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Kimmich mit Corona infiziert : Das Impf-Thema ist damit nicht vom Tisch

Nicht geimpft, jetzt ein positiver Test: Joshua Kimmich fällt bis auf Weiteres aus. Bild: dpa

Ungeimpfte gefährden die Erfolgsaussichten der Klubs und der Nationalelf deutlich stärker als Geimpfte. Der Fall Kimmich zeigt also: Die Realität ist stärker. Der Profifußball muss Verantwortung übernehmen.

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          Dass sich beim FC Bayern nun auch der prominenteste Ungeimpfte in diesem Land mit Corona infiziert hat, sorgt im Netz für unvermeidliche Häme. In der Realität des Herbstes 2021 ist dieser Fall jedoch vornehmlich ein Beleg für wissenschaftliche Expertise, die sich nicht leugnen lässt, zumindest nicht folgenlos.

          Auch der jüngste Satz des Gesundheitsministers, wonach in Deutschland nach diesem Winter alle Menschen entweder geimpft, genesen oder gestorben sein werden, schließt den Fall aus München treffend mit ein. Kimmich war einer unter 75.961 Menschen, die sich an einem Tag angesteckt haben. So viele waren es noch nie.

          Handlungsdruck wird wachsen

          Man kann für Kimmich nur hoffen, dass andererseits auch die wissenschaftlich fundierte Vorhersage auf ihn zutrifft, wonach sich ein junger und ansonsten gesunder und topfitter Mann seines Alters vergleichsweise wenig Sorgen über schwerwiegende Folgen machen muss. Dass der Bayern-Anführer nun beim Spitzenspiel in Dortmund fehlen wird, nachdem er zuletzt als Ungeimpfter schon zweimal nach Kontakt mit einer infizierten Person aus dem Spiel genommen wurde, trifft seinen Arbeitgeber erstmals zu einem sportlich ungünstigen Zeitpunkt.

          In der vierten Welle sind die Bayern so stark wie nie in den nun 21 Monaten der Pandemie von Corona betroffen. Auch das: Ein Spiegel der Verhältnisse, wenn das Virus auf ein Bundesland mit niedriger Impfquote trifft und hohe Fallzahlen produzieren kann.

          Nach einem hoffentlich milden Krankheitsverlauf und vollständiger Genesung wird Kimmich mit dem Impf-Thema zwar kurzfristig durch sein, doch schon mit Blick auf die WM 2022 dürfte es mit wissenschaftlicher Gewissheit wieder auf den Tisch kommen. Auch der Booster gehört mittlerweile untrennbar zum zweiten Corona-Winter – und damit auch zum deutschen Fußball.

          Der Handlungsdruck wird dort weiter wachsen, falls demnächst keine generelle Impflicht eingeführt wird, oder eine spezielle für den Profifußball. Denn Ungeimpfte gefährden nach derzeitigen Quarantäneregelungen die Erfolgsaussichten der Klubs und der Nationalelf deutlich stärker als Geimpfte. Der Bundestrainer hatte daher am Mittwoch mit gewisser Zuversicht angedeutet, dass Kimmich sich wohl doch impfen lassen werde – kurz darauf wurde seine Infektion bekannt.

          Doch statt nur auf sein Wohlverhalten zu setzen, wäre der Deutsche Fußball-Bund (DFB) gut beraten, wenn er in dieser Frage auf sich selbst und seine Möglichkeiten schaute. In der Nationalelf wäre eine Impfpflicht jedenfalls leichter durchzusetzen als in der Liga, wo vertraglich gebundene Profis ihren Beruf ausüben. Doch zur Nationalelf kommen sie freiwillig. Aber obwohl der DFB und der Bundestrainer für Impfungen werben, fehlt es an Mut und Willen, den Piks zur Voraussetzung für eine Einladung zu machen. Oder andererseits eine Impfpflicht mit Blick auf die Grundrechte abzulehnen.

          Die entsprechend pragmatische Parole hat Flick schon im Vormonat ausgeben: auf Zeit spielen. Um nicht anzuecken, wie man hinzufügen darf. Doch so verpasst der Fußball in der Corona-Krise gerade wieder eine Chance, dort Verantwortung zu übernehmen, wo es möglich wäre – anstatt bloß darüber zu reden.

          Michael Horeni
          Fußballkorrespondent Europa in Berlin.

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