https://www.faz.net/-gtm-uuul

FAZ.NET-Spezial: 31. Spieltag : Werder strauchelt - Gladbach erster Absteiger

  • Aktualisiert am

Bremens Leistung lässt Thomas Schaaf verzweifeln Bild: dpa

Nach dem Debakel im Uefa-Cup musste Werder Bremen auch im Titelkampf der Bundesliga einen schweren Rückschlag hinnehmen. Die 2:3-Niederlage in Bielefeld hat auch Auswirkungen auf den Tabellenkeller: Borussia Mönchengladbach steht als erster Absteiger fest.

          3 Min.

          Schalke und Bremen zeigten wieder einmal Nerven, Stuttgart dagegen unerwartete Souveränität - der Kampf um die deutsche Meisterschaft ist drei Spieltage vor dem Saisonfinale endgültig zu einem Dreikampf geworden. Im Schatten der vermeintlichen Titel-Favoriten Bremen und Schalke verblüfft der lange Zeit unterschätzte VfB die Konkurrenz und Fachwelt. (Siehe auch: )

          Werder Bremen (60) verpasste am Sonntag durch die 2:3-Niederlage bei Arminia Bielfeld (36) den möglichen Sprung an die Tabellenspitze. Aufsteiger Energie Cottbus (41) kann nach dem 2:1-Sieg gegen Bayer Leverkusen (45) mit einer weiteren Saison in der Bundesliga planen.

          Mit dem 1:0 bei Absteiger Borussia Mönchengladbach verkürzten die Schwaben (61 Punkte) den Abstand zum Spitzenreiter aus Gelsenkirchen auf einen Zähler. Nach dem sechsten Pflichtspielerfolg in Serie reifen beim Pokalfinalisten gar Double-Träume. „Das hätte uns vor fünf Spieltagen keiner zugetraut. Und jetzt sind wir dabei“, sagte Torhüter Timo Hildebrand. (Siehe auch: Das Restprogramm in der Fußball-Bundesliga)

          Bremens Leistung lässt Thomas Schaaf verzweifeln Bilderstrecke

          Vorfreude auf ein Herzschlag-Finale

          Der märchenhafte Aufwärtstrend verleitet in Stuttgart jedoch niemanden zu Muskelspielen. Noch gibt sich die Clubführung bescheiden - und trägt damit zur unverkrampften Spielweise der Profis bei. Zwar präsentierte sich der VfB in Mönchengladbach in wenig meisterlicher Form, nutzte aber im Stile einer gereiften Spitzenmannschaft die Gunst der Stunde. Die glänzende Ausgangsposition und das leichteste Restprogramm aller Titelanwärter schüren die Vorfreude auf ein Herzschlag-Finale. Trainer Armin Veh sieht keine Gefahr, dass sein Team abhebt: „Meine Spieler sind zwar jung, aber auch klug.“

          Wie es scheint, macht der Druck den Schalkern mehr zu schaffen. Wie schon vor sechs Jahren kamen die „Königsblauen“ am 31. Spieltag als Spitzenreiter im Revierderby beim VfL Bochum ins Straucheln. „Da war plötzlich unser Meister-Gen weg“, klagte Trainer Mirko Slomka in der „Bild am Sonntag“. Von einem folgenschweren Déjà-vu-Erlebnis wollte Manager Andreas Müller jedoch nicht reden: „Ich habe immer gesagt, die Meisterschaft wird erst am letzten Spieltag entschieden. Wir müssen trotz aller Enttäuschung nun den Kopf hoch nehmen.“

