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Früherer Nationaltorwart Adler : „Es macht keinen Sinn mehr, ich höre auf“

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„Mein Körper hat genug gelitten“: Rene Adler Bild: EPA

Seit Monaten schon fehlt er verletzt, sein letztes Bundesligaspiel bestritt er vor mehr als einem Jahr. Nun beendet der frühere Nationaltorwart Rene Adler seine Karriere – und gibt Einblicke in schwierige Zeiten.

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          Rene Adler gibt sich dem eigenen Körper geschlagen. Nach einem Jahr Leidenszeit hängt der ehemalige Nationaltorwart die Handschuhe an den Nagel und beendet am Saisonende seine aktive Fußball-Karriere. „Das Vertrauen in den Körper ist einfach nicht mehr da. Es macht deshalb keinen Sinn mehr, darum höre ich nun auf“, sagte der 34 Jahre alte Profi des Bundesligavereins FSV Mainz 05 dem Magazin Stern.

          Sein letztes Bundesligaspiel bestritt Adler am 29. April 2018 beim FSV-Sieg (3:0) gegen RB Leipzig. Danach setzte ihn eine Knorpelverletzung im Knie außer Gefecht. Schon in der Vorsaison hatte Adler lediglich 14 Spiele für die Mainzer bestritten. Erst laborierte er an einer Oberschenkelverletzung, anschließen plagten ihn Adduktorenbeschwerden. „Ich hätte mir zwar gewünscht, mehr zu spielen, aber ich hatte in Mainz trotz der Verletzungen eine wunderbare Zeit“, gab der Torwart zu Protokoll.

          Seine gesamte Laufbahn bezeichnete Adler als „mentalen Kraftakt“. Er habe dafür einen hohen Preis bezahlt, so Adler: „Mein Körper hat genug gelitten.“ Insgesamt absolvierte der gebürtige Leipziger 269 Bundesligaspiele für Mainz, den Hamburger SV und Bayer Leverkusen. Für Deutschland spielte Adler zwölf Mal. „Meine Ängste und Zweifel waren meine größten Treiber. Aber sie haben mich auch daran gehindert, alles aus meinem Talent rauszuholen. Meine Erwartung war höher“, sagte Adler.

          So hatte eine im Frühjahr 2010 erlittene Rippenverletzung, die ihn um die WM-Teilnahme in Südafrika brachte, für Adler im Rückblick psychosomatische Gründe. „Ich bin davon überzeugt, dass mein Körper damals mit den Verletzungen darauf reagiert hat, dass ich mir zusätzlich zu diesem Druck von außen auch selbst einen immensen innerlichen Druck gemacht habe“, äußerte der Keeper: „Der Rippenbruch im Frühjahr 2010 war das Stoppschild meines Körpers.“

          Vor Jahren hatte Adler bereits bekannt, dass er aufgrund seiner langen Verletzungspausen ein ähnliches Schicksal wie das von Robert Enke fürchtete. „Wir haben gefühlt, dass wir ähnlich sind. Deshalb hat es mir ja Angst gemacht, dass ich einen ähnlichen Weg einschlagen könnte“, sagte Adler mit Blick auf Enke, der an Depression litt und sich im Jahr 2009 das Leben nahm.Enke war einst Adlers Rivale im Kampf um den Stammplatz im deutschen Tor. Nach Enkes Tod war Adler kurzzeitig zur deutschen Nummer eins aufgestiegen, bevor er seinen Platz – natürlich verletzungsbedingt – an Manuel Neuer verlor.

          Als Folge seiner Verletzungen änderte Adler die Einstellung zu seinem Beruf. „Mein Leben war früher sehr auf den Fußball fokussiert. Ich habe gemerkt, dass das nicht gut und sogar kontraproduktiv für mich ist“, sagte der Torwart: „Ich habe gelernt, Distanz zu bewahren.“ Dieser Ansatz dürfte ihm nach dem Karriere-Ende sicher weiterhelfen.

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