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Ärger aus der Fankurve : Der Spießer macht Krawall

  • -Aktualisiert am

Einfach nur ein schönes Fußballspiel anschauen – reicht das denn nicht? Bild: Picture-Alliance

Warum reicht beim Fußball nicht das, was auf dem Rasen passiert, für eine gute Show? Wieso braucht es alberne Choreographien und diese kitschigen, pseudo-spirituellen Rituale, mit denen sich sogenannte Fans da aufspielen?

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          Franz Beckenbauer funktionierte früher am besten. Selbst wenn man sich an den Bretterzaun der Welt verlief, wo einen keiner verstand: Kaum beschwor man laut den Geist des Kaisers, schon hellten sich die Mienen auf und man hatte Freunde. Der Rest war Gestik und Mimik, die Verständigung reichte vom gemeinsamen Getränk bis zur Hilfe beim Reifenwechsel. Heute beruft man sich besser auf Jüngere, Erling Haaland bietet sich da an. Die Nennung seines Namens reicht, und schon sehen viele Leute das Bild eines schlaksigen Typen mit Lausbubengesicht vor sich, der sich bewegen kann wie ein Tänzer, und dem sich, wenn er den Ball hat, die Schwerkraft freiwillig ergibt.

          Dann fühlen sie sich gut. Oder sie sagen, nein, sie mögen lieber einen wie Kylian Mbappé, der über das Feld sprintet wie ein junger Hund. Auch da kann jeder problemlos zustimmen oder auch nicht. In den Top-Mannschaften haben Herkunft, Hautfarbe, Religion keine Bedeutung. Fußball hat seine eigene Hierarchie. Es zählt nur, ob einer was auf dem Kasten hat. So viel kann Fußball. Wenn es gut läuft, liefert er gemeinsamen Gesprächsstoff über alle Grenzen hinweg.

          Deshalb würde uns interessieren: Wieso reicht das Geschehen auf dem Spielfeld nicht für eine gute Show? Wieso müssen zusätzlich auf den Stadiontribünen deutscher Klubs noch alberne Choreographien aufgeführt werden? Wer braucht denn diese kitschigen, pseudo-spirituellen Rituale, mit denen sich sogenannte Fans da aufspielen? Ein paar Schlachtrufe und das Schwenken von Schals täten es doch auch. Wer ein Seelenbad will, soll in die Kirche gehen. Und wer Krawall will, auf die Kirmes.

          Man leistet sich einen Besuch im Fußballstadion doch immer noch in der Hoffnung, ein gutes Spiel zu sehen, und nicht, um Zeuge zu werden, wie ein aufgeblasener Haufen Spießer in Gruppenrausch verfällt. Sie behaupten, sie wären die Wächter gegen den Kommerz – in einem allerdings total durchkommerzialisierten System. Die Vereine hofieren sie auch nur deshalb, weil sie ihr Getue für ein Verkaufsargument halten. Und klar: Normalerweise hält man das aus. Aber wenn im Fußballstadion Menschen beleidigt, verhöhnt und gemobbt werden, dann gibt es am Ende nur noch eins: Stehplätze abschaffen!

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