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1:0 gegen Bremen : Dusel-Tor verhilft den Bayern zum Sieg

Dann halt ein Abwehrspieler: Nur Niklas Süle (links) trifft für die Bayern. Bild: EPA

Das Vorspiel zum DFB-Pokal-Halbfinale geht an die Münchner. Im Titelrennen der Bundesliga gelingt ihnen gegen dezimierte Bremer ein Arbeitssieg der zähesten Sorte. Ein Abwehrspieler wird zum goldenen Torschützen – mit Glück.

          Auf Glanz kommt es nicht mehr an im finalen Titelkampf, nur auf Resultate. Und so wird es dem FC Bayern München völlig egal sein, dass der 1:0-Erfolg gegen Werder Bremen am Samstag ein Arbeitssieg der zähesten Sorte war, am Ende in Überzahl durch einen abgefälschten Schuss erzwungen. Niklas Süle traf nach 75 Minuten unter Mithilfe des Bremers Davy Klaassen zum verdienten, in der Entstehung aber glücklichen Siegtor. Die in der ersten Halbzeit gleichwertigen Bremer waren nach der Gelb-Roten Karte für Milos Veljkovic nach 57 Minuten numerisch und spielerisch entscheidend ins Hintertreffen geraten. „Es war ein Sieg der Geduld“, sagte Bayern-Trainer Niko Kovac. „Der Platzverweis hat uns die Sache in der zweiten Halbzeit sicher erleichtert. Es war in der ersten Halbzeit kein gutes Fußballspiel, da haben wir den Ball zu langsam laufen lassen. In der zweiten Halbzeit haben wir es sehr viel besser gemacht und hätten es höher gestalten können.“

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          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Damit endeten für die Bremer zwei Serien. Bis Samstag waren sie als einziges Team der Bundesliga noch ungeschlagen im Jahr 2019. Und das einzige, das bis dato in jedem Spiel der Bundesliga getroffen hatte – ein Kunststück, das über eine ganze Saison zuletzt den Bayern in der Triple-Saison 2012/13 gelungen war. Sie können dafür allerdings Revanche nehmen, wenn es im Pokalhalbfinale am Mittwoch (20.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zum DFB-Pokal, in der ARD und bei Sky) wieder gegen die Bayern geht, dann daheim in Bremen.

          Wer erwartet hatte, dass die Bayern wie zwei Wochen zuvor gegen Dortmund wie die Feuerwehr loslegen würden, musste sich wundern. Lange tat sich der Meister schwer, zusammenhängende Angriffe gegen die aufmerksam verschiebenden und verteidigenden Bremer aufzubauen. Die einzige Torchance vor der Pause entsprang nach 26 Minuten einem überraschenden Heber von Thiago über die tiefstehende Bremer Abwehrkette hinweg, exakt in den Lauf des in den Strafraum spurtenden Serge Gnabry. Der Rechtsaußen schoss den Ball mit dem Rücken zum Tor volley aus der Drehung aufs Tor, wurde aber vom glänzend reagierenden Jiri Pavlenka um den Torerfolg gebracht. Mit der Fußspitze lenkte der tschechische Torwart den aus kurzer Entfernung kommenden Ball am Pfosten vorbei.

          Nur drei Minuten später schlug die Kurve bei Thiago wieder in die andere Richtung aus. Nach einem haarsträubenden Fehlpass des Bayern-Spielmachers hatten die Bremer plötzlich Raum zum Kontern, doch ausgerechnet der finale Pass durch den Bremer Spielmacher Max Kruse auf den Richtung Tor gestarteten Milot Rashica geriet zu lang, so dass Torwart Sven Ulreich, Vertreter des verletzten Manuel Neuer, den Ball abfangen konnte. Es war nicht der Tag der Künstler.

          „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“, skandierten trotzdem die weitgereisten Werder-Fans, als wären sie nicht Zuschauer bei einem Bundesligaspiel, sondern in Gedanken schon im Pokalhalbfinale am Mittwoch im Weserstadion. Das Selbstbewusstsein der Bremer ist nach einer bisher starken Saison spürbar gewachsen. „Wir wollen überall gewinnen“, hatte Trainer Florian Kohfeldt kurz vor Anpfiff in München erklärt. „Wir haben in Dortmund gewonnen, als die eine richtig gute Phase hatten. Wir haben in Leverkusen gewonnen, als die eine richtig gute Phase hatten.“ Die Aufgabe in München, so Kohfeldt, sei aber „die maximale Herausforderung“.

          Diese Herausforderung wurde nach der Pause deutlich größer und letztlich zu groß – weil die Bayern nun mit mehr Wut und Wucht und irgendwann auch mit einem Mann mehr attackierten. Nach 51 Minuten konnte Veljkovic einen Schuss von Gnabry kurz vor der Torlinie mit dem Oberschenkel zur Ecke lenken. Weitere zwei Minuten später wurde es noch knapper für die Bremer, als Pavlenka einen wuchtigen 16-Meter-Schuss von Gnabry so gerade an den Außenpfosten abwehren konnte.

          Die Bremer spielten nach einem Platzverweis nur noch zu zehnt.

          Dann erhielt der zu ungestüme Veljkovic für einen Ellbogeneinsatz im Luftduell mit Süle die Gelb-Rote Karte und brockte seinem Team damit eine mehr als halbstündige Unterzahl ein. Eine gute Viertelstunde lang blieb das folgenlos: David Alabas Flachschuss wurde von Pavlenka pariert (68.), ein Kopfball von Thomas Müller flog knapp am Tor vorbei (70.). Doch dann holte Süle im Rückraum aus, und der wuchtig getroffene Ball wurde beim Blockversuch von Klaassen abgefälscht – nur leicht, aber genug, um gegen die Sprungrichtung des ins Toreck abtauchenden Pavlenka unerreichbar mitten im Tor einzuschlagen. Ein Wirkungstreffer, den man mehr noch als in Bremen in Dortmund gespürt haben wird. „Bayern war eine Nummer zu groß, das muss man anerkennen. Mit der Gelb-Roten Karte war"s vorbei, 35 Minuten gegen Bayern in Unterzahl – das ist nicht vergnügungssteuerpflichtig“, sagte der Bremer Trainer Florian Kohfeldt.

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