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Schalke 04 : Exportschlager Knappenschmiede

  • -Aktualisiert am

Willlkommen in China: Ralf Fährmann gibt Autogramme Bild: Imago

Ein China-Trip zwischen Fußball und Knowhow-Transfer: Schalke 04 verdient mittlerweile beachtliches Geld dank seiner Nachwuchsarbeit in Asien. Ein Testspiel-3:3 gegen Southampton ist da nur Beiwerk.

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          Ralf Fährmann zeigte sich beeindruckt, als die Fußballprofis des FC Schalke 04 auf dem Flughafen von Schanghai chinesischen Fans begegneten. „Es ist ein schönes Gefühl, fast neuntausend Kilometer fernab der Heimat so herzlich begrüßt zu werden“, sagte der Mannschaftskapitän. Zu Beginn der Woche hatten die „Königsblauen“ sich zum dritten Mal nacheinander auf den Weg nach China gemacht, um Fußball zu spielen und Geschäfte zu machen. Schalke in China, zehn Tage lang: Eine lukrative PR-Tour, wie sie bei namhaften europäischen Klubs in der Sommerpause mittlerweile üblich ist? Ein Testspiel wie gegen den FC Southampton, bei dem Schalke am Donnerstag nach Toren von Konoplyanka sowie den Neuzugängen Serdar und Skrzybski in Kunshan 3:3 gespielt hat, spült Geld in die Kasse. Auch, aber nicht nur.

          Die Gelsenkirchener unterhalten Geschäftsbeziehungen nach China, die über das hinausgehen, was bei Bundesligavereinen gang und gäbe ist, um neue Märkte zu erschließen. Neuerdings arbeitet Schalke mit dem chinesischen Erstligaverein Hebei China Fortune FC zusammen, um dessen Nachwuchsarbeit neu zu strukturieren. Dem Vernehmen nach erzielt der Revierklub, verteilt auf die Vertragslaufzeit von fünf Jahren, einen Ertrag von mehr als 20 Millionen Euro als Vergütung für den Transfer von Know-how der „Knappenschmiede“, die seit Jahren effizient arbeitende Nachwuchsabteilung des Klubs.

          Trainer mit Abenteuerlust

          Schalke schickt rund 25 Trainer und Scouts nach China, um dort Talente von der „U 9“ bis zur „U 19“ zu fördern. Dem Ausbilderteam gehören nur lizenzierte Trainer an, die Schalke entweder selbst beschäftigt oder zumindest selbst ausgewählt hat. Das Gesicht der Knappenschmiede bleibt allerdings daheim. Norbert Elgert, der wohl erfolgreichste Jugendtrainer Deutschlands, wird allenfalls für Vorträge nach China reisen. Schalke wolle unbedingt vermeiden, dass die heimische Nachwuchsarbeit unter dem Projekt leide, sagt Marketing-Vorstand Alexander Jobst.

          Als Jugendtrainer nach China zu gehen erfordert sicher eine gewisse Abenteuerlust. „Aber als Trainer würde ich mir überlegen, das zu machen, wenn ich nicht gerade zwei Kleinkinder zu Hause hätte“, sagt Jobst.

          Warum leistet sich China den Luxus, ein Markenprodukt der europäischen Nachwuchsarbeit zu importieren? „China hat massiv vor, eine Fußballnation zu werden“, sagt Jobst. „Das Land investiert erheblich in die Entwicklung seines heimischen Fußballs bis zum Jahr 2030.“ Die Chinesen arbeiten offenbar darauf hin, möglichst bald eine Weltmeisterschaft auszurichten und dann auch eine konkurrenzfähige Mannschaft zu stellen.

          Einsatz in China: Schalke im Testspiel gegen Southampton

          Davon will Schalke profitieren. „Das ist ein Meilenstein in der Internationalisierungsstrategie des FC Schalke 04“, sagt Jobst. Als das Geschäft angebahnt wurde, konnten sie bei ihrem Verhandlungspartner damit punkten, vier Weltmeister von 2014 ausgebildet zu haben: Manuel Neuer, Julian Draxler, Benedikt Höwedes und Mesut Özil. Dieser Glanz ist jüngst verblasst mit der gescheiterten Titelverteidigung in Russland. Als weiterer Nachweis für den Erfolg des Exportartikels Knappenschmiede bleibt aber der Hinweis auf die Erlöse, die der Verkauf von Spielern erbrachte, die der Klub selbst ausgebildet hat. Allein mit den Transfers von Neuer, Draxler und Sané erwirtschaftete Schalke mehr als 100 Millionen Euro an Ablösesummen.

          Die abgelaufene Saison als Meisterschaftszweiter abgeschlossen zu haben und demnächst wieder in der Champions League anzutreten, wird das Profil des FC Schalke schärfen. Aber das gilt nicht für einen, der schon zu Beginn der vergangenen Saison außen vor war. Benedikt Höwedes, einst Kapitän auf Schalke, hatte keinen Stammplatz mehr zugesagt bekommen und Gelsenkirchen daraufhin verlassen. Das Leihgeschäft mit Juventus Turin endete schon nach einer Saison. Juve zeigte kein Interesse an einer festen Verpflichtung des Innenverteidigers, der bei Schalke bis Ende Juni 2020 unter Vertrag steht.

          Eine Rückkehr zu den Königsblauen erscheint unrealistisch. Im Kampf um einen Stammplatz wären Höwedes’ Chancen noch geringer als vor einem Jahr, auch weil der Klub in Salif Sané aus Hannover einen weiteren Verteidiger von Format verpflichtet hat. Zum Trainingsstart brauchte der frühere Abwehrchef nicht zu erscheinen. Während seine Kollegen in China Werbung machen und Fußball spielen, versucht Höwedes zu Hause, sich beruflich neu zu orientieren. „Benedikt will das eine oder andere Gespräch mit Blick auf seine Zukunft führen“, sagt Schalkes Sportvorstand Christian Heidel. Diese Zukunft wird wohl nicht bei den Königsblauen liegen. „Benedikt war ein Jahr weg, in dieser Zeit hat sich viel verändert. Auf seiner Position ist viel Betrieb“, sagt Heidel. Höwedes kann sich nun in aller Herren Länder nach einem neuen Arbeitsplatz umschauen. Vielleicht sogar in China. Aber das wäre für ihn im Alter von dreißig Jahren wohl doch ein wenig zu früh.

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