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FC Augsburg : Endlich Mut zur Pointe

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Ungewohnte Prominenz beim Testspiel: Halil Altintop ist neu beim FCA – aber sonst? Bild: imago sportfotodienst

Nach der fulminanten Rückrunde sind beim FC Augsburg neue optimistische Töne zu hören. Aber vielleicht ist die Stimmung besser als die Lage: Die Suche nach Verstärkungen stockt. Am Freitag (19 Uhr) steht die schwere DFB-Pokalprobe bei RB Leipzig an.

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          Bei den Wahlen zum „Trainer des Jahres“ kommt Markus Weinzierl immer gut weg. Vor einem Jahr, als er Jahn Regensburg mit dem Aufstieg in die zweite Liga verließ, sammelte er eine Stimme mehr ein als Bundestrainer Joachim Löw nach der für Deutschland im Halbfinale zu Ende gegangenen Europameisterschaft. Und nach seiner Einstandssaison in der Bundesliga mit dem FC Augsburg wurde Weinzierl gar Vierter, einen Platz nur hinter Jürgen Klopp, dem Dortmunder Meistermacher, mit dem er sich vor dem ersten Spiel erst hatte bekannt machen müssen.

          Gut, es hatten auffällig wenige Journalisten sich beteiligt an der Wahl des „Kicker“, es hatte eine organisatorische Panne gegeben, es wurde zwischenzeitlich über eine Neuwahl nachgedacht - was Markus Weinzierl auch akzeptiert hätte: „Vielleicht schaffe ich es dann noch aufs Stockerl.“ Dass der Trainer des FC Augsburg einen Witz in eigener Sache macht, ist so noch nicht vorgekommen. Zu ernst war die Lage während seiner gesamten bisherigen Amtszeit.

          Nichts mehr neu aufbauen, nur noch „stabilisieren“

          Mit lediglich neun Punkten aus der Hinrunde galt der FCA bereits als erledigter Fall, und obwohl er in der zweiten Halbzeit der Saison zulegte, erreichte er den Nichtabstiegsplatz erst auf den letzten Drücker, am 34. Spieltag. Lange ging es auch um seine eigene Perspektive: Bei einer Entlassung wäre sein forscher Anlauf auf die Bundesliga als junger Trainer in den Enddreißigern als gescheitert zu betrachten gewesen - mit dem Klassenverbleib war er auf einmal Kandidat bei Werder Bremen und laut Wahlergebnis einer der Besten, gleich nach Jupp Heynckes (FC Bayern), Christian Streich (Freiburg), Klopp.

          Grundsätzlich gilt für Weinzierl, dass sich „in seiner Wahl die harte Arbeit der Mannschaft und jedes einzelnen Spielers widerspiegelt“. Das sagt er jetzt, doch eigentlich ist es ein Satz aus der Vorsaison, als Weinzierl sich hinter Floskeln verschanzte. Nun zeigt er Mut zur Pointe, und das ist das Indiz, dass die fulminante Rückrunde etwas verändert hat in Augsburg. Das Selbstvertrauen, das man aufgebaut hat, ist über die Sommerpause geblieben. „Wir haben da ein Gerüst, ein Fundament“, erklärt Weinzierl, „und die Spieler, die vom Vorjahr noch da sind, wissen, dass es funktioniert.“ Er müsse nichts mehr neu aufbauen, nur noch „stabilisieren“.

          Der Wandel ist immer noch ein Mysterium

          Wie es zu dem Wandel in Augsburg kommen konnte, das ist immer noch ein Mysterium. Stefan Reuter, der Weltmeister von 1990, der in der Weihnachtszeit als neuer Manager eingestellt wurde, sorgte für Aufbruchstimmung, doch auch sein glückloser und gekündigter Vorgänger Jürgen Rollmann hatte mit dem Aufschwung zu tun.

          Als der FCA kürzlich mit Rollmann einen Vergleich schloss, musste der Verein als Leistung des früheren Managers schriftlich herausstellen, dass dieser die Zusammenarbeit mit dem Motivationscoach Jörg Löhr, einem früheren Handball-Nationalspieler, auf den Weg gebracht habe - eine Verbindung, über die der FCA sonst kein großes Aufhebens machte. Jedenfalls: Mit Beginn der Rückrunde stand eine Augsburger Mannschaft auf dem Platz, die einen offensiven und mutigen Fußball spielte.

          Die andere Seite der Geschichte

          Diese Mannschaft ist im Wesentlichen zusammengeblieben - das ist die positive Sichtweise, bevor der FC Augsburg die neue Saison mit dem DFB-Pokal-Erstrundenspiel an diesem Freitag bei RB Leipzig (19 Uhr/ live bei Sky und F.A.Z.-Liveticker) eröffnet. Die andere Seite der Geschichte ist: Auch im dritten Jahr in der Bundesliga tun sich die bayerischen Schwaben schwer, mehr Qualität in den Kader zu bringen. Stefan Reuter hatte schon, als alle am 34. Spieltag den Bundesliga-Verbleib bejubelten, angedeutet, „dass es mit den Transfers dieses Jahr lange dauern kann“, und das bestätigt sich.

          An Spielern, die er direkt einbauen kann, hat der FCA lediglich Halil Altintop bekommen, der seinen Vertrag in der Türkei wegen ausstehender Lohnzahlungen aufkündigen konnte, dazu als Leihgabe für eine Saison den Österreicher Raphael Holzhauser vom VfB Stuttgart. Für Augsburger Verhältnisse sind das prominente Zugänge - allerdings herrscht auch eine gewisse Star-Skepsis, weil die vorjährigen Neuerwerbungen wie Aristide Bancé, Giovanni Sio, Knowledge Musona und Milan Petrzela - allesamt mit internationalen Referenzen - Fehlgriffe waren.

          Seine Südkoreaner Koo und Ji musste der FCA an die Leihherren Wolfsburg und Sunderland retournieren. Die drei Millionen Euro Ablöse, die aus England für Dong-Won Ji aufgerufen waren, wollte Augsburg nicht aufbringen. So hat man nun zwei Nationalspieler weniger im Kader, aber womöglich kommt ein anderer dazu: Der Niederländer Paul Verhaegh, schon fast 30, Außenverteidiger und Kapitän des FCA, wurde überraschend in das vorläufige Aufgebot fürs nächste Länderspiel berufen.

          Über einen Nationalspieler des WM-Titelanwärters Holland zu verfügen würde gar nicht passen zum FC Augsburg, dessen Trainer Weinzierl nach wie vor sagt: „Die anderen Klubs haben mehr individuelle Qualität, wir müssen wieder übers Kollektiv kommen.“ Das gilt auch für die Pokalaufgabe in Leipzig, „bei einem Gegner, der kein normaler Drittligist ist“. Die Rolle des Favoriten muss der FCA aber annehmen. Weinzierl sagt: „Es wird das einzige Spiel dieser Saison sein, in dem wir Favorit sind.

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