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Der Fall Marco Reus : Wer schützt die Künstler des Fußballs?

  • -Aktualisiert am

Der Schmerzensmann des deutschen Fußballs: Marco Reus Bild: dpa

Wieder trifft es Marco Reus. Dortmund-Trainer Jürgen Klopp nennt die Grätsche gegen den Künstler, der lange ausfällt, „Dummheit pur“. Der böse Tritt sollte die Rauhbeine des Fußballs zum Innehalten bringen.

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          „Ein Wahnsinn, ein Wahnsinn!“ Jürgen Klopp konnte kaum ertragen, was seinem besten Spieler am Samstag wieder einmal widerfahren war. Zum dritten Mal in diesem Jahr wurde Marco Reus nach ungeschickten oder brutalen Attacken seiner Gegenspieler auf einer Trage vom Platz gebracht. Und jedes Mal waren zuvor Bänder und Hoffnungen gerissen. Für den 25 Jahre alten Tempodribbler und Ballzauberer von Borussia Dortmund wird sein Beruf Fußballprofi allmählich zum Albtraum.

          Diesmal war es ein ungewollter, deswegen aber nicht weniger brutaler Tritt seines einstigen Dortmunder Zimmergenossen Marvin Bakalorz gegen den rechten Knöchel, der ihn in Paderborn zu Fall brachte und aufschreien ließ. Jeder im Stadion spürte auf Anhieb, dass es den Schmerzensmann des deutschen Fußballs in dieser 64. Minute aufs Neue bös erwischt hatte.

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          Schon wieder verletzt: Marco Reus will schon gar nicht mehr hinsehen :

          Als das Spiel zwischen dem Aufsteiger SC Paderborn und der Borussia noch lief und schließlich zur Enttäuschung des BVB 2:2 endete, war Reus längst auf dem Weg ins Krankenhaus. Schon vor der endgültigen ärztlichen Diagnose am Sonntag ahnte Reus’ leidgeprüfter Trainer nach dieser „schrecklichen Szene“, dass es „etwas Katastrophales ist“.

          Der Augenblick, der das bis dahin von der Borussia noch leidlich kontrollierte Spiel zur Nebensache machte, war ein Moment, der eigentlich alle Gegenspieler, die es mit einem Wirbelwind à la Reus zu tun bekommen, zum Innehalten bringen sollte. Zu offenkundig wurde dabei, wie rücksichtslos dabei spielerisch weniger begabte Naturen den Künstlern ihres Genres bei Gelegenheit zusetzen.

          Klopp: „Das habe ich ihm früher auch schon gesagt“

          Klopp kannte die Defizite des 25 Jahre alten Bakalorz, den er zwischen 2011 und 2013 in seinem Luxuskader hatte, der aber in Dortmund kein Bundesligaspiel bestritt und erst in Paderborn zum Bundesliga-Stammspieler wurde. „Es passiert ihm immer wieder, dass er so unkontrolliert grätscht“, beschrieb der aufgewühlte Borussen-Trainer Bakalorz’ große Schwäche, „das muss man anders machen, das habe ich ihm früher auch schon gesagt.“

          Dabei unterstellte niemand unter den Dortmundern dem laut Klopp „Top-Jungen“ böse Absichten bei seinem Versuch, den Ball auf rustikale Weise zu erobern. Das Ergebnis von Bakalorz’ Grätsche, die für Klopp „Dummheit pur“ war, mündete trotzdem in eine niederschmetternde Diagnose: Außenbandriss im rechten Sprunggelenk. Erst im neuen, für ihn hoffentlich erfreulicheren Jahr wird Marco Reus den nächsten Anlauf unternehmen, endlich wieder unbeschwert Fußball spielen zu können.

          Dafür braucht er auch eine starke Psyche, da dieser Genius unter den besten deutschen Balljägern in letzter Zeit zu oft unter den mit unfeinen Mitteln Gejagten seiner Zunft zu finden war. Immer wieder niedergestreckt zu werden, sich alle paar Monate am Boden zu krümmen und danach in Krankenhäuser verfrachtet zu werden, das belastet die Seele eines gepeinigten Profis. „Er ist wie ein Bruder, und es hat mir sehr weh getan, ihn auf dem Platz liegen zu sehen“, sagte Pierre-Emerick Aubameyang, angefasst wie alle Dortmunder nach dem Spiel, als er über Reus redete.

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