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Millionen-Deals trotz Schulden : So will Barça den Lewandowski-Transfer finanzieren

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Robert Lewandowski möchte den FC Bayern gerne verlassen. Bild: dpa

Der FC Barcelona hat horrende Schulden. Dennoch will er Robert Lewandowski und andere Fußballstars kaufen. Gelingen soll das auch durch zwei umstrittene Millionen-Deals. Was steckt dahinter?

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          Den Namen Robert Lewandowski erwähnte Joan Laporta in der gut dreistündigen, teils hitzig geführten Debatte überhaupt nicht. Worum es auf der Mitgliederversammlung des FC Barcelona am späten Donnerstagabend ging, machte der Präsident des spanischen Fußball-Traditionsklubs aber unmissverständlich klar.

          „Wir wollen wieder eine starke Mannschaft haben und die Finanzen sanieren.“ Der Weg zum Erreichen dieser Ziele – inklusive der angestrebten Verpflichtung des Stürmerstars von Bayern München – wurde von den Mitgliedern mit Stimmrecht durch die Billigung zweier von Laporta vorgeschlagenen Millionen-Deals jetzt erheblich geebnet.

          Der finanziell schwer angeschlagene Verein, der bei Gläubigern mit horrenden 1,35 Milliarden Euro in der Kreide steht, hofft dadurch bereits in den nächsten Wochen auf Einnahmen von etwa 600 bis 800 Millionen Euro. „Die Zukunft von Barça fängt nun an“, titelte am Freitag die katalanische Fachzeitung „Sport“. Das Konkurrenzblatt „Mundo Deportivo“ bebilderte ihren Bericht auf der Titelseite mit einem großen Lewandowski-Foto. Laporta sah „neue Begeisterung“ aufkommen und jubelte: „Wir werden als Klub noch größer werden.“

          Der „Zaubertrick“ gelingt durch eine nicht unumstrittene Veräußerung von Klubvermögen. Gebilligt wurden am Donnerstag der Verkauf einer Minderheitsbeteiligung von 49,9 Prozent an der Barca Licensing and Merchandising (BLM) sowie die Abtretung von maximal 25 Prozent der TV-Rechte für längstens 25 Jahre. Die erste Maßnahme soll 200 bis 300 Millionen Euro einbringen, die zweite mindestens 500 bis 550 Millionen Euro in die leeren Kassen spülen.

          Der seit März 2021 amtierende und als „Retter“ gekommene Laporta hatte vor der Versammlung für seine Vorschläge die Werbetrommel gerührt und die Lage des Vereins von Nationaltorwart Marc-André ter Stegen mit folgenden Worten beschrieben: „Barça war tot. Nun sind wir auf der Intensivstation. Wenn diese Maßnahmen gebilligt werden, werden wir aus dem Krankenhaus entlassen.“ Am Donnerstagabend sprach er auch von einem „Formel-1-Wagen ohne Benzin“.

          Bei seinen Zukunftsplänen setzt Laporta nicht nur auf den bald 34 Jahre alten Polen Lewandowski. Er will nach Medienberichten auch zahlreiche weitere Top-Fußballer holen, „um wieder um Titel spielen zu können“. Die Liste ist lang: Im Gespräch sind unter anderem die Portugiesen Rafael Leão (AC Mailand) und Bernardo Silva (Manchester City), der Franzose Jules Koundé (FC Sevilla), der Spanier Carlos Soler (FC Valencia), der Brasilianer Raphinha (Leeds United) und der Senegalese Kolidou Koulibaly (SSC Neapel).

          Man muss wissen: Laporta steht unter Druck. Bei seinem Amtsantritt hatte er versprochen, er werde Klublegende Lionel Messi trotz der Finanzmisere zum Verbleib überreden und Titel holen. Liefern konnte er nicht. Messi wechselte im vorigen Sommer zu Paris Saint-Germain – und Barça kam einem Titelgewinn anschließend nicht einmal nahe.

          Um die Verstärkung des Teams zu schaffen, ohne aber die Sanierung der Finanzen zu gefährden, reicht es mit dem neuen Geldregen immer noch nicht. Deshalb will man in diesem Sommer auch Profis verkaufen, die viel verdienen und nicht so gut eingeschlagen haben. Der Transfer des Niederländers Frenkie de Jong, an dem Manchester United interessiert sein soll, soll etwa rund 100 Millionen Euro einbringen. Es gehe immerhin darum, „einen Toten wiederzubeleben“, sagte der für Finanzen zuständige Vizepräsident Eduard Romeu.

          Romeu kündigte vor einigen Tagen auch eine Kürzung der Spielergehälter und eine Reduzierung der Gehaltsmasse um 160 auf ca. 400 Millionen Euro jährlich an. Stars wie ter Stegen und Sergi Busquets sollen mit weniger Geld vorliebnehmen. Auch vor Vertragskündigungen werde man nicht zurückschrecken, warnte Romeu.

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