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FAZ.NET-Regelecke : Warum darf Tim Wiese beim Elfmeter zappeln?

Tim Wiese ruderte mit den Armen und sprang auf und ab. Es half - gleich drei Hamburger scheiterten im DFB-Pokal-Halbfinale am Bremer Torwart. Doch war Wieses Zappeln nicht regelwidrig? Die FAZ.NET-Regelecke klärt auf.

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          Einige Hamburger hätten den Bremer Torwart wohl am liebsten am Pfosten festgebunden. Nicht nur, weil Tim Wiese im Elfmeterschießen des DFB-Pokal-Halbfinales drei Schüsse des HSV parierte (siehe auch: 3:1 im Elfmeterschießen: Wiese weist Werder den Weg nach Berlin), sondern auch, weil er vor der Ausführung auf der Linie außergewöhnliches Bewegungstalent bewies, um die Schützen zu irritieren. Doch ist es rechtens, sich beim Elfmeter so zu verhalten? Hätte Schiedsrichter Knut Kircher Wiese nicht zum Stillhalten auf seiner Torlinie anhalten müssen?

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Nein. Die Regel, dass sich ein Torhüter bei der Ausführung eines Elfmeters nicht bewegen darf, bis der ausführende Spieler den Ball berührt hat, gilt seit 1997 nicht mehr. Nun darf er sich bewegen - um zu irritieren. Hintergrund der Änderung: Den Einzelkämpfern auf der Linie soll eine größere Chance im Duell mit dem Schützen gegeben werden. Aktuellen Studien zufolge werden im Fußball rund 80 Prozent der Elfmeter verwandelt. Die Hamburger Jerome Boateng, Ivica Olic und Marcell Jansen gehörten im Pokalspiel zur bedauernswerten Minderheit.

          Die Richtlinien des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) dokumentieren in Regel 14 auf fünf Seiten, wie der korrekte Elfmeter ausgeführt werden muss. Anhand der Fülle der Regeln, die sich vor allem auf Strafstöße im „regulären Spiel“ beziehen, werden im Folgenden nur die wichtigsten Paragrafen und - aus aktuellem Anlass - zunächst die Anweisungen für das Elfmeterschießen ausgeführt. Diese befinden sich im DFB-Regelwerk unter der „Vorgehensweise zur Ermittlung eines Siegers“:

          Die Hände zum Himmel: Wiese bewegt sich, Schiedsrichter Kircher schaut zu

          - Jedes Team wählt selbständig aus den Spielern, die am Ende des Spiels auf dem Feld waren, die Elfmeterschützen aus und bestimmt, in welcher Reihenfolge sie antreten. Beim Elfmeterschießen dürfen sich nur die teilnahmeberechtigten Spieler und das Schiedsrichter-Trio auf dem Spielfeld befinden. Alle Spieler außer dem Schützen und den beiden Torhütern halten sich im Mittelkreis auf. Der Torwart aus dem Team des Spielers, der einen Elfmeter ausführt, wartet auf dem Spielfeld außerhalb des Strafraums, in dem das Elfmeterschießen stattfindet, an der Stelle, an der die Torlinie und die Strafraumbegrenzungslinie zusammentreffen.

          - Zählt ein Team am Ende des Spiels mehr Spieler als der Gegner (wie beim Pokalspiel nach der Roten Karte für den Hamburger Kapitän David Jarolim), ist das größere Team (in diesem Fall Bremen) entsprechend der Anzahl der Gegenspieler zu reduzieren. Der Kapitän des größeren Teams teilt dem Schiedsrichter die Namen und Nummern der ausgemusterten Spieler mit.

          - In Anwesenheit der beiden Spielführer weist der Schiedsrichter jeder Seite der Münze ein Tor zu. Der Münzwurf entscheidet, auf welches Tor geschossen wird. Der Schiedsrichter ist jedoch frei, ohne Münzwurf zu bestimmen, auf welches Tor das Elfmeterschießen ausgeführt werden soll, unter anderem beispielsweise aus Sicherheitsgründen, aufgrund des Zustandes des Spielfeldes oder wegen der Beleuchtung. In diesem Fall muss der Schiedsrichter seine Entscheidung, die definitiv ist, nicht rechtfertigen. Der Weltverband Fifa ergänzt: Der Strafraum, in dem das Elfmeterschießen stattfindet, darf nur gewechselt werden, wenn das Tor oder die Spielunterlage unbrauchbar geworden ist. Der Schiedsrichter wirft auch eine Münze, und das Team, dessen Kapitän die Wahl gewinnt, entscheidet, ob es mit dem Elfmeterschießen beginnt oder nicht.

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