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1:4 gegen Stuttgart : Kalte Meister-Dusche für die Bayern

Neues Trikot, keine Punkte: Thomas Müller und die Bayern. Bild: Reuters

Der endgültige Bundesliga-Abschied von Trainer Jupp Heynckes misslingt. Die Bayern bekommen die Meisterschale nach einem 1:4 gegen Stuttgart und verpatzen die Generalrobe für das Pokalfinale.

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          Am Anfang gab es Blumen und Beifall zum Abschied von Jupp Heynckes, der mit seinem 1038. und letzten Bundesligaspiel (669 als Trainer, 369 als Spieler) Otto Rehhagel (1037) als Rekordhalter ablöste. Am Ende dann die gewohnte Silberschale für den Serienmeister und die üblichen, von Heynckes nicht geschätzten Weißbierduschen, weswegen der 73-Jährige die gute Garderobe geschont und die am Spieltag sonst ungewohnte Trainingskluft angelegt hatte. Doch dazwischen gab es an diesem Tag, der für den FC Bayern mit der 28. deutschen Meisterschaft ein Feiertag sein sollte, vor allem die große Party des VfB Stuttgart.

          Bundesliga
          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Mit einem sensationellen 4:1-Sieg in München schaffte der Aufsteiger, der nach langem Abstiegskampf erst vor drei Wochen den Verbleib in der Bundesliga gesichert hatte, den Sprung auf Tabellenplatz sieben. Er wird die Teilnahme an der Europa League bedeuten, sollten die Bayern im Pokalfinale am Samstag in Berlin Eintracht Frankfurt besiegen. Die frühe Stuttgarter Führung durch Daniel Ginczek (6. Minute) hatte Corentin Tolisso noch ausgleichen können (21.), doch mit drei Kontertoren durch Anastasios Donis (42.), Chadrac Akolo (52.) und Ginczek (55.) verdarben die Schwaben den Bayern ein wenig die Meisterfeierstimmung.

          Welch außergewöhnliche Leistung dieser Sieg bedeutet, zeigt die Statistik, dass die Bayern die letzten 32 Spiele gegen Aufsteiger allesamt gewonnen hatten und zudem seit mehr als zwei Jahren in der Bundesliga kein Heimspiel mehr verloren hatten. Heynckes hatte seine bestmögliche Elf aufgeboten, während der Stuttgarter Trainer Tayfun Korkut auf Mario Gomez verzichten musste, der am Tag zuvor Vater geworden war. Doch auch ohne den Torjäger vom Dienst waren die Stuttgarter von Beginn an gefährlicher.

          Der schnelle Donis spurtete nach sechs Minuten an drei Bayern vorbei und bediente in der Mitte Ginczek, der den Ball ins leere Tor schob. Nachdem Robert Lewandowski sich bis zu Torwart Ron-Robert Zieler durchgedribbelt hatte, hängengeblieben war und der mitgelaufene Tolisso den kurzzeitig herrenlosen Ball ins Tor bugsiert hatte, sah es aus, als könne der Favorit die erwartete Dominanz gewinnen und den Führungstreffer erzielen. Doch der glänzende Zieler rettete gegen Lewandowski, der am Ende für seine 29 Saisontore zum dritten Mal die Torjägerkanone erhielt, an diesem verkorksten Tag aber mit zunehmender Dauer resigniert wirkte.

          Stuttgart schien sich nur noch in die Pause retten zu wollen, schlug dann aber plötzlich zu. Der pfeilschnelle Grieche Donis fing einen Pass im Mittelfeld ab, stürmte an allen Verteidigern vorbei und überwand Torwart Sven Ulreich. Und das war nur die Ouvertüre zum entscheidenden Doppelschlag kurz nach der Pause, als nach einem Ballverlust des eingewechselten Javi Martinez ein Blitzkonter über links von Akolos Kopfball vollendet wurde und schließlich Ginczek mit seinem zweiten Treffer per Abstauber das vierte Tor erzielte.

          Hinten hielten Zieler und seine aufmerksamen Vorderleute den einfallslosen Attacken der ungewohnt matten Münchner stand und nahmen den Bayern damit einen historischen Rekord ab. Diese hatten in ihrer ersten Bundesligasaison 1965/66 nur 38 Gegentore bekommen, bis Samstag die Bestmarke für einen Aufsteiger. Nun halten sie die Stuttgarter mit 36. Zudem beendeten die Schwaben die Saison als zweitbestes Team der Rückrunde – und dürfen nun auf die Krönung durch bayrische Mithilfe im Pokalfinale hoffen.

          Das von Heynckes erhoffte „Freudenfest“ wurde es am Ende dennoch natürlich auch für die Münchner, auch wenn sie eine solch kalte Dusche schon vor den Weißbierfontänen an einem Tag der Meisterkrönung schon seit Jahrzehnten nicht mehr erhalten hatten. In die kollektive Freude mischte sich bei Heynckes nach famoser Saisonleistung die private Vorfreude auf den nun endgültig verdienten Ruhestand - darauf, „in die Anonymität zurückzukehren und mein Leben zu genießen.“

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