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Fußball-Bundesliga : Augsburger Notfallplan

  • -Aktualisiert am

Augsburg-Trainer Manuel Baum (links) und Assistent Jens Lehmann müssen gehen. Bild: Picture-Alliance

Das Ende der Geduld: Trainer Manuel Baum und sein Assistent Jens Lehmann müssen beim FCA gehen. Nun soll ein gut erholter Skifahrer den Verein vor dem Abstieg bewahren.

          Vor ein paar Wochen war Stefan Reuter, Sport-Geschäftsführer des FC Augsburg, Gast auf dem Unternehmerdialog einer Bank. Damals schon stand Manuel Baum, der Trainer seines Klubs, massiv in der Kritik. Nach Meinung vieler Fans hatte Reuter schon viel zu lange an Baum fest gehalten. Reuter verteidigte seine Linie, sagte jedoch auch: „Im Fall von Dirk Schuster haben wir bewiesen, dass wir einen Trainer auch entlassen können.“

          Im Dezember 2016 war Baum, Leiter des Augsburger Nachwuchsleistungszentrums, auf den aus Darmstadt geholten Schuster gefolgt. Seit Dienstag ist Baum selbst Geschichte und ein weiterer entlassener Fußball-Lehrer. „Uns hat die Überzeugung gefehlt, dass wir es in dieser Konstellation noch hinbekommen“, begründete Reuter. Der Tabellenfünfzehnte der Fußball-Bundesliga stellte jedoch nicht nur seinen Cheftrainer frei, sondern auch gleich noch den prominenten Co-Trainer Jens Lehmann und den Technischen Direktor Stephan Schwarz. Vor dem Abstieg bewahren soll den FCA nun Martin Schmidt, 51, Schweizer, in der Bundesliga bestens bekannt aus seiner Zeit bei Mainz 05 und dem VfL Wolfsburg.

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          Ein Kahlschlag, der in seiner Breite nicht erwartet worden war. Der ehemalige Nationaltorhüter Lehmann galt ja als die Lösung für den Fall, dass Baum nicht zu halten sein würde, und Schwarz soll schon seit längerem auf einen Trainerwechsel gedrängt haben; seinen Platz auf der Bank nahm er seit Monaten nicht mehr ein, was der FC Augsburg mit Schwarz‘ Verpflichtungen als Scout und dem knapp gewordenen Platz begründete, da Lehmann schon der vierte Assistent von Baum war.

          Dass es Manuel Baum treffen würde, hatte sich nach der 0:4-Heimniederlage gegen die TSG Hoffenheim am Sonntag abgezeichnet. „Wir hatten keine Ahnung, welche Taktik wir spielen sollten“, formulierte der niederländische Abwehrspieler Jeffrey Gouweleeuw unverhohlene Kritik am Trainer. Ende Januar hatte sich sein Kollege Martin Hinteregger in ähnlicher Tonlage geäußert und war suspendiert und auf Leihbasis zu Eintracht Frankfurt transferiert worden.

          Baum, vom Schuldienst freigestellter Realschullehrer und Beamter auf Lebenszeit, hatte zuletzt angeschlagen gewirkt. Überarbeitet. Nach eigenen Aussagen investierte er bis zu hundert Stunden in die Vorbereitung eines Spiels, dazu baut er in seinem Wohnort München gerade ein Haus, wobei er einschränkend sagte, „dass meine Frau sich da um alles kümmern muss“. Er wirkte älter als seine 39 Jahre, die ihn immer noch als jungen Bundesligatrainer ausweisen. Zugesetzt hatte ihm auch, dass er kürzlich an seinem Auto Fan-Schmierereien vorfand. Der FC Augsburg will ihm womöglich seinen alten Job im Nachwuchs anbieten. Reuter: „Wir haben eine hohe Meinung von ihm.“

          Stefan Reuter, dessen Vertrag bis Sommer 2023 verlängert wurde, hatte bei Baum aber Defizite in der Ausstrahlung auf die Mannschaft registriert und versucht, das mit der Verpflichtung von Jens Lehmann als Assistent auszugleichen; Baum selbst räumte ein, sich nach geschätzt vierhundert Team-Ansprachen abgenutzt zu haben. Lehmann sollte die Strukturierung der Abwehr und die Motivation der Einwechselspieler übernehmen. Doch auch in diesen Bereichen war der Abwärtstrend unübersehbar, auch wenn Reuter meint: „Jens hat den einen oder anderen Impuls gesetzt und uns vielleicht das eine oder andere Spiel gewonnen.“

          Martin Schmidt wird an diesem Mittwoch sein erstes Training leiten und den FC Augsburg auf die Partie am Sonntag in Frankfurt vorbereiten. Sein Vertrag läuft bis mindestens 2020 und verlängert sich im Fall des Klassenverbleibs bis 2021. Er ist ein Trainer, der über die Motivation kommt. Reuter: „Er kann Energie an die Mannschaft bringen. Man spürt, dass es ihm Spaß machen könnte.“

          Schmidt hatte seit seinem Rücktritt in Wolfsburg vierzehn Monate Pause, er dürfte erholt sein. Er ist leidenschaftlicher Skifahrer, schwärmt von der Kraft, die die Berge ihm geben. Die neue Arbeitsstelle kommt zur passenden Zeit: In seinem Schweizer Heimatskiort Belalp ist die Saison vor einer Woche zu Ende gegangen.

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