          Hoeneß: „Das lassen wir uns nicht länger bieten“

          Beim einstigen Verfolger FC Bayern ist der Glaube an ein Happy End längst erloschen. Erstmals seit 1996 muss sich der Rekordmeister mit der Uefa-Cup-Teilnahme begnügen. Mit bitterbösen Pfiffen quittierten die Fans das 1:2 gegen den Hamburger SV. Die neuerliche Demontage öffnete allen Beteiligten die Augen: Ohne einen radikalen Neuanfang ist die Rückkehr zur alten Vormachtstellung illusorisch. Schonungslos nahm sich Manager Uli Hoeneß die satten Profis zur Brust: „Das lassen wir uns nicht länger bieten. Alle unsere Kraft setzen wir darauf, in der neuen Saison eine Mannschaft auf den Platz zu bringen, die mit dieser nichts mehr zu tun hat.“(Siehe auch: Hoeneß wütet: Mannschaft „hat keine zweite Chance verdient“)

          Anders als an der Spitze ist im Tabellenkeller der Kreis der Hauptdarsteller kleiner geworden. Neben dem Hamburger SV und dem VfL Bochum (beide 39 Punkte) gelang auch Borussia Dortmund (38) dank der Freistoß-Kunst von Alexander Frei beim 2:0 über Eintracht ein wichtiger Schritt Richtung Klassenverbleib. „Jetzt können wir ein bisschen durchpusten, aber gerettet sind wir noch nicht“, befand BVB- Trainer Thomas Doll nach seinem ersten Heimsieg in dieser Saison.

          Mainz: „Wir haben die schlechtesten Karten“

          Mit Schlusslicht Mönchengladbach (25) steht der erste Absteiger fest. „Das ist bitter und tut weh“, meinte Nationalspieler Marcell Jansen. Kapitän Peer Kluge, der zum 1. FC Nürnberg wechselt, sagte: „Einen traurigeren Abschied kann ich mir nicht vorstellen. Aber es ist leider Gottes auch ein verdienter Abstieg.“

          Darüber hinaus deutet derzeit viel darauf hin hin, dass Mainz (31) und Aachen (33) dem Altmeister in die Zweiten Liga folgen müssen. Denn der Trend beider Teams ist bedenklich: Der FSV wartet seit sechs Spielen auf einen Sieg und verpasste beim 1:2 gegen Hannover den Befreiungsschlag, die Alemannia kassierte beim 0:4 gegen Hertha BSC die fünfte Niederlage in Serie. „Wir haben die schlechtesten Karten aller gefährdeten Mannschaften“, bekannte der Mainzer Manager Christian Heidel mit Blick auf das schwere Restprogramm.

          Doch auch Frankfurt (34), Wolfsburg (36) und Bielefeld (36) sind noch nicht aus dem Schneider. Angesichts der heiklen Tabellenkonstellation wird das Duell der Eintracht am kommenden Spieltag gegen Aachen zu einem Endspiel. „Da muss unser Stadion beben. Diese Partie müssen und werden wir gewinnen“, sagte Frankfurt-Coach Friedhelm Funkel.

          Weitere Themen

          Fußball ist die Rettung

          FAZ Plus Artikel: Frauen in Gambia : Fußball ist die Rettung

          Monika Staab hat achtzig Länder gesehen. Nun ist sie in Gambia, um Mädchen zu fördern und Trainerinnen auszubilden. Es ist Teil eines lebenslangen Kampfs um Gleichberechtigung – mit all seinen Schwierigkeiten.

          Topmeldungen

          Corona-Lage in Süditalien : Aufrufe zur Revolution

          In Süditalien drohen Menschen mit „Sturm auf die Paläste“. Der Geheimdienst warnt vor sozialen Unruhen. Schon gab es versuchte Plünderungen. Die wirtschaftliche Lage der Region ist wegen Corona fatal.
          Rush Hour in der taiwanesischen Hauptstadt Taipeh am 17. März 2020

          Corona und der Westen : Die zivilisatorische Kränkung

          Geben wir im Überlebenskampf Freiheit und Würde auf? Oder steckt hinter dieser Entgegensetzung derselbe Dünkel, der so viele im Westen davon abhielt, in der Pandemie von Ostasien zu lernen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.