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3:1 gegen Leverkusen : Die neuen Bayern machen Bayer nass

Neue Saison, altes Spiel: Lewandowski trifft für die Bayern beim Auftaktsieg. Bild: EPA

Zum Start in die neue Saison der Fußball-Bundesliga gewinnt der Meister aus München gegen Leverkusen. Allerdings müssen die Spieler zwischendurch eine lange Pause einlegen.

          Fünf Jahre lang hat der FC Bayern stets das erste Spiel der Bundesligasaison gewonnen. Und fünf Jahre lang stets nach dem letzten Spiel die silberne Meisterschale hochgestimmt. Diese Serie ist ein schlechtes Omen für die Konkurrenz im Titelkampf. Denn auch das sechste Auftaktspiel in Serie hat der Serienmeister am Freitagabend gewonnen. Mit einem 3:1-Sieg gegen Bayer Leverkusen bestätigten die Bayern ihre Favoritenstellung für einen sechsten Meistertitel hintereinander. „Wir sind sehr, sehr glücklich, dass wir gewonnen haben“, sagte Bayerns neuer Sportdirektor Hasan Salihamidzic im ZDF erleichtert. Bayer-Schlussmann Bernd Leno ärgerte sich indes. „Ich habe gemischte Gefühle. Da war mehr drin“, sagte er.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Zwei Neuzugänge sorgten für die beruhigende Pausenführung, beide per Kopfball. Zuerst traf der frühere Hoffenheimer Niklas Süle (8. Minute), dann der aus Lyon gekommene Corentin Tolisso (18.). Das 3:0 lieferte ein alter Bekannter, Torjäger Robert Lewandowski per Foulelfmeter (52.), doch auch diese Szene war mit einer Neuigkeit verbunden. Das Foul an dem Polen, das zum Strafstoß führte, war von Schiedsrichter Tobias Stieler nicht gesehen und erst durch Nachfrage beim Videoassistenten erkannt und geahndet worden – der erste Videobeweis in der Geschichte der Bundesliga. Der Leverkusener Treffer zum 3:1 durch Admir Mehmedi (65.) konnte dem Spiel keine Wende mehr geben.

          Nur wenige Minuten konnte ein Zweifel am Ausgang der Partie bestehen. Dann leistete sich der Leverkusener Neuzugang Dominik Kohr ein Foul an Franck Ribéry, was ihm die Gelbe Karte einbrachte, schmerzlicher aber war der Freistoß, der daraus resultierte. Sebastian Rudy, zum Nulltarif aus Hoffenheim gekommen und in der Vorbereitung mit guten Leistungen in die Startelf gerutscht, schnibbelte den Ball aus halblinker Position ans hintere Toreck, wo sein früherer Hoffenheimer und jetziger Münchner Kollege Süle seinen mächtigen Körper in die Höhe stemmte. Der Innenverteidiger wuchtete den Ball mit dem Kopf zum 1:0 ins lange Eck. „Das war ein besonderer Tag für mich. Das erste Spiel für meinen neuen Verein und mein erstes Tor, das war schön für mich“, sagte Süle im ZDF.

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          Auch das 2:0 resultierte aus einem Standard-Tor. Lewandowski holte an der rechten Eckfahne einen Eckball heraus, Joshua Kimmich brachte ihn hinein. Die klägliche Faustabwehr von Torwart Bernd Leno landete auf der Brust von Arturo Vidal, der den heruntertropfenden Ball gefühlvoll an den hinteren Pfosten lupfte. Dort stand der völlig freie Tolisso und erzielte mit einem simplen Kopfball sein erstes Tor in der Bundesliga. Leverkusens Nationalspieler Jonathan Tah haderte mit dem eigenen Unvermögen: „Wir haben in der ersten Halbzeit gepennt und blöde Tore gekriegt.“

          Um ein Haar hätte der Franzose sein zweites nur fünf Minuten später nachgeliefert. Tolisso, mit einer Ablöse von 41,5 Millionen Euro der neue Rekordeinkauf der Liga, löste einen Leverkusener Pressingversuch in der Mitte der eigenen Hälfte mit einem feinen Seitenwechsel in eine Kontersituation auf. Über Alaba und Ribéry entstand ein Tempoangriff auf der linken Seite, an dessen Ende nach Doppelpass mit Thomas Müller der Auslöser des brillanten Spielzugs, Tolisso, mit seinem Schrägschuss den Pfosten streifte.

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          Leverkusen, das mit Calhanoglu und Chicharito zwei prominente Offensivkräfte abgegeben hatte, wirkte oft überfordert, aber nie chancenlos. Nur verstand das Team des neuen Trainers Heiko Herrlich es nicht, die zahlreichen Geschenke anzunehmen, die ihnen die manchmal fahrige und oft lückenhafte Bayern-Defensive servierte. Nach zwölf Minuten scheiterte Kevin Volland frei vor Torwart Sven Ulreich, ehe Karim Bellarabi den Nachschuss daneben schoss. Nach zwanzig Minuten parierte Ulreich, der bald dem zurückkehrenden Manuel Neuer Platz machen wird, aus kurzer Distanz gegen Volland, und nach 37 Minuten jagte Bellarabi den Ball aus 16 Metern über das Tor.

          Zu diesem Zeitpunkt waren Tausende schon auf dem Weg ins Trockene, weil ein gewaltiger Wolkenbruch, Beiprogramm heftiger Gewitter, die sich nach einem schwülheißen Tag in München entluden, mit Sturmböen den Regen auf die Tribünen und die Menschen von ihren Plätzen trieb. Sie verpassten nichts Entscheidendes bis zur Pause, nur eine unterhaltsame Szene, in der sich der in einen feuerroten Regenanorak geschlüpfte Carlo Ancelotti wie ein Rumpelstilzchen im Regen präsentierte.

          Als Ribéry nach einem harten Kopfballduell liegengeblieben, das Spiel aber nicht unterbrochen worden war, stampfte und schrie der Bayern-Trainer zwei Meter innerhalb des Spielfeldes herum und musste von Schiedsrichter Stieler ermahnt werden. Nach der Pause, die wegen des Regens verlängert worden war, drängten die Leverkusener mit dem eingewechselten Julian Brandt auf einen längst fälligen Anschlusstreffer, doch blieben sie im Strafraum viel zu harmlos.

          Spätestens als Lewandowski reklamierte, gefoult worden zu sein, und Stieler an sein Headset zeigte, um die Szene mit Hilfe des weit entfernt in Köln zuschauenden Videoassistenten zu klären, was zum Elfmeterpfiff und zum dritten Bayern-Tor führte, war die Hoffnung der Leverkusener darauf geschrumpft, allenfalls noch einen Ehrentreffer zu erzielen. Er gelang Mehmedi nach Vorlage von Brandt mit einem wuchtigen Schuss in den Torwinkel.

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