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3:1 in Wolfsburg : Die Souveränität der Bayern ist wieder da

  • -Aktualisiert am

Auf Torjäger Lewandowski können sich die Bayern in Wolfsburg verlassen. Bild: AFP

Nach dem riesigen Rundumschlag von Hoeneß und Rummenigge finden die Münchner ihre sportliche Klasse wieder. Beim 3:1 in Wolfsburg kommen sie nach vier sieglosen Spielen nur kurzzeitig nach einem Platzverweis in Not.

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          Der wichtigste Mann des Tages war von einer schwachen Form oder einer Verunsicherung weit entfernt. Seinem Tor zum 1:0 (30. Minute) ließ Robert Lewandowski eine beachtliche Jubelarie folgen. Dass sich ein Routinier wie er so sehr freut, die Fäuste ballt und stolz vor die eigene Brust haut, sieht man im Alltag der Fußball-Bundesliga eher selten.

          Bundesliga

          Aber Lewandowski hatte mit dem FC Bayern München nach zuletzt eher schwachen Auftritten etwas zu korrigieren. Mit dem 3:1-Erfolg beim VfL Wolfsburg ist das gelungen. Lewandowski erzielte auch das 2:0 (48.). Dass die Münchener trotzdem noch leicht ins Wanken gerieten, lag an einer Gelb-Roten Karte für Arjen Robben (57.). Wout Weghorst verkürzte für Wolfsburg auf 1:2 (63.), ehe die Bayern in Unterzahl durch ein Tor von James Rodriguez (72.) die Entscheidung erzwangen. „Ich muss meiner Mannschaft gratulieren. Das war eine runde Leistung, besonders in der Phase in Unterzahl“, sagte Trainer Niko Kovac. „Auch nach dem 1:2-Anschlusstor haben wir nicht gewackelt.“

          Gemessen an den dauerhaft hohen Ansprüchen des FC Bayern hatten rund 30.000 Zuschauer einen ganz normalen Bundesliga-Nachmittag erlebt. Ohne sich über Gebühr anstrengen zu müssen, kehrte der Serienmeister in den gewohnten Modus zurück. Frühes Stören, Kontrolle übernehmen, Schwächen der gegnerischen Abwehr zielsicher ausmachen: So kam ein Erfolgserlebnis zustande, das mit Blick auf die Tabelle und das FCB-Ego dringend notwendig war. Drei Tage vor dem Gruppenspiel in der Champions League bei AEK Athen genügte eine Normalportion Elan und Geschick, um sich in Wolfsburg durchzusetzen. Den Führungstreffer durch Lewandowski hatte Innenverteidiger Mats Hummel mit einem Pass in die Spitze vorbereitet, den Thiago geschickt passieren ließ, um zu irritieren. Viel mehr spielerischen Glanz gab es in der ersten Halbzeit von den Münchenern allerdings nicht zu beobachten.

          Die Gelegenheit war äußerst günstig. Wann kommt ein Starensemble wie der FC Bayern schon einmal so erfolglos vorbei und darf sich einen weiteren Ausrutscher nicht erlauben? Mit Leidenschaft und Mut, so hatte es der Wolfsburger Trainer Bruno Labbadia vorher erklärt, wollte oder sollte seine Mannschaft versuchen, den hohen Favoriten zu ärgern. Vor allem der ewig angriffslustige Mittelfeldspieler Maximilian Arnold war wieder einmal an nahezu allen kniffligen Situationen beteiligt. Er hatte mit seiner rotzfrechen Art keinerlei Lust, nur Spalier für den Favoriten zu stehen. In der 18. Minute war der Wolfsburger sogar um ein Haar ganz alleine auf den Münchener Torhüter Manuel Neuer zugelaufen. Ein körperbetonter Einsatz von Verteidiger Niklas Süle beendete den Vorstoß. Es war ein Zweikampf im Grenzbereich des Regelwerkes. Aber Süles kompromisslose Art signalisierte auch, dass sich seine Mannschaft wieder den nötigen Respekt des Gegners sichern wollte. Arnold blieb gegen die Wucht des Nationalspielers ohne Chance.

          Nach der legendären Pressekonferenz standen Rummenigge (links) und Hoeneß auch in Wolfsburg Seite an Seite. Bilderstrecke

          Vielleicht war dieser Sieg des FC Bayern, der immerhin rund 35 Minuten lang einen Profi weniger auf dem Fall hatte, eine Rückkehr zur Normalität. In jedem Fall ist die Mannschaft auf dem Platz so aufgetreten, als habe es das jüngste Poltern der Vereinsführung nie gegeben. Einen Tag nach der denkwürdigen Pressekonferenz unter der Führung von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, der die mediale Beurteilung von Bayern München mit einer bundesweit bestaunten Vehemenz kritisiert hatte, war rund um das Spielfeld eigentlich alles wie immer. Der wieder auf der Ersatzbank plazierte Nationalspieler Thomas Müller scherzte wie gewohnt im Kabinengang und beim Aufwärmen. Bayern-Trainer Kovac dirigierte von der Seitenlinie aus mit Zwischenrufen, Pfiffen und Gesten.

          Und am Ende hatte wieder einmal Torjäger Lewandowski den Unterschied ausgemacht. Bei seinem zweiten Treffer profitierte der Pole von einer völlig verunglückten Rückgabe per Kopf des Brasilianers William. Lewandowski schob den Ball über die Torlinie und trat nicht nur in dieser Szene so souverän auf, als habe es den bajuwarischen Durchhänger der vergangenen Wochen nie gegeben. Nach dem Sieg sprach Nationalspieler Joshua Kimmich über die vieldiskutierte Pressekonferenz der Bayern-Bosse. „Das ist ein super Zeichen, dass der Verein sich so vor seine Spieler stellt und seine Spieler so schützt“, sagte er in einem Sky-Interview. „Es war für unsere Gefühlswelt wichtig, dass wir zusammenstehen und uns gegenseitig schützen.“

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