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Bayern-Trainer Ancelotti : „Druck ist gut. Das ist Benzin.“

Bayern-Coach Carlo Ancelotti: Der Italiener ist ein ruhiger Mahner. Bild: Reuters

Das Beste zum Schluss: Bayern-Trainer Ancelotti spricht vor dem Topspiel gegen Leipzig über Traurigkeit und Glück im Fußball, seine Rolle als Nachfolger von Guardiola – und einen Kühlschrank voller Bratwürste.

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          Herr Ancelotti, Sie machen gern Witze, sogar über sich selbst. Einmal sagten Sie: „Hier kommt der dicke Junge mit seinem Teller Tortellini.“ Verstehen Fußballer Ihre Späße immer?

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Normalerweise ja. Im Sport sollte es nicht immer bierernst zugehen. Manchmal sind wir zu verbissen. Mein erster Trainer sagte: „Fußball ist die wichtigste Sache unter den unwichtigen Sachen im Leben.“

          Nils Liedholm bei AS Rom?

          Ja, er hatte großen Einfluss auf mich. Ich verehre ihn sehr. Immer ruhig und gelassen. Ich habe ihn nie die Contenance verlieren sehen.

          Am Mittwoch (20.00 Uhr / Live auf Sky und im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) spielen Sie gegen RB Leipzig, das Topspiel der Vorrunde. Es gibt Trainer, die vor großen Duellen Psychospiele versuchen. Sie auch?

          Ich habe das nie für nötig gehalten. Gerade vor einem großen Spiel ist es besonders einfach, die Mannschaft vorzubereiten. Du musst sie nicht extra motivieren. Das Spiel allein tut das.

          Hatte nicht gedacht, dass die deutsche Liga so stark ist: Laut Ancelotti sind die Bundesligisten vor allem taktisch sehr variabel.

          Hatten Sie schon Gegner, die solch ein intensives Pressing spielen wie Leipzig?

          Ja. Wir sind auf jede Spielweise vorbereitet. Ob einer tief oder hoch verteidigt, ist für uns nicht entscheidend. Aber ich bin positiv überrascht von der taktischen Vielfalt in der Bundesliga. Es gibt nicht ein vorherrschendes System wie in England oder Spanien. Einige Teams spielen mit vier Verteidigern, andere mit drei. Und fast alle sind sehr gut organisiert wie Leipzig, Hoffenheim, Köln, Frankfurt, Berlin. Die Qualität dieser Teams hat mich überrascht.

          Am meisten Leipzig?

          Ja, weil sie aus der zweiten Liga kommen. Ein junges Team mit sehr großer Motivation. Der gute Start gab ihnen viel Enthusiasmus. Was sie bisher erreicht haben, ist phantastisch.

          Wenn Sie vor einem solch wichtigen Spiel in der Kabine sind, spüren Sie besondere Anspannung im Team?

          Ja, du spürst die Anspannung, den Druck. Das ist gut. Das ist Benzin.

          Und wenn es zu viel ist? Machen Sie dann einen Witz wie vor einem Champions-League-Finale mit Milan?

          Vielleicht. Aber die beste Hilfe gegen Druck ist gute Vorbereitung. Je besser man den Spielern die Strategie für das Spiel erklärt, desto weniger Stress werden sie haben. Ich war in der Schule vor Prüfungen immer nur nervös, wenn ich nicht gelernt hatte. Wenn ich gelernt hatte, war ich locker. Die Spieler sind genauso.

          Haben Sie Tricks gegen zu große Anspannung?

          Man darf den Gegner nicht zu stark reden. Wenn wir mit Real gegen Barcelona spielten, habe ich zum Beispiel vorher immer vermieden, über Messi zu sprechen. Ich sagte: Dort sind sie gefährlich. Oder: Hier aufpassen. Aber immer, ohne Messi zu erwähnen. Wenn du vor dem Spiel über einen Messi redest, wird mancher nervös.

          Wenn Sie solche Superstars selbst im Team hatten, wie Zidane, Ibrahimovic, Ronaldo, haben Sie die Spielweise auf sie ausgerichtet, das System für sie verändert?

          Nicht nur für sie, auch für die anderen. Es gibt kein System, das ein Spiel gewinnt. Es gewinnt immer ein Team. Dafür braucht es ein System, mit dem es sich wohl fühlt und das am besten zu seinem Charakter passt.

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