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Schalke-Legende Rudi Assauer : Der Manager mit dem Macho-Image ist tot

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Rudi Assauer (1944 - 2019) Bild: dpa

Jahrelang prägte Rudi Assauer Schalke 04 wie kein anderer. Der Uefa-Cup-Sieg und seine Tränen nach der „Vier-Minuten-Meisterschaft“ sind unvergessene Momente. Nun starb der frühere Manager nach langer Krankheit.

          Sein Name ist für immer untrennbar mit dem FC Schalke 04 verbunden. In den vergangenen Jahrzehnten prägte niemand den Traditionsverein aus dem Revier so nachhaltig wie Rudi Assauer. „Ohne diese Fans, ohne diese Tradition, ohne diese religiösartige Bewunderung wäre dieser Verein schon längst tot. Das ist die Philosophie von Schalke 04“, sagte Assauer einmal. Und beschrieb damit eindringlich, was ihm der Fußballklub bedeutete. Schon zu Lebzeiten war er als mächtiger Manager, der Schalke als sein Lebenswerk betrachtete, eine königsblaue Legende. Nun ist Rudolf „Rudi“ Assauer, der jahrelang an Alzheimer litt, am Mittwoch gegen 15.30 Uhr im Alter von 74 Jahren gestorben. Das bestätigte der Verein am Abend. Zuerst hatte die „Bunte“ über den Tod Assauers berichtet. In seiner Wohnung in Herten schlief Assauer in den Armen seiner Tochter Bettina Michel ein. Auch Zwillingsschwester Karin war bei ihrem Bruder. Assauer wäre am 30. April 75 Jahre alt geworden. 

          „Entweder ich schaffe Schalke oder Schalke schafft mich“, lautet einer der bekanntesten Sätze Assauers. Im Rückblick lässt sich sagen, dass er Schalke geschafft hat. In zwei Amtszeiten (1981 bis 1986 und 1993 bis 2006) war er insgesamt 18 Jahre lang für den Revierklub als Manager tätig. Der große Erfolg stellte sich aber erst ein, als ihn der damalige Präsident, „Sonnenkönig“ Günter Eichberg, in höchster Not im April 1993 holte. Schalke lag finanziell am Boden, es drohte der Lizenzentzug. In mühsamer Kleinarbeit gewannen Assauer und seine Vorstandskollegen in den Folgejahren das Vertrauen der Banken und Sponsoren zurück und legten damit die Basis für den späteren sportlichen Erfolg.

          In der Saison 1995/1996 schaffte das Team mit Trainer Jörg Berger als Bundesliga-Dritter den Einzug in den Uefa-Pokal. Und Assauer gelang nach der ersten, siegreichen Europacup-Runde gegen Roda Kerkrade der entscheidende Coup: In einer Nacht-und Nebelaktion überzeugte er den damals unbekannten Trainer Huub Stevens, von Kerkrade nach Schalke zu wechseln. Stevens bat Assauer damals, ihn in geheimer Mission zu treffen. „Dann fuhr Rudi mit einem Auto mit Gelsenkirchener Kennzeichen und Schalke-Aufkleber vor“, erinnerte sich Stevens lachend.

          In einem Werbespot mit Lebensgefährtin Simone Thomalla spielte Assauer mit seinem Image. Bilderstrecke

          Mit dem knorrigen Niederländer und dessen Motto („Die Null muss stehen“) eroberten die „Eurofighter“ um Olaf Thon und Marc Wilmots die europäischen Stadien. Der Höhenflug endete mit dem legendären Uefa-Cup-Sieg bei Inter Mailand am 21. Mai 1997 – bis heute der größte Erfolg der Klubgeschichte und ein Meilenstein. Fast wäre auch der größte Traum in Erfüllung gegangen, als Schalke 2001 kurz vor dem Gewinn der achten deutschen Meisterschaft stand, ehe Bayern München den Königsblauen den Titel mit dem 1:1-Ausgleich in der Nachspielzeit in Hamburg noch wegschnappte.

          Die Tränen nach dem letzten Spiel im Parkstadion, als Fans und Spieler nach dem Sieg gegen Unterhaching bereits den Platz stürmten und den vermeintlichen Titel feierten, gingen um die Welt. Die „Meister der Herzen“ waren geboren, doch Assauer sagte auf der Pressekonferenz bitter: „Ich glaube nicht mehr an den Fußball-Gott.“ Eine Woche nach dem Tiefpunkt gewann das Team den DFB-Pokal, im Jahr darauf konnten die Königsblauen den Triumph in Berlin wiederholen. Im Siegesrausch ließ Assauer einst den „Pott“ fallen, und das gute Stück musste aufwendig restauriert werden. Als Vermächtnis hinterließ Assauer auch sein „Baby“, die Schalke-Arena. Das seinerzeit modernste Stadion mit herausfahrbarem Rasen und schließbarem Dach wurde im August 2001 eingeweiht.

          Assauer hatte Angst vor Alzheimer

          Mit dem Wechsel von Stevens zur Hertha im Sommer 2002 neigte sich die erfolgreiche Zeit dem Ende entgegen. Später kam es zum Bruch mit Aufsichtsratschef Clemens Tönnies und den anderen Vorstandsmitgliedern. Längst gab es erste Anzeichen für Assauers Krankheit, die er aber zunächst ignorierte und dann vertuschte. „Man will es nicht wahrhaben. Wenn es eine Sache in der Welt gibt, vor der ich immer Angst habe, so richtig Schiss auf gut Deutsch, dann Alzheimer“, gestand er später. „Bloß nicht die Birne.“

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