistungen der Teams umstandslos an. „Wir waren nicht auf der Höhe, vor allem in der ersten Halbzeit. Sie haben uns aufgezeigt, wieso sie die beste Mannschaft Deutschlands sind“, sagte der Bayer-Coach. Sein Torwart Lukas Hradecky war froh, dass er nicht noch mehr Gegentore kassierte. „Wir müssen uns fragen, ob jeder alles gegeben hat“, sagte er. Die Mannschaft wurde trotz der herben Pleite nach der Partie von den Fans bejubelt. „Die Stimmung im Stadion haben wir heute nicht verdient“, sagte Hradecky.

          Selten wurde in einem Spiel auf diesem Niveau offensichtlicher, wo das Problem einer Mannschaft liegt. Leverkusen fehlten seine drei defensiven Mittelfeldspieler Julian Baumgartlinger, der nach einer Knieverletzung Ende August lange pausieren muss, Robert Andrich (Sperre nach Platzverweis) und Charles Aranguiz (Wadenprobleme). Dafür stellte Seoane in seiner Not die eigentlich eher offensiv ausgerichteten Kerem Demirbay und Nadiem Amiri auf – und öffnete Tür und Tor für die Bayern, die diese mögliche Schwachstelle schon vor dem Spiel identifiziert hatten und entsprechend agierten.

          Müller, Gnabry, Leroy Sané tummelten sich immer wieder mit viel Platz im Rücken von Demirbay und Amiri, die teilweise gar nicht mehr wussten, welche Lücken in der Defensive sie noch zulaufen hätten sollen. Weil die Leverkusener Abwehrkette nicht vorrückte und sie unterstützte, hatten die Bayern leichtes Spiel. Pass, Annahme, Drehung und schon war die nächste Torchance nicht mehr weit. Das Dilemma war so eindeutig, dass es erstaunte, dass der Bayer-Trainer nicht schon eher reagierte. In der Pause stellte er um auf eine Fünferkette mit offensiven Außen; das half, aber es war zu spät.

          Die Münchner sind nun wieder Erster, nachdem Borussia Dortmund ihnen den Platz mit dem Sieg über Mainz 05 am Samstag für 24 Stunden abgenommen hatte. Nur ein Punkt beträgt der faktische Vorsprung der Bayern, gefühlt aber sind es nach der Machtdemonstration mehr. Und schon wieder stellt sich die Frage in der Bundesliga: Wer soll diesen so kraftstrotzenden Serienmeister auf langer Strecke von 34 Spielen stoppen? Neben Davies wechselte Nagelsmann zur Schonung auch Goretzka (46.), Müller und Lewandowski (beide 64.) sowie Süle (72.) aus, weil er es sich erlauben konnte.

          Auch wenn die Bayern national in der Bundesliga seit beinahe einem Jahrzehnt der unangefochtene Goldstandard sind, warten Herausforderungen. Die Champions-League-Vorrunde – am Mittwoch geht es zu Benfica Lissabon – fällt eher nicht darunter, aber vom Achtelfinale an spitzt sich die Sache auch in der Königsklasse für den deutschen Dominator zu. Dass ein wenig Verletzungspech auch dort schnell zu Turbulenzen führen kann, zeigte die vergangene Saison, als im Viertelfinale Paris das Ende aller Träume für dezimierte Bayern bedeutete. Dazu kam das sensationelle Aus im DFB-Pokal in Kiel.

          Derzeit plagen die Münchner keine personellen Sorgen. Das könnte sich ändern, nicht nur, wenn sich die Blessur von Davies als gravierender herausstellt. Lucas Hernández muss am Dienstag in Madrid vor dem Strafgericht erscheinen. Ihm droht eine Freiheitsstrafe von einem halben Jahr. Der Franzose ist eine Säule in der Abwehr. Ein langfristiges Fehlen würde dem quantitativ nicht üppig besetzen Kader der Bayern eine empfindliche Leerstelle bescheren. So gibt es auf die Frage, was die Bayern stoppen soll, wohl nur eine Antwort: Der Ausfall wichtiger Spieler in entscheidenden Spielen.

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