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FC Bayern denkt weiter : Tabellenführer? Na und!

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Nur ein kurzer Moment der Freude: Tabellenführer, na und? Bild: dpa

Mit einem 6:0 gegen einen miserablen VfL Wolfsburg übernimmt der FC Bayern den Spitzenplatz in der Bundesliga. Viel wichtiger ist den Münchnern aber das Spiel am Mittwoch.

          Uli Hoeneß war geradezu unverschämt guter Laune, das war nicht zu übersehen beim Blick in sein Gesicht. „Wir sind natürlich glücklich, dass wir jetzt endlich wieder mal wieder da oben sind am Platz an der Sonne, das ist schön“, sagte der Präsident von Bayern München mit einem Dauergrinsen. Dann aber schwenkte er um und offenbarte, was wirklich wichtig ist: „Wir werden uns jetzt alle mal auf das Spiel am Mittwoch konzentrieren.“

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          Tabellenführung? Die Münchner sagen erst mal: Na und! Wegen Liverpool. Seit Samstag ist die Welt des Rekordmeisters wieder in Ordnung - nach 161 oft quälend langen Tagen dank des lockeren 6:0 (2:0)-Sieges gegen einen indisponierten VfL Wolfsburg. Doch mit der Wachablösung in der Bundesliga, in der die Münchner zeitweise neun Punkte hinter Borussia Dortmund zurücklagen und jetzt erst mal nur zwei Treffer besser sind, wollte sich auch Niko Kovac nicht lange aufhalten. „Wir sind jetzt da, wo wir hinwollen, da wollen wir auch bleiben“, sagte der Trainer, aber: „Jetzt heißt es, die Kräfte zu bündeln für Mittwoch.“

          Die Welt des FC Bayern ist erst mal in Ordnung, aber sie dreht sich eben auch weiter. Und am vielzitierten Mittwoch (21.00 Uhr/Sky und im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League) wollen die Münchner „schaffen, was wir uns alle wünschen“, wie Kovac betonte, das heißt: Mit einem Sieg gegen den FC Liverpool ins Viertelfinale der Champions League einziehen.

          Das Spiel gegen Wolfsburg war dafür allenfalls ein gutes Aufwärmprogramm, dieses Spiel „gibt uns hoffentlich die nötige Energie“, sagte Kovac, aber: „Jedes Spiel ist anders.“ Ja, mahnte Torjäger Robert Lewandowski, „Liverpool wird ein schwieriges Spiel“, und deshalb: „Wir müssen das jetzt alles wegschmeißen.“

          Was er damit sagen wollte: Die Freude über die Tabellenführung müsse abgehakt werden, und Gleiches gelte für seinen Rekord: Dank seiner zwei Treffer (37. und 85.) ist der Pole nun treffsicherster Ausländer der Bundesliga-Geschichte mit 197 Toren. Die weiteren Treffer gegen die erstaunlich mutlosen Wolfsburger erzielten Serge Gnabry (34.), James (52.), Thomas Müller (76.) und Joshua Kimmich (82.).

          Ja, die Tabellenführung sei „schön“, sagte auch Niklas Süle, „aber wir sind ja noch nicht Meister“. Süle spielte übrigens nicht, ein Indiz für kommenden Mittwoch: Seinen Verteidiger Nummer eins, seit der Ausbootung von Jerome Boateng und Mats Hummels (und Müller) wohl auch bei Bundestrainer Joachim Löw Chef in der Abwehr, wollte Kovac für Liverpool schonen. Neben Süle dürfte Hummels spielen, er war am Samstag auffälliger als Boateng. Müller ist am Mittwoch gesperrt, ebenso Kimmich.

          Auch er hat sein Tor geschossen: der von Löw aussortierte Müller

          Dass Boateng, Hummels und Müller künftig bei der DFB-Auswahl fehlen, provozierte erstaunlich deutliche Kritik von Kimmich am Bundestrainer: „Aus Spielersicht muss ich sagen: Die Art und Weise war nicht okay.“ Kovac wiederum versicherte, es sei kein Zeichen an Löw gewesen, dass die drei Ausgebooteten am Samstag durchspielten. Er betonte freilich: „Mit der Leistung der drei war ich sehr zufrieden. Das sind Profis, die wissen, was sie können, und sie haben das im Kollektiv mit den anderen acht Spielern auch sehr, sehr gut gemacht.“

          Und so herrschte erst mal gespannte Ruhe beim FC Bayern. Auch aufgrund der Tabellenführung. „Wir haben jetzt ein Momentum, dieser Moment der Saison ist der beste, den wir bis jetzt haben, zum richtigen Zeitpunkt, das wollen wir mitnehmen“, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Um dann zu betonen: „Am Mittwoch geht es um alles.“

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