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Europa League : Der Kontinent soll den FC Augsburg kennenlernen

In der großen weiten Welt: Der FC Augsburg und Trainer Markus Weinzierl beginnen in Bilbao ihr Europaabenteuer Bild: dpa

Augsburg geht die Europa League mit wohltuender Selbstironie an. Vor dem Auftaktspiel in Bilbao sind aber auch Misstöne zu vernehmen beim Überraschungsteam der vergangenen Bundesligasaison.

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          Seit Dienstag rollt er durch Europa, der Teambus mit der Aufschrift: „In Europa kennt uns keine Sau.“ Der erste Schritt zur Weiterbildung des ignoranten Borstenviehs soll diesen Donnerstag (21.05 Uhr / Live bei Sky und im F.A.Z.-Liveticker) bei Athletic Bilbao gelingen. Dort gibt der FC Augsburg sein Debüt in der Europa League, der erste deutsche Europa-Neuling seit Mainz 05 im Jahr 2005. Zeit wird es. Schon zu Zeiten der Römer und der Fugger war Augsburg ein Ort von internationaler Bedeutung. Doch auf der Landkarte des europäischen Fußballs erscheint er erst jetzt, zweitausend Jahre nach seiner Gründung.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Zur Feier des historischen Tages haben die Spieler die Reise der rund 1500 Fans ins Baskenland aus der Mannschaftskasse unterstützt. Torwart Marwin Hitz sprach von einem „Dankeschön an die Fans“. Manager Stefan Reuter bezifferte den Zuschuss von Team und Klub zu den Reisekosten auf „eine sechsstellige Summe“. Die mehr als 3000 Kilometer lange Hin- und Rückreise per Bus kostet dadurch inklusive Eintrittskarte nur 99 Euro, erfordert aber eine gute Konstitution: Zwischen Abfahrt und Rückkehr liegen 48 Stunden ohne Hotelbett.

          Misstöne begleiten Europareise

          Die Spieler nahmen lieber das Flugzeug. Der vorgefahrene Bus mit der Sau-Botschaft nahm sie am Mittwoch in Bilbao in Empfang. Ausgerechnet vor diesem Fußball-Festtag klangen dem Überraschungsteam der vergangenen Bundesliga-Jahre ein paar Misstöne in die Ohren. Am vorletzten Wochenende waren es die Pfiffe des Publikums beim 0:1 gegen Ingolstadt - eine gestiegene Erwartungshaltung, die Spielmacher Daniel Baier ärgerte. Er rief in Erinnerung, dass Platz fünf „eine absolute Ausnahmesituation“ gewesen sei: Allen müsse bewusst sein, dass man nun wieder Punkte gegen den Abstieg sammle.

          Der zweite Misston war am Samstag der späte Pfiff von München. 88 Minuten lang taugte der Derby-Auftritt beim FC Bayern den Augsburgern als „Mutmacher“, sagt Torwart Hitz. Dann kam der „Witz-Elfmeter“, wie ihn Trainer Markus Weinzierl bezeichnete. Auf einen Schlag wurde das durch die groteske Fehlentscheidung verlorene Spiel zum Ballast für das, was Jan-Ingwer Callsen-Bracker das „Spiel des Jahres“ nennt. Der Abwehrspieler übt sich im nun erforderlichen Spagat aus Pflicht und Kür, Last und Lust. Er warnt vor der „gefährlichen Situation“ in der Bundesliga, mit nur einem Punkt aus vier Spielen. Und schwärmt zugleich von der Europa League. Sie sei „ein Traum von uns allen“, so Callsen-Bracker: „Wir wollen das richtig genießen.“

          Von Misstönen begleitet: Augsburg schwächelt in der Bundesliga

          Nach dem mühsam verarbeiteten Frust von München müht sich auch Weinzierl, das Positive mitzunehmen: „Dort haben wir wieder unser Gesicht gezeigt, haben toll gefightet. Da wollen wir weitermachen.“ Der Trainer dürfte auch in Bilbao auf die Anti-Bayern-Taktik setzen, die sein Team so unbequem macht: tief stehen und lauern. Die Taktik eines Außenseiters, denn das ist der FCA in jeder Hinsicht. Sein Gegner ist schon 83 Jahre länger erstklassig - der einzige Klub neben den beiden Giganten Real Madrid und FC Barcelona, der seit Gründung der Primera División 1928 ununterbrochen dabei ist.

          Baskisches Überraschungsteam

          Athletic, acht Mal Meister, 24 Mal Pokalsieger, kennt sich selbst mit Außenseitertaktik aus. Ähnlich wie die Augsburger, die die Guardiola-Bayern zweimal besiegen konnten, haben die Basken einen Ruf als Favoritenschreck. Sie bestätigten ihn zuletzt mit dem Gewinn des spanischen Supercups durch ein 4:0 gegen Triple-Gewinner Barcelona. Und noch vor drei Jahren stand Bilbao nach Siegen gegen Paris St-Germain, Manchester United, Schalke im Finale der Europa League (man unterlag Atlético Madrid), worauf der FC Bayern den auffälligsten Spieler, Javi Martinez, für 40 Millionen Euro kaufte.

          Auch der FCA ist zuletzt durch einen großen Transfer in Europa bemerkbar geworden, den Verkauf von Abdul Rahman Baba, der mehr als 20 Millionen Euro brachte. Nun will man sich auch auf dem Rasen bekannt machen. Ob der Fan-Gesang von dem sau-unbekannten Team, das mit seiner Selbstironie auf Merchandising-Artikeln, Twitter-Account und Mannschaftsbus zum Markenzeichen geworden ist, bald geändert werden muss? „Auf jeden Fall werden uns drei Mannschaften kennenlernen“, sagt dazu Baier - und erklärt zum Ziel der Europa-Reise, es möge nicht bei den drei Etappen Bilbao, Alkmaar und Belgrad bleiben. Sein Wunsch: „Dass uns am Ende der Saison mehr als drei Klubs in Europa kennen.“

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