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Lienens TV-Zwist mit Hecking : „Das hat ihn verärgert“

  • Aktualisiert am

„Dieter hat nur einen kleinen Auszug aus meiner Analyse mitbekommen und dieser Teil hat ihn verärgert“, sagte Lienen. Bild: dpa

Dieter Hecking und Ewald Lienen spielten zusammen für Gladbach. Nach dem Spiel gegen Bremen brach der Trainer ein Interview nach Kritik des TV-Experten verärgert ab. Nun sprechen beide über ihren Zwist.

          Nach dem TV-Wirbel um Dieter Hecking hat auch Fernseh-Experte Ewald Lienen den Zwist mit seinem Trainerkollegen für beigelegt erklärt. „Wir haben alles besprochen und ausgeräumt“, versicherte Lienen der „Bild“-Zeitung (Dienstag). Borussia Mönchengladbachs Chefcoach Hecking hatte am Sonntag ein Interview des Senders Sky verärgert abgebrochen und später seinen Unmut über Aussagen von Lienen bei Sky als Auslöser dafür genannt. „Dieter hat nur einen kleinen Auszug aus meiner Analyse mitbekommen und dieser Teil hat ihn verärgert“, sagte Lienen.

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          Der 65 Jahre alte frühere Gladbach-Profi hatte im TV-Studio von einer enttäuschenden Leistung der Borussia beim 1:1 gegen Werder Bremen gesprochen. Dies hatte Hecking vor seinem Interview gehört und nach eigener Aussage als „absolut unpassend“ empfunden. Einen Tag später sagte Hecking: „Wir haben das im Telefonat geklärt, und damit ist es auch gegessen.“ Der 54 Jahre alte Coach muss die Borussia am Saisonende verlassen. Der Klub plant für die Zukunft ohne Hecking. Sein Nachfolger soll Marco Rose von Red Bull Salzburg werden. Abgefunden mit dem beschlossenen Aus zum Saisonende hat sich Hecking noch nicht, der Ärger über die Berichterstattung am Sonntagabend aber hat sich auch bei ihm inzwischen gelegt.

          „Das habe ich nicht verstanden und kann es auch bis heute nicht nachvollziehen“, sagte Hecking am Montag bei Sky zur Kritik von seinem früheren Gladbacher Mitspieler. Lienen habe ihn am Montag zur Klärung angerufen, sagte Hecking weiter. „Ich habe gesagt: Ewald, du als Kollege, der in dieser Situation auch schon war, könntest das besser wissen. Ich glaube schon, dass die Mannschaft unter diesen Umständen ein richtig gutes Spiel gemacht hat. Ewald hat aus meiner Sicht falsch gelegen, aus seiner vielleicht nicht. Wir haben das im Telefonat geklärt und damit ist es auch gegessen“, sagte Hecking. Der Gladbach-Coach und Lienen waren Anfang der 1980er Jahre Teamkollegen bei Borussia.

          Hecking hatte am Sonntag das Sky-Interview mit Reporter Marcus Lindemann abgebrochen, nachdem dieser ihn zur Reservistenrolle von Kapitän Lars Stindl gefragt hatte.“ „Wissen Sie, das ist genau der Journalismus, den ich nicht mag. Dass man jetzt  versucht, wieder über Einzelne zu sprechen“, sagte Hecking zunächst. Als Lindemann daraufhin seine Frage als „legitim“ rechtfertigte, zog der Gladbach-Coach sichtlich erzürnt ab. Am Montag fügte Hecking an: „Ich hatte vor dem Spiel schon etwas zu Lars Stindl gesagt, dann kamen nochmal zwei Nachfragen, das habe ich für überflüssig gehalten. Aber das war nicht der Auslöser.“

          Dennoch ist die Champions League bei vier Punkten Rückstand sechs Runden vor Schluss in weite Ferne gerückt. Am 20. Spieltag waren es zehn Punkte Vorsprung. Jetzt gilt es, wenigstens den internationalen Wettbewerb zu sichern. „Das Unentschieden ist sicher ärgerlich, aber die Leistung stimmte, darauf werden wir in den letzten sechs Spielen aufbauen müssen“, sagte Hecking, dem die Enttäuschung über die Gesamtsituation deutlich anzumerken ist. Dies war auch der Grund für den Interview-Abbruch. So dünnhäutig hatte sich Hecking in Mönchengladbach bislang nicht gezeigt.

          „Natürlich hat mich das alles schwer getroffen. Das ist alles auch noch sehr frisch“, erklärte Hecking. Auch seine persönliche Lebensplanung müsse er nun neu ordnen. „Es war nicht geplant, Borussia im Sommer 2019 zu verlassen. Ich hatte eigentlich für die Zukunft andere Planungen“, meinte der Coach. „Nun möchte ich etwas hinterlassen, worauf der Nachfolger aufbauen kann“, sagte Hecking. In Marco Rose hat der Klub den neuen Chefcoach wohl schon gefunden, diese Verpflichtung aber noch nicht offiziell bestätigt. „Wir bleiben dabei, dass wir die Öffentlichkeit informieren, wenn die Dinge fix sind“, sagte Sportdirektor Max Eberl.

          Gemeinsame Zeiten 1984 in Gladbach: Lienen (mittlere Reihe, Dritter von rechts) und Hecking (mittlere Reihe, Vierter von links)

          Hecking hatte zu Beginn seiner Abschiedstour nach einem hochemotionalen Gespräch mit Eberl vor einer Woche sportlich zunächst die richtigen Schlüsse gezogen und auch unpopuläre Maßnahmen getroffen. So blieb etwa Kapitän Lars Stindl nur auf der Bank. „Das war meine schwierigste Entscheidung, aber er hat das total verstanden“, erklärte der Coach. „Ich finde, dass Dieters Maßnahmen sehr gut gegriffen haben“, meinte Eberl.

          „Die Systemumstellung war die richtige Wahl“, befand Nationalspieler Christoph Kramer. Auch Bremens Trainer Florian Kohfeldt gab zu, von der Taktik überrascht worden zu sein. „Das hat uns vor Anpfiff schon den Kopf rauchen lassen“, sagte der Werder-Coach. Eberl war zufrieden. „Über neunzig Minuten hat die Mannschaft viel Herz, Moral und Leidenschaft auf den Platz gebracht. Was wir in Düsseldorf nicht gezeigt haben, haben wir heute eindrucksvoll gezeigt“, sagte Eberl nach dem allerdings enttäuschenden Ergebnis und dem fünften sieglosen Heimspiel in Serie.

          Dennoch lässt die Leistung hoffen, dass ein internationaler Wettbewerb erreicht werden kann. „Wenn wir so spielen wie heute, setzt das noch mal etwas frei“, sagte Kramer. Auch Eberl sieht die Chance, in den restlichen sechs Spielen die nötigen Punkte dafür zu holen. „Die Champions League ist noch im Bereich des Möglichen, die Europa League wollen wir jetzt schaffen, das soll jetzt unser Ziel sein.“

